Meine Woche

Nach Quarkspeise Entspannung bei Urwald-Geräuschen

Ole Johannsen (26) ist Spieler des TSV Lesum-Burgdamm in der Floorball-Regionalliga Nordwest und seit eineinhalb Jahren auch Sportwart der Abteilung.
15.10.2019, 15:01
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Nach Quarkspeise Entspannung bei Urwald-Geräuschen

Ole Johannsen

WK

Mittwoch, 9. Oktober: An manchen Tagen fällt es mir echt nicht leicht, morgens aufzustehen, wenn der Wecker klingelt. Heute ist so ein Tag. Es ist so schön warm und gemütlich in meinem warmen Bett. Doch mir ist klar, dass ich mit dem Wecker nicht über ein längeres Verweilen verhandeln kann. Es warten viele Besprechungen mit ganz unterschiedlichen Inhalten auf mich. Ich bin neben meiner eigentlichen Arbeit als 450-Euro-Kraft im Bereich Bildung, Beratung und Bildungsträger mit Tätigkeitsbereich Firmenschulungen, speziell mit der Beantragung von Fördermitteln, Erstellung von Schulungskonzepten sowie internen Prozessen wie Umstrukturierungen beschäftigt. Um 7 Uhr habe ich meine erste Besprechung mit dem Chef von Bildung und Beratung, Manfred Wallenschus, und seinem Sohn Lukas Frahm. Ein Kunde sucht nach Möglichkeiten für eine betriebliche Förderung seiner Mitarbeiter mit bestimmten Fördermodellen. Betriebliche Förderungen im Land Niedersachsen sind für Betriebe aus bestimmten Regionen echt attraktiv, da ein Großteil der Fortbildungskosten erstattet wird. Gemeinsam finden wir mehrere Möglichkeiten für unseren Kunden. Am Freitag fährt der Chef zum Kunden. Ich bin schon auf die Resonanz in der kommenden Woche gespannt. 25 Stunden in der Woche arbeite ich zudem als Prokurist bei der Firma Nordregal. Gegen Mittag kommt unserer Monteur Roland Döding vorbei. Wir besprechen die notwendigen Schritte für die Reparatur der Regalanlage bei einem Kunden. Ich arbeite auch noch einige E-Mails ab, löse Materialbestellungen aus und führe Telefonate. Abends geht es noch zum Floorball-Training.

Donnerstag, 10. Oktober: Die gestrige Trainingseinheit hat ihre Spuren hinterlassen: zwei blaue Flecken und ein großer Appetit am Morgen. Mit meiner Freundin Christin Heißenbüttel, der Schwester meines ehemaligen Teamkollegen beim TV Lilienthal, André Heißenbüttel, frühstücke ich lecker. Es gibt Haferflocken mit Milch und Blaubeeren, dazu einen grünen Tee und ein Brot mit Marmelade. Danach fahre ich wie fast jeden Tag und bei jedem Wetter mit dem Rad zur Arbeit. Für mich hört Gesundheitsmanagement nicht bei Regen auf. Ich genieße es, morgens am Lesumdeich entlangzufahren, und reflektiere noch mal das gestrige Training. Ich war zu Beginn nicht wirklich zufrieden mit meiner Leistung, da ich bei den Schussübungen ohne Gegner nicht ein einziges Mal das Tor getroffen habe. Welche Möglichkeiten es gibt, mit nicht so guten Leistungen im Spiel oder Training umzugehen, habe ich während meiner Bundesliga-Zeit in Lilienthal gelernt. Abends besuche ich noch meine Eltern Jane und Ralf Johannsen, um ein Paket abzuholen und kurz noch mit meinem Papa über ein paar Projekte zu sprechen. Mein Vater ist gleichzeitig mein Chef bei Nordregal. Da er einen Bandscheibenvorfall hatte, leite ich zurzeit die Firma, damit er sich vernünftig erholen kann.

Freitag, 11. Oktober: Ich werde von Freunden oder auch von Kunden gefragt, wie es ist, wenn der Vater gleichzeitig auch der Chef ist. Mir persönlich gefällt die Konstellation. Da wir kein Ladengeschäft haben, sehen wir uns nicht täglich. Sonst würde ich das auch nicht machen. Jetzt ist es zwar auch so, dass man öfters auch abends noch einmal über ein paar Dinge spricht. Das hält sich aber alles noch in Grenzen. Unsere unterschiedlichen Arbeitsweisen sind ein Teil des Erfolges. Während der Senior für den Vertrieb und dafür, die Firma zu steuern, zuständig ist, sind meine Aufgaben die technische und kaufmännische Gestaltung des Angebotes sowie die gesamte Koordination der Materiallieferungen und Montagetermine. Das Freitagstraining ist immer schön, da ich gut meinen Stress der Woche abbauen und viel mit meinem Teamkollegen lachen kann. Am Sonntag treten wir in der Horner Halle gegen zwei Mannschaften an, die schwer einzuschätzen sind.

