Meine Woche

Die „Rentnergasse“ zwischen den Bunkern fällt nun weg

Lothar Radszuweit ist sehr froh darüber, dass immer mehr Vorurteile im Hinblick auf den Golfsport sich auflösen.
07.04.2020, 15:43
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Die „Rentnergasse“ zwischen den Bunkern fällt nun weg

Lothar Radzuweit muss sich nun irgendwie anders fithalten.

WK

Mittwoch, 1. April: Im Moment ist einfach nicht die richtige Zeit, um jemanden mit einem Scherz in den April zu schicken. Also verkneife ich mir einen solchen Spaß. Auch wenn es mir sehr schwerfällt, beantrage ich zudem für unsere beiden in Vollzeit angestellten Mitarbeiter im Golfclub Kurzarbeit. Es handelt sich aber um eine reine Präventivmaßnahme, weil wir nicht wissen, wie lange die Corona-Pause noch anhält. Derzeit sind aber noch Aufräumarbeiten und kleinere Schönheitsreparaturen vorzunehmen. Auch das Sekretariat bleibt besetzt, um weiterhin einen Ansprechpartner zu haben. Sollte aber irgendwann nichts mehr zu tun sein, wäre Kurzarbeit eine Möglichkeit, um Geld zu sparen. Wir als Vorstand müssen mit den Beiträgen der Mitglieder verantwortungsvoll umgehen und dürfen das Geld nicht so raushauen. Dadurch, dass zurzeit kein Geld durch Gastspieler in die Kasse kommt, fehlen uns etwa zehn bis 15 Prozent im Budget. Ich habe mich gestern per Videoinformation auf unserer Homepage an unsere Mitglieder gewandt und erhalte dafür nun ein positives Feedback. Besondere Zeiten, erfordern eben auch besondere Maßnahmen. Deshalb habe ich auch Informationen gegeben, die über übliche Newsletter hinausgehen. Es geht in dieser Zeit darum, sich solidarisch zu verhalten. Ich gratuliere meiner Schwägerin Kerstin Radszuweit noch telefonisch zum Geburtstag. Normalerweise hätten wir uns sicherlich getroffen.


Donnerstag, 2. April: Donnerstags treffe ich mich immer mit drei Freunden zum Golfspielen auf unserer Anlage. Da der Platz aber ja gesperrt ist und ich auch nicht wie sonst in den Fitnesspark in Burg gehen kann, muss ich mich nun irgendwie anders fithalten. Dafür absolviere ich ein Körpergewichts-Training mit verschiedenen Bändern. Es gibt mehr als 100 unterschiedliche Übungen, die sehr gut für die Rumpfstabilität sind. Bei den Liegestützen gehe ich zum Beispiel mit den Füßen in die Bänder und muss dabei das Gleichgewicht halten. Ich trainiere auch noch mit den sogenannten Kettlebells. Dabei handelt es sich um Kugelhanteln mit einem Griff daran. Die Vorstandssitzung im Golfclub halten wir per Telefonkonferenz ab. Dabei sprechen wir unter anderem über die Renovierungen und Restaurierungen auf unserer Anlage. So haben wir zum Beispiel einen Rollrasen und ein paar neue Abschläge bekommen. Auch einen Bunker haben wir neu eingerichtet. Unser Vizepräsident Dieter Burdorf ist für den Platz zuständig und koordiniert die Arbeiten, die von der Firma Bruce Johnston aus Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt werden. Diese Firma kümmert sich unter anderem auch um die Plätze in der Bremer Schweiz und in Lilienthal. Bruce Johnston stammt aus Kanada. Dieser kann sich nun mit seinen Mitarbeitern ganz in Ruhe auch um die Platzpflege kümmern, ohne dabei von Golfern gestört zu werden.


Freitag, 3. April: Heute hätte unsere ordentliche Mitgliederversammlung, also unsere Jahreshauptversammlung, über die Bühne gehen sollen. Dafür hatten wir das Hamme-Forum in Ritterhude reserviert. Da immer rund 120 Personen von den etwa 600 Mitgliedern diese Versammlung besuchen, können wir diese Veranstaltung auch nicht per Video- oder Telefonkonferenz abhalten. Wir können dafür auch nicht ins Freie gehen, weil wir alle so weit auseinanderstehen müssten, dass niemand mehr etwas versteht. Wegen der Corona-Pandemie ist aber gerade ein neues Gesetz erlassen worden, in dem die Frist für die Abhaltung der Jahreshauptversammlungen bis zum Ende des Jahres verlängert wurde. Es wurde auch bereits angekündigt, dass diese Frist notfalls bis Ende 2021 verlängert wird. Dank dieser Ausnahmeregelung kann niemand eine Klage einreichen. Für uns ist der Ausfall der Versammlung auch nicht so schlimm, weil ich gemeinsam mit Dieter Burdorf, Schatzmeister Jürgen Rathjens und Spielführer Torsten Meyer noch bis April 2021 gewählt bin.


