Klagen über Müll und Verwahrlosung

Ärger über Zustand des Vegesacker Bahnhofs

Farbschmierereien an den Wänden, Müll auf den Gleisen, wucherndes Gestrüpp – der Vegesacker Bahnhof ist keine Visitenkarte für den Stadtteil. Ein Rundgang mit Beiratssprecher Torsten Bullmahn.
07.09.2020, 08:46
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller
Ärger über Zustand des Vegesacker Bahnhofs

Der Vegesacker Beiratssprecher Torsten Bullmahn kritisiert den Zustand des Vegesacker Bahnhofs. Dazu gehören auch die Farbschmierereien an den Gebäuden.

Christian Kosak

„Schauen Sie sich die zugeklebten Fensteröffnungen an, das sieht doch nicht schön aus.“ Torsten Bullmahn zeigt auf die Außenmauer des Vegesacker Bahnhofsgebäudes. Dort, wo Fahrgäste auf dem Weg vom Zug zu den Bussen auf dem Bahnhofsvorplatz und umgekehrt vorbeihasten, sind die Fenster zugepflastert mit Plakaten. „Das Bahnhofsgebäude ist eigentlich ein schöner historischer Bau, dem aber das Flair fehlt“, stellt der Vegesacker Beiratssprecher fest.

Bei einem Ortstermin habe der Beirat sich vor einiger Zeit ein Bild gemacht, erzählt Bullmahn. Und sei sich einig gewesen: „Der Bahnhof ist alles andere als schön.“

„Ein Bahnhof ist das Eingangstor zum Stadtteil“, sagt Bullmahn. Und sollte entsprechend einladend aussehen. „Wer ankommt, sollte den Eindruck bekommen: Ist das schön hier.“ Am Bahnhof Vegesack sei das nicht der Fall. „Hier ist alles ungepflegt. Da denkt man nur, bloß schnell weg von diesem Ort.“

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Der Beiratssprecher findet beim Rundgang auf Schritt und Tritt Beispiele, die seine Worte belegen: mit Farbe beschmierte Wände und Fenster an Haupt- und Nebengebäude, verstreute Kippen, Müll auf den Gleisen. Gegen die Farbschmierereien hat Bullmahn einen Vorschlag: „Man könnte einen Teil der Wände als Freiflächen für Graffiti-Künstler zur Verfügung stellen.“ Ein paar Schritte weiter geht sein Blick nach oben, auf die Überdachung zwischen Bahnhofsgebäude und Gleisbereich. Im Gitternetz, das zum Schutz vor Tauben gespannt wurde, hat sich eine Milchverpackung verfangen, die irgendwer dorthin geworfen hat. Auf den halbtransparenten Stegplatten darüber hat sich Grünspan angesammelt. „Die müssten mal sauber gemacht werden“, lautet Bullmahns Kommentar. Er könne sich auch einen Austausch der alten Lichtkuppeln vorstellen, sagt der CDU-Politiker. „Hier muss mehr Tageslicht durchdringen.“

Stichwort Licht. „Die Beleuchtung auf dem Bahnhof muss verbessert werden“. Der Beirat sei sich da einig, sagt Bullmahn. Von vielen Bürgern habe er gehört, dass sie sich abends alleine auf dem Bahnhof nicht sicher fühlen. „Der Bahnhof darf kein Angstraum sein. Eine Videoüberwachung, wie es sie auf dem Bahnhofsvorplatz gibt, wäre auch für den Bahnhof selbst zu überlegen“, meint der Beiratssprecher.

Weiter geht‘s in Richtung Fahrradunterstände. Die asphaltierte Stellfläche unter den Wellblechdächern ist an vielen Stellen aufgeplatzt. Zwischen den Radständern macht sich Efeu breit, einige Einstellplätze sind deshalb schon nicht mehr benutzbar. Drumherum wuchert Gestrüpp. Rot-weißes Flatterband und Holzlatten, die an manchen Stellen schon zusammengebrochen sind, grenzen den Bereich notdürftig zu den Gleisen hin ab. Mittendrin ein ausrangierter Kinder-Buggy, den jemand hier abgestellt hat. Bullmahn bückt sich, hebt einen verrosteten Schraubenschlüssel auf.