Sonnabend, 12. Oktober: Am Floorball in Lesum schätze ich am meisten den sehr großen Team-Zusammenhalt auch außerhalb des Feldes. Ich helfe am Vormittag mit ein paar Mannschaftskollegen beim Umzug eines ehemaligen Mitspielers. Volker Szirniks spielt zwar nicht mehr aktiv bei uns, gehört jedoch noch immer zum festen Bestandteil unseres Teams. Einige sperrige Möbelstücke bekommen wir gut aus dem Dachgeschoss und verladen diese sicher im Sprinter. Die neue Wohnung liegt Gott sei Dank im Erdgeschoss. Deshalb sind seine Möbel auch ruck, zuck ausgeladen. Pünktlich zum Mittag gibt es als Belohnung ein paar kühle Biere, Kartoffelsalat und Würstchen. Nachmittags holt mich Lasse ab. Wir laden gemeinsam in der Niederlassung von Nordregal die Winterreifen für das Auto auf. Am Abend genieße ich dann noch eine Quarkspeise mit Quittengelee meiner Mama. Zum Relaxen höre ich mir Urwald-Geräusche und Entspannungsmusik an.

Sonntag, 13. Oktober: Zum Familientag trete ich zunächst mit meiner Floorball-Familie beim Regionalliga-Spieltag an. Wir präsentieren uns sehr gut. Im ersten Match führen wir bis 33 Sekunden vor Schluss sogar mit 4:2, ehe der SC Weende Göttingen noch ausgleicht. Da in der Verlängerung nichts mehr passiert, teilen wir uns nach einem sehr fairen Spiel die Punkte. Gegen den UC Braunschweig nutzen wir unsere vielen Chancen nicht und nehmen daher leider nur einen Punkt nach einer Sudden-Death-Niederlage in der Verlängerung mit. Ich bin trotzdem sehr stolz auf meine Mannschaft – wir haben nie den Kopf hängen lassen. Anschließend begehe ich mit Christin noch den Familienkaffee-Nachmittag bei Mama und Papa. Es gibt kalorienreiche, sehr leckere Schokotorte von Papa. Das ist genau das Richtige nach zwei anstrengenden Spielen.

Montag, 14. Oktober: Im Vergleich zu den Montagen davor ist es warm draußen. Sogar die Sonne lässt sich blicken. Da ich die dringendsten Aufgaben meines Tagesgeschäftes gleich morgens erledige, habe ich am Nachmittag den Freiraum auf dem Schreibtisch und im Kopf, um einige liegen gebliebene Aufgaben der vergangenen Woche abzuarbeiten. Auch die Hausarbeit kommt gerne mal zu kurz. Trotzdem mache ich diese regelmäßig. Ich mag das Gefühl des sichtbaren Erfolges sehr. Es gibt auch keinen besseren Ort als die eigene Wohnung, um dieses Gefühl zu bekommen. Den Duft des Limettenputzmittels habe ich schon auf der Arbeit in der Nase. Nach getaner Hausarbeit sitze ich noch mit einem alkoholfreien Bier in meinem Schaukelstuhl und lese das Buch meines Bruders „Verbrenne nicht dein Geld“.

Dienstag, 15. Oktober: Am Nachmittag halte ich mir zwei Stunden frei, um über ein dringendes Problem unserer Floorball-Abteilung zu brüten. Wir haben leider in unserer untersten Altersklasse U11/U13 zurzeit ein Problem, Kinder zu finden. Wir als Verein sind gerade dabei, verschiedene Möglichkeiten auszuschöpfen, damit wir wieder mit etwa zehn Kindern vernünftig trainieren können. Abends bin mit einem Kumpel, den ich aus der Fahrschule kenne, im „Schüttinger“ in der Bremer Innenstadt zum Abendessen und Feierabend-Bier verabredet. Wir treffen uns regelmäßig so alle fünf bis sechs Wochen, um einfach mal zu quatschen und zu hören, was es so Neues zu berichten gibt. Da kommen auch Werders Fußballer nie zu kurz.

Christian Boehmer , der Mannschaftsführer des Fußball-Bremen-Ligisten SG Aumund-Vegesack, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Ole Johannsen (26)

ist Spieler des TSV Lesum-Burgdamm in der Floorball-Regionalliga Nordwest und seit eineinhalb Jahren auch Sportwart der Abteilung. Der Wirtschaftsfachwirt und Bruder von Lesums Lasse Johannsen arbeitet als Prokurist bei der Firma „NORDREGAL“.

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