Sonnabend, 4. April: Da das Wetter so gut ist, hole ich unsere Terrassenmöbel vom Dachboden, um sie auf die Dachterrasse unseres Penthauses zu stellen. Früher hatte ich auch mal einen Garten. Da war ich auch noch mit dem Rennrad unterwegs. Und immer wenn ich mit dem Rennrad fahren wollte, musste ich den Rasen mähen. Deshalb bin ich froh, dass diese Tätigkeit nun wegfällt. Am Abend fällt auch das Kegeln mit meinem Klub „Die lustigen Pudel“ auf der Anlage in der Bremer Duckwitzstraße aus. Mit diesem Verein unternehmen wir alle zwei Jahre auch eine Reise. Im vergangenen Jahr hatten wir eine Finca auf Mallorca mit zehn Leuten angemietet.


Sonntag, 5. April: Der für heute geplante Lesmona-Cup fällt natürlich auch aus. Dieser Cup, der vom Golfhaus in Stuhr und vom Autohaus Beilfuß unterstützt wird, findet sonst einmal im Monat statt. Dabei gewinnt derjenige, der den Ball mit einem Schlag im Loch unterbringt, dem also ein Hole-in-one gelingt, ein kostenloses Wochenende in einem Mazda. Da wir als Amateure höchstens Preise im Werte von 750 Euro erhalten dürfen, ist dies schon ein großer Anreiz. Aber ein Hole-in-one ist natürlich sehr selten. Bei besonderen Turnieren bekommt aber auch schon mal der Sieger der Veranstaltung ein kostenloses Wochenende mit einem Fahrzeug.


Montag, 6. April: Ich helfe meiner Mutter Irene Radsuzweit bei Angelegenheiten, die durch den Tod meines Vaters Klaus vor zwei Wochen angefallen sind. Es sind Versicherungen durchzugucken und Rentenanträge zu stellen. Ich kümmere mich gemeinsam mit meinen beiden Geschwistern um meine Mutter. Wir kaufen auch für sie ein. Am Donnerstag werden wir uns einen Platz im Friedwald in der Bremer Schweiz ausgucken, wo mein Vater in einer Urne beigesetzt werden soll. Für Bestattungen gibt es derzeit die Regel, dass nur maximal 20 Personen daran teilnehmen sollen. Wir werden aber nur mit meiner Mutter, ihren Kindern und deren Anhang im engsten Familienkreis Abschied nehmen. Mein Vater konnte bis zum Alter von 85 Jahren noch viele Sachen unternehmen und ist dann mit 86 Jahren an Lungenkrebs gestorben.


Dienstag, 7. April: Wie fast jeden Tag unternehme ich einen Spaziergang mit unserem Chihuahua Sydney. Der heißt so, weil ich meine Frau in Australien geheiratet habe. Ich habe auch schon auf allen fünf Kontinenten Golf gespielt. Nur Nordamerika fehlt noch, weil eine geplante Golftour in Florida wegen einer Erkrankung meiner Frau ausgefallen ist. Ich gehe ganz verschiedene Strecken mit Sydney, zum Beispiel an der Lesum entlang, oder im Knoops Park. Heute begeben wir uns aber zum Grohner Yachthafen. Wo normalerweise viele Boote liegen würden, ruht nun still der See. Das ist schon gespenstisch. Ich arbeite in der Corona-Zeit aber nicht weniger als sonst. Mein Schwerpunkt liegt bei der Digitalisierung und dem Datenschutz. Es geht nun auch darum, sichere Verbindungen herzustellen, damit möglichst viele Menschen im Homeoffice arbeiten können. Ohne eine sichere Verbindung ist der Industrie-Spionage Tür und Tor geöffnet. Das ist auch nicht mit dem Datenschutz zu vereinbaren. Am Nachmittag schaue ich mir noch den Fortgang der Arbeiten auf unserer Golfanlage an. Wir haben das Inselgrün zwischen zwei Bunkern entfernt, sodass der Ball nun nicht mehr durch die „Rentnergasse“ zwischen den Bunkern hindurchrollen kann, sondern über das Hindernis geschlagen werden muss. Manche sagen auch „Präsidenteneingang“ zur Lücke. Das höre ich aber nicht so gerne. Ich bin ansonsten sehr froh darüber, dass immer mehr Vorurteile im Hinblick auf den Golfsport sich auflösen. Ein Monatsbeitrag in Höhe von 75 Euro ist für viele auch erschwinglich.


Finn-Niklas Klaus, der Stürmer des Fußball-Oberligisten FC Hagen/Uthlede, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Lothar Radszuweit (63)

ist seit einem Jahr Präsident des Bremer Golfclubs (GC) Lesmona. Der Projektmanager der Deutschen Bahn war zuvor als Spielführer (Sportwart) in diesem Verein tätig. Radszuweit wohnt in St. Magnus und ist seit acht Jahren mit Martina Plachetka verheiratet.

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