Ehemaliges Ziegelei-Gelände

82 Reihenhäuser sollen in Aumund entstehen

Für gut 20 Millionen Euro will der Investor M-Projekt auf dem ehemaligen Ziegelei-Gelände in Aumund das sogenannte Seeland-Quartier mit 82 Reihenhäusern errichten.
20.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Grunewald
82 Reihenhäuser sollen in Aumund entstehen

Im künftigen Seeland-Quartier sollen 82 Reihenhäuser entstehen.

M-Projekt

Allein die „Begründung“ für den Bebauungsplan 1567 umfasst 70 Seiten. Und der Inhalt macht deutlich, dass der geplante Wohnungsbau samt Infrastruktur auf einer insgesamt 10,2 Hektar großen Fläche der ehemaligen Ziegelei Carl Thielen in Hammersbeck ein ehrgeiziges Unterfangen ist. Für gut 20 Millionen Euro will der Investor M-Projekt aus Vegesack auf dem weitläufigen Areal mit stehenden Gewässern in ehemaligen Tongruben das sogenannte Seeland-Quartier mit 82 Reihenhäusern errichten.

Weil die Nachfrage insbesondere von jungen Familien nach Wohneigentum groß ist und der Senat einer Abwanderung vor allem nach Schwanewede und Ritterhude Einhalt gebieten will, soll der Flächennutzungsplan für das Gebiet zwischen Beckedorfer Beeke, Fährer Straße, Gleisanlagen der Bahnlinie Farge-Vegesack sowie der Meinert-Löffler-Straße geändert und gleichzeitig ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden.

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Dem hat der Vegesacker Beirat, wie berichtet, bereits grundsätzlich zugestimmt. Allerdings möchten die Kommunalpolitiker zusätzlich etliche Auflagen in einem städtebaulichen Vertrag verbindlich geregelt wissen. Die betreffen vor allem den Natur- und Artenschutz.

Pferderennbahn auf Firmengelände

Das künftige Seeland-Quartier, für das nach den Worten von Olaf Mosel, geschäftsführender Gesellschafter von M-Projekt, im Frühjahr 2021 der erste Spatenstich erfolgen und dessen Wohnungen bereits ein Jahr später bezugsfertig sein sollen, war seit Ende des 19. Jahrhunderts von einer Ziegelei dominiert worden. 1921 übernahm die Firma Karl Thielen & Co das von August Tobias gegründete Unternehmen und baute die Fabrikationsanlagen aus. Der Ton als erforderliches Grundmaterial für die Ziegelsteine wurde quasi vor der Haustür ausgebaggert, Torf, Kohle, Schwer- und sogar Teeröl sorgten für die erforderliche Hitze in den Brennöfen. Und bisweilen stiegen dichte Rauchschwaden über dem Ziegeleigelände auf, weil im Ofenhaus oder in der Trockenhalle Brände ausgebrochen waren.

Gleichwohl florierte das Unternehmen, Thielen konnte sich in den 1960er-Jahren sogar eine eigene Pferderennbahn auf dem Firmengelände leisten. Doch ein Jahrzehnt später ging es wirtschaftlich bergab, und im Juni 1982 wurde das Konkursverfahren gegen die Firma „Hammerbecker Ziegelei Carl Thielen & Co.“ eröffnet. Im November 1986 erwarb die Stadtgemeinde Bremen das Grundstück. Zwei Jahre lang durfte Thielen noch auf einer Teilfläche mit gebrauchten Autos handeln und im ehemaligen Ofenhaus Reparaturen vornehmen, dann waren seine unternehmerischen Aktivitäten in Hammersbeck endgültig beendet.

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Danach siedelte sich nördlich der Straße Am Becketal ein Angelzentrum mit Fischrestaurant, Geschäft und Fischteichen an. Dort, wo einst die Ziegelei stand. Die Gebäude und Teiche aber werden seit 2013 nicht mehr genutzt. Und weil auch in dem Bereich ein „städtebaulicher Missstand drohte“, habe sich die Stadtgemeinde Bremen zur Konversion der Gewerbeflächen zu einem neuen Wohngebiet entschieden, heißt es in der Begründung des Bebauungsplanes 1567.

Die wichtigsten Voraussetzungen für ein neues Wohngebiet mit einem Grüngürtel quasi vor der Haustür sind bereits nach Ende der Thiele-Ära geschaffen worden. Mit Schweröl verseuchte Böden wurden ausgekoffert, wenngleich nicht überall vollständig beseitigt. So liege ein 1979 festgestellter Schaden knapp außerhalb des geplanten Wohngebietes, heißt es im Bericht zum Bebauungsplan 1567. Sollten nun allerdings auf dem rund 6000 Quadratmeter großen künftigen Seeland-Quartier Altlasten beispielsweise aus dem Zweiten Weltkrieg auftauchen, müssten sie auf Kosten des Investors beseitigt werden. Der habe sich ferner verpflichtet, unter anderem sämtliche Kosten für die Erschließung des Wohngebietes, den Bau eines Spielplatzes sowie für die Herstellung der Fußwege auf beiden Seiten der Friedrich-Schröder-Straße und der Straße Am Becketal zu übernehmen.

Technologiezentrum soll umgesiedelt werden

Im Mittelpunkt des Plangebietes, zwischen „Am Becketal“ und Friedrich-Schröder-Straße, befindet sich das sogenannte Technologiezentrum Bremen-Nord. Das besteht allerdings nur aus zwei Betrieben, die zudem ohne Verlust der Arbeitsplätze umgesiedelt werden sollen. Die Wirtschaftsförderung Bremen GmbH (WFB) veräußert die Firmengrundstücke ebenfalls an den Investor und Projektentwickler M-Projekt.

Der Grüngürtel in dem insgesamt gut 100.000 Quadratmeter großen Hammersbecker Plangebiet hat nach Einschätzung der Stadtplanerin Anne Wiedau vom Bauamt Bremen-Nord und ihres Kollegen Lars Lemke vom Planungsbüro Baumgart und Partner „hohe Bedeutung“ für den Artenschutz. Die naturnahen Grünflächen mit Gehölz und Gewässer sollen auch weitgehend erhalten und geschützt werden.

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Der Vegesacker Beirat will die Absichtserklärungen zum Schutz von Flora und Fauna indes „verbindlich in einem städtebaulichen Vertrag“ geregelt wissen. So unter anderem einen Amphibienkorridor. Diese „Froschstraße“ soll dafür sorgen, dass die Kröten auf ihren Wanderungen zu den Laichgewässern und zurück nicht zu Schaden kommen. Und dort, wo während der Bauzeit und später „Eingriffe in den Naturschutz“ erfolgen, seien, so die Forderung des Beirats, unbedingt Ausgleichsmaßnahmen vorzunehmen.

Die Flächennutzungs- und Bebauungsplanentwürfe können noch bis zum 3. August im Ortsamt Vegesack sowie im Bauamt Bremen-Nord (Stadthaus), Gerhard-Rohlfs-Straße 62, eingesehen werden.

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