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„Ein E-Bike für 2000 Euro würde ich hier nicht abstellen“, lautet sein Kommentar mit Blick auf die offenen Fahrradständer. Notwendig seien sichere und automatisch verschließbare Fahrradboxen, auch um den Umstieg auf die Bahn attraktiver zu machen, meint Bullmahn. In der Bremer Innenstadt gebe es solche Stellplätze schon. „Wir erwarten das auch für Bremen-Nord.“ Auch eine Öffnung des Bahnhofs zum Park-and-Ride-Bereich sei wünschenswert. Was noch fehlt am Bahnhof sind laut Bullmahn mehr Sitzmöglichkeiten und vor allem eine öffentliche Toilettenanlage. „Der Bahnhof hat viel Potenzial“, meint der Beiratssprecher. Seit 2001 ist die Stadt Bremen Eigentümerin des Bahnhofsgebäudes samt umliegender Flächen mit Nebengebäuden. Mit Ausnahme der Bahnsteige und Gleisanlagen, die der Deutschen Bahn gehören und des privaten Park-and-Ride-Platzes. Wie berichtet, gibt es Pläne, das Bahnhofsgebäude zu modernisieren. Der historische Backsteinbau von 1862 wird von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) im Auftrag der Stadt verwaltet. Sie ist dabei zu prüfen, wie das Bahnhofsgebäude modernisiert und künftig genutzt werden könnte.

Laut WFB-Sprecherin Juliane Scholz hat ein Berliner Büro im Auftrag des Bauressorts inzwischen eine Studie erarbeitet. „Diese Studie formuliert keinen konkreten Entwurf aus, sondern beleuchtet die Realisierbarkeit verschiedener Flächengrößen und Programmbausteine“, so Scholz. Wie berichtet, sieht ein Konzept des Bauamtes Bremen-Nord unter anderem eine Neuordnung der Geschäfte im Bahnhofsgebäude, aber auch der Angebote im Außenbereich vor.

Nach Angaben der WFB ist das Bahnhofsgebäude nicht denkmalgeschützt. Für Torsten Bullmahn hat es aber ein besonderes Flair, das bei einer Modernisierung erhalten bleiben müsse. Dazu gehört für ihn auch das historische Ständerwerk der Überdachung. „Wo findet man so etwas heute noch.“ Im Bahnhofsgebäude gewährt der freundliche Mitarbeiter im Reisezentrum der Deutschen Bahn einen Blick hinter die Kulissen. An einer Wand tummeln sich Wassernixen auf seegrünen Wandplatten. „Das sind alte Grohner Fliesen“, weiß der Bahnmitarbeiter. Bullmahn staunt. Noch etwas, das nach seiner Ansicht erhalten bleiben muss. Die Tage für das Reisezentrum in Vegesack sind gezählt, bekanntlich will die DB den Schalter Ende 2022 schließen.

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„Der Bahnhof muss belebt werden“, meint Bullmahn abschließend. Vor dem Bahnhof fällt dem Beiratssprecher noch etwas auf, was verbessert werden muss. „Hier fehlen Wegweiser. Wir wollen mit der Einkaufszone und dem Hafen Besucher nach Vegesack locken, dann müssen diese Ziele auch ausgeschildert sein.“

Von der NORDDEUTSCHEN konfrontiert mit den Sauberkeitsmängeln auf dem Bahnhof Vegesack, weist die Wirtschaftsförderung darauf hin, dass die Flächen in ihrer Zuständigkeit von einem beauftragten Unternehmen wöchentlich gereinigt würden. Die Pflege der Grünanlagen erfolge zum Teil monatlich wie der Rasenschnitt oder bei Bedarf wie Baumschnitt. Für Reinigung, Grünpflege und Müllentsorgung würden rund 20 000 Euro im Jahr ausgegeben. Hinsichtlich der Sauberkeit sehe die WFB „keinen weiteren Handlungsbedarf für die Flächen in ihrer Zuständigkeit“.

Die Deutsche Bahn kündigt nicht nur weitere Verbesserungen an, sie ist nach eigenen Angaben auch schon tätig geworden. Laut eines DB-Sprechers werden die Bahnsteige am Bahnhof Vegesack an jedem Werktag gereinigt, die Gleisbereiche mehrfach im Monat. „Die Rückmeldungen der Kunden haben wir bereits zum Anlass genommen, die Reinigungsmaßnahmen zum Beispiel am Bahnsteig weiter zu verbessern und den Grünschnitt zu intensivieren.“ Die Bahn sei in Gesprächen mit der Stadt Bremen, „um gemeinsam das Erscheinungsbild des gesamten Bahnhofs zu verbessern“.

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