Analysen im Bremer Norden

Das Weserufer als Forschungsfeld

Der Senat hat eine Analyse für Vegesack angekündigt, jetzt gibt es eine zweite: Marketing- und Tourismusstudenten sollen die Maritime Meile sondieren und sagen, wie Angebote besser genutzt werden können.
13.03.2021, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Das Weserufer als Forschungsfeld
Von Christian Weth
Das Weserufer als Forschungsfeld

Die Promenade der Maritimen Meile: Für die Wasserkante sind jetzt zwei Analysen angekündigt worden – vom Senat und von Vereinen, die das Ufer voranbringen wollen.

von Lachner

Vegesack. Der Senat ist nicht der einzige, der eine Analyse für Vegesack ankündigt. Auch Paul Benteler macht das. Dem Projektberater der Vereine am Weserufer geht es jedoch nicht wie der Landesregierung um das Potenzial des neuen Hafenquartiers für das benachbarte Schulschiff, sondern um die Maritime Meile insgesamt. Und darum, was fehlt und was notwendig ist, damit Angebote mehr genutzt werden. Es sind Fragen, die die Jacobs University ähnlich stellt – für den kompletten Stadtteil.

Man könnte meinen, dass immer mehr Fachabteilungen das Nordbremer Mittelzentrum als neues Forschungsfeld für sich entdecken. Doch was fürs Rathaus und die Grohner Privatuni zutrifft, liegt in Bentelers Fall anders. Die Antworten, die der Projektberater sucht, wollte er schon vor einem Jahr finden. Nur dass die, die sie ihm geben sollten, damals nicht bereitstanden: Studenten der Hochschule werden sich die 1852 Meter lange Uferstrecke zwischen dem „Schulschiff Deutschland“ und dem Schlepper „Regina“ zweieinhalb Monate genauer ansehen.

Dass Benteler auf sie und keine anderen setzt, hat mit dem Fachbereich zu tun, dem sie angehören. Und mit Renate Freericks, die den Studiengang leitet. Die Hochschüler sind Marketing- sowie Tourismusstudenten – und Freericks ist eine Forscherin, die sich mit Vegesack und der Maritimen Meile schon mal beschäftigt hat. Ihr zufolge sollen die angehenden Akademiker mit ihrer Bewertung im nächsten Monat beginnen. Die Projektarbeit ist quasi ihre Praxisarbeit für den Abschluss. Laut Benteler sind es neun Studenten, die vielen Fragen nachgehen sollen.

Es sind dieselben, die er und die übrigen Mitstreiter der Arbeitsgemeinschaft den Hochschülern im Vorjahr aufgelistet haben: Welche Angebote auf der Meile funktionieren aus touristischer Sicht, welche nicht? Muss es neben dem Geschichtenhaus, dem Museumshaven, der Signalstation und dem Stadtgarten eventuell weitere Anlaufstellen für Besucher geben – und wenn ja, was für welche? Und wie könnte ein didaktisches Konzept aussehen, das Tagesgäste quasi über die Meile lotst und neugierig auf das nächste Gebäude und den nächsten maritimen Hingucker macht?

Dem Projektberater und den Vereinen geht es dabei nicht nur um die wissenschaftliche Sicht der Studenten, sondern auch um konkrete Projekte. Und um Vorschläge, wie auf Veränderungen an der Meile reagiert werden könnte. Wenn zum Beispiel das Bootshaus als Anlaufstelle für Besucher dazu- oder das Schulschiff wegkommen sollte. Benetler sagt, dass die Hochschüler mal erklären sollen, wie sie die Pläne für das frühere Vereinsheim der Ruderer finden – und ob sie meinen, dass der Rettungskreuzer „Bremen“, um den sich die Arbeitsgemeinschaft bemüht, ein guter Ersatz für den Großsegler wäre.

Jörn Gieschen kennt die Fragestellungen für die Studenten. Der Chef des Vegesack Marketings war dabei, als sie formuliert wurden. Der Verein ist zwar kein maritimer Verein, gehört aber trotzdem zur Arbeitsgemeinschaft, die das Weserufer voranbringen will. Wer die Meile besucht, besucht nicht selten auch die Fußgängerzone – und umgekehrt. Gieschen verspricht sich viel von der Arbeit der Studenten. So viel, dass er davon ausgeht, dass ihre Ergebnisse in die Standortanalyse einfließen werden, die der Senat in der Debatte um die Standortfrage des Schulschiffs angekündigt hat.

Der Marketing-Mann sagt, dass die Studenten so etwas wie Grundlagenforschung betreiben. Gieschen geht es vor allem um neue Zielgruppen. Die Hochschüler sollen Besucher, aber auch Anwohner befragen. Der Geschäftsführer will wissen, was ältere Menschen von der Meile halten, aber auch, wie jüngere über das Weserufer denken. Gieschen erhofft sich nicht bloß Erkenntnisse darüber, wem die Wasserkante mehr und wem sie weniger zu bieten hat. Er rechnet auch mit einer Antwort darauf, wie ein Angebot aussehen müsste, von dem alle gleichermaßen profitieren.

Resultate zur Meile erwartet Gieschen im Sommer – und zu Vegesack, das Studenten der Jacobs University durch eine andere Projektarbeit voranbringen wollen, im Winter. Gieschen sagt, dass es bei diesem Vorhaben vor allem um soziale und wirtschaftliche Analysen geht. Etwa darum, wie Lern- und Jugendangebote in Quartieren ausgebaut und Einzelhändler dabei unterstützt werden können, die Folgen der Corona-Pandemie zu bewältigen. Ihm zufolge werden schon bald so viele Hochschüler in Vegesack unterwegs sein wie selten. Beide Forschungsprojekte der Unis beginnen im April.

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