Meine Woche

Jeder Anstieg wird irgendwann zur Qual

Der Tischtennis-Spieler des Vegesacker Turnvereins, Matthias Tischler, blickt auf eine ereignisreiche Woche zurück.
02.06.2020, 16:15
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Jeder Anstieg wird irgendwann zur Qual

Der VTV-Akteur Matthias Tischler unternimmt auch gerne Radtouren.

WK

Mittwoch, 27. Mai: Ich wurde kurz nach der Wende am Rande des Harzes geboren. Vor neun Jahren bin ich dann wegen meiner großen Liebe nach Bremen gezogen. Leider haben wir uns dann bereits nach einem Jahr getrennt. Ich wohne zwar noch in Schönebeck, habe mir aber bereits eine Wohnung in Lemwerder gekauft und werde dort im nächsten Jahr hinziehen. Mein erster Arbeitsplatz in Bremen als Zerspanungsmechaniker befand sich in Walle, wo jetzt die Union-Brauerei ihren Standort hat. Seit drei Jahren arbeite ich nunmehr in Lemwerder bei Reiner Berends Maschinenbau, und fräse dort sämtliche Teile für die Werften. Ich fühle mich dort pudelwohl, weil es sich um eine familiäre Firma handelt und ich alle lieb gewonnen habe. Heute hat Reiner Geburtstag. Ich hatte mich schon gefreut, mit ihm und seiner Familie zu feiern. Aber als sich im Laufe des Tages herausstellt, dass ich überhaupt keine Zeit am Nachmittag habe, bin ich sehr traurig, weil wir meinen 30. Geburtstag im vergangenen Jahr auch zusammen gefeiert hatten. Am Abend läuft der zweite Teil der englischen Woche in der Fußball-Bundesliga. Ich schaue mir diesen aber nicht an, da ich diese überbezahlten „Schauspieler“ nicht unterstützen möchte. Mein Lieblingssport ist Tischtennis. Der SV Werder Bremen tritt in dieser Sportart auch in der Bundesliga an. Das interessiert mich wesentlich mehr als die Fußball-Bundesliga.


Donnerstag, 28. Mai:
Ich stehe bereits um 5 Uhr auf und fahre eine halbe Stunde später mit meinem Rennrad zur Arbeit. Um 6 Uhr ist Arbeitsbeginn. Auch bei uns auf der Arbeit spürt man die Krise, weil unsere Kunden weniger bestellen. Um 15 Uhr mache ich Feierabend und muss dringend zu „Teichreber“. Dabei handelt es sich um den Fahrradladen meines Vertrauens. Da eine lange Radtour am Sonnabend ansteht, will ich mein Rennrad überprüfen lassen und neues Zubehör kaufen. Beim Prüfen der Kette hat der Chef, Jarl Bindernagel, zufällig Risse am Rahmen entdeckt, dort wo der Lenker sitzt. Auf dem ersten Blick sieht es so aus, als ob nur der Lack aufgeplatzt wäre. Um es genauer zu prüfen, muss ich mein Rad dort lassen, weil die Lenkerstange ausgebaut werden muss, um zu sehen, ob nicht auch der Rahmen dort gerissen ist. Mit einem unguten Gefühl gehe ich ins Bett, schlafe aber trotzdem gut ein.


Freitag, 29. Mai:
Beim Klingeln des Weckers denke ich sofort an mein Rad. Dieses habe ich erst vor vier Wochen in Verden über ebay-Kleinanzeigen gekauft. Dort bin ich mit meinem Tischtennis-Doppelpartner Dirk Richter mit dem Rennrad hingefahren und habe mich sofort in das neue Rad verliebt, weil es mit seinen Farben sofort ins Auge fällt, und sich super leicht fahren lässt. Danach sind wir mit dem Zug und drei Rädern mit einem Lächeln im Gesicht zurückgefahren. Um 14 Uhr kommt der erhoffte Anruf von Jarl. Aber es gibt schlechte Nachrichten. Ein Riss im Rahmen gefährdet die Radtour, obwohl ich mich tierisch darauf freue. Also muss eine Lösung her. Auf meine eigene Verantwortung versuche ich, den Riss zu flicken und hoffe, dass es halten, und der Riss nicht größer wird während der Fahrt. Gegen 20 Uhr fahre ich noch kurz zu Edeka in Aumund, um Proviant für morgen zu kaufen. Im Anschluss gucke ich noch Fernsehen zur Entspannung, aber nicht zu lange, weil ich wieder früh aufstehen möchte und ich ausgeschlafen und fit sein muss für die längste Tour bislang, die morgen ansteht.


Sonnabend, 30. Mai:
Ich stehe um 7 Uhr auf. Die Vorfreude ist sehr groß. Nach dem Duschen packe ich alle Sachen zusammen. Ich pumpe auch noch schnell Luft auf die Reifen. Acht bar sind gut. Die Kette bekommt zudem einen Tropfen Öl – und schon kann es losgehen. Ich muss erst einmal nach Blumenthal fahren zu meinem Kumpel Dirk. Er freut sich auch schon tierisch. Wir trinken einen Kaffee zusammen. Gegen 9 Uhr nehmen wir dann die ersten Kilometer Richtung Beverstedt in Angriff. Die nächste Pause gibt es in Bad Bederkesa. Hier essen wir ein verdammt leckeres Eis. Von hier sind es nur noch 40 Kilometer bis zur „Alten Liebe“ in Cuxhaven. Ein Fischbrötchen an der Küste zu essen, ist Pflicht. Gut gestärkt treten wir die Rückfahrt an. Diesmal radeln wir an der Weser entlang. Die Hälfte haben wir geschafft und sind noch recht fit. Es geht Richtung Dorum, Wremen, Bremerhaven weiter mit Rückenwind. In Bremerhaven kaufen wir uns etwas zu trinken und essen eine Kleinigkeit. Es sind noch 50 Kilometer bis nach Hause. Jetzt ist die mentale Stärke gefragt. Der Körper ist schon angeschlagen. Jeder kleine Anstieg ist eine Qual. Wir pushen uns gegenseitig, kommen völlig erschöpft gegen 21.45 Uhr an und trinken ein Sieger-Bier. Zu Hause falle ich einfach nur noch todmüde ins Bett.


Sonntag, 31. Mai:
Vom gestrigen Werder-Sieg auf Schalke habe ich nur zufällig erfahren. Daran kommt man ja nicht so einfach vorbei. Aber ich stehe dazu neutral. Sonntags gehe ich mit Hans-Dieter Teutsch, den ich auch vom Vegesacker Turnverein kenne, zum Gottesdienst in Grohn. Ich bin noch erschöpft von gestern und lege mich danach auf die Couch. Ich denke gerade an unsere Vereinsmeisterschaft im vergangenen Jahr im Sommer. Obwohl ich laut QTTR-Punkten der beste Spieler im Verein bin, wurde ich kein Vereinsmeister, sondern mein Doppelpartner Dirk Richter. Danach haben wir den Grill angeschmissen und hatten noch einen lustigen Abend. Solche Veranstaltungen schweißen uns zusammen. Im Februar hatten wir eine tolle Kohlfahrt mit super Wetter. Wir haben geboßelt und weitere lustige Spiele, wie zum Beispiel Sackhüpfen, veranstaltet. Nach einer köstlichen Mahlzeit im „Grünen Jäger“ in Farge wählte das Kohlpaar, Andreas Zöllner und Dirk Richter, ein neues Paar. Und wie das so üblich ist, dürfen die Neulinge diese Aufgabe übernehmen. Anschließend muss das Kohlpaar zusammen tanzen. Also schnappte ich mir Thomas Kolbe, mit dem ich einen tollen Walzer getanzt habe. Nach einer lustigen Party ging es leider irgendwann nach Hause. Da ich noch länger geblieben war, musste ich alleine nach Hause finden. Also bin ich einfach losgelaufen und war nach vier Stunden endlich zu Hause. Der Knochen liegt bei mir und ihm ist eine Kette mit den eingravierten Namen der letzten Kohlpärchen angebracht. Der Knochen erinnert mich jeden Tag an diese Kohlfahrt. Thomas Kolbe und ich werden die nächste Kohltour organisieren.

Montag, 1. Juni: Heute ist der internationale Kindertag. Als ich Kind war, gab es immer eine Kleinigkeit zum Naschen. Jetzt bin ich in dem Alter, in dem man Männertag feiert. Den freien Tag nutze ich noch mal zum Ausruhen. Montag-Abend ist sonst immer Tischtennis-Training. Aber wegen Corona dürfen wir jetzt schon fast drei Monate nicht mehr trainieren. Wir müssen noch abwarten, bis die Hygieneregeln mit den Schulen abgesprochen wurden. Aber wenn ich nach dem Sport nicht mehr duschen darf, finde ich das auch nicht sehr hygienisch, und würde noch länger auf Tischtennis verzichten. Unsere Tischtennis-Abteilung bekam übrigens einen starken Spieler – Gregor Grzesik. Er ist nun unsere neue Nummer eins. Ich habe mit ihm im vergangenen Jahr einmal trainiert – das hat viel Spaß gemacht. Wir haben insgesamt zwei Mannschaften, beide sind aufgestiegen. Wir sind jetzt in der 2. Kreisliga und in der 1. Kreisklasse vertreten. Ob und wie die neue Saison im September starten wird, steht noch in den Sternen. Aber eins weiß ich: Alle haben Bock und wollen sich wieder die Bälle um die Ohren hauen, und danach zusammen trinken und quatschen.


Dienstag, 2. Juni:
Abends gehe ich mit meinem Vereinskumpel Hans-Dieter Teutsch zum Bibelabend, der alle zwei Wochen in der christlichen Gemeinde stattfindet. Obwohl ich nicht gläubig bin, ist es trotzdem sehr interessant, sich mal mit diesem Thema zu beschäftigen. Wenn das Wetter mitspielt, werden Dirk Richter und ich weiterhin an jedem Wochenende eine Radtour machen, aber nicht mehr so eine lange. Die erste Radtour haben wir am 28. März dieses Jahres zum Zigarren-Denkmal in der Bremer Neustadt unternommen – seitdem machen wir das jedes Wochenende.


Marco Wilhelms,
der Handballer des Oberligisten HSG Schwanewede/Neuenkirchen, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Matthias Tischler (30)

spielt Tischtennis beim Vegesacker TV. Der Zerspanungsmechaniker, der Gegenstände für Werften fräst, war im Sommer des vergangenen Jahres vom TV Grohn zum VTV gewechselt. Tischler lebt bereits seit fast neun Jahren in Schönebeck.

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