Meine Woche

Vom Sturm auf das Capitol schockiert

Der 16-jährige Philipp Spieker ist Mitglied der Regionalliga-Mannschaft der Fußball-B-Junioren des JFV Bremen. Der Zehntklässler blickt auf eine intensive Woche.
12.01.2021, 15:20
Lesedauer: 5 Min
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Von KH

Mittwoch, 6. Januar: Schon zum dritten Mal nehme ich an Jugend forscht teil. Dieses Jahr mache ich mit meinen beiden Freunden Luis Dridi und Arap Ali Yilmaz mit. Heute möchte ich möglichst viel an dem Projekt arbeiten. Aber erst einmal steht ein bisschen Frühsport auf dem Programm. Erst vor Kurzem habe ich mir ein neues Trainingsgerät für Klimmzüge und andere Übungen gekauft. Daran trainiere ich jetzt rund 20 Minuten. Dann rufe ich Arap Ali und Luis an. Gemeinsam klären wir, was wir machen wollen. Noch am Vormittag kommt Arap Ali zu mir. Luis schalten wir über einen Videoanruf dazu, weil wir uns wegen der Corona-Bestimmungen nicht zu dritt treffen dürfen. Mit unserem Projekt wollen wir das Fußball-Training effektiver machen. Mehr kann ich dazu aber nicht verraten, weil darauf ein Patent angemeldet werden soll. Als wir damit fertig sind, ist es schon wieder dunkel. Ich gehe noch eine Runde mit meiner Schwester Lilly, meinem Vater Carsten und unserem Hund joggen. Tachie ist als Mischlingshund so eine Art hochbeiniger Langhaardackel. Er wurde auf der Straße gefunden. Am Abend verfolge ich den Sturm auf das Capitol in Washington im Fernsehen. Ich bin schockiert und frage mich, was in solchen Menschen vorgeht. Es geht einfach nicht, dass Donald Trump die Demokratie angreift und Gerüchte in die Welt setzt. Viele sind wahrscheinlich froh darüber, dass sein Twitter-Account gesperrt wurde. Allerdings denke ich, dass dies auch nicht okay ist, denn man sollte ihn auch zu Wort kommen lassen. Wenn die Nachricht nicht stimmt, kann man diese mit einem „Diese Nachricht kann irreführend sein“ kommentieren. Aber wenn man seinen kompletten Account sperrt, nehmen wir ihm in gewisser Weise seine Meinungsfreiheit. Ich denke aber, dass sein Account ohnehin bald wieder entsperrt wird.

Donnerstag, 7. Januar: Seit wir wieder im Lockdown sind und kein Fußball mehr im Verein spielen können, muss ich mich selbst irgendwie fit halten. Zum einen mache ich von Zuhause immer beim Online-Krafttraining mit. Das Training leitet immer einer unserer Trainer. Wir haben eine feste Reihenfolge, in der wir die einzelnen Muskelgruppen trainieren. Während der Übungen komme ich schon mal ans Limit. Dann freut man sich, wenn es auf das Ende zugeht. Zum anderen trainiere ich nach dem Online-Training auf dem Fußballplatz, wo ich dann Freistöße übe. Dafür nehme ich mir immer mehrere Bälle mit, um öfter schießen zu können. Da der Fußballplatz an der Straße Freier Damm, der bei mir in der Nähe liegt, keine Linien hat, also nicht gekreidet ist, muss ich mir immer einen Zollstock oder ein Maßband mitnehmen, um mir eine Markierung zu machen, wo der 16-Meter-Raum endet. Ab und an trainiere ich auch im Garten, zum Beispiel Technik. Ich vermisse natürlich das gemeinschaftliche Training mit meinen Teamkollegen. Beim JFV spiele ich meistens auf der linken Seite, entweder im Mittelfeld oder in der Abwehr. Ich helfe aber auch manchmal im defensiven zentralen Mittelfeld aus.

Freitag, 8. Januar: Ich nehme mir vor, etwas für die Schule zu machen. Zwei Arbeiten schreibe ich nächste Woche, nämlich Mathe und Geschichte. Ich stehe deshalb früh auf und setze mich an meine Aufgaben. Ich lerne immer in Blöcken von 45 Minuten und habe mir einen Plan gemacht. Die Punkte, die auf dem Plan stehen, dürfen aber nie zu lange dauern beziehungsweise zu groß sein, weil man dann keine Motivation hat, anzufangen. Wenn ich etwas fertig habe, hake ich es ab. In den Pausen, die ich nach den 45 Minuten immer mache, gehe ich auf die Terrasse und übe, den Ball hochzuhalten. Das mache ich jeden Tag und dann immer in 15-Minuten-Blöcken. Damit angefangen habe ich, weil wir eine Challenge in der Mannschaft begonnen haben, wer es schafft, den Ball am öftesten hochzuhalten. Auch wenn ich jetzt natürlich lieber was anderes machen würde als zu lernen, muss es sein. Und für Mathe und Geschichte kann man ganz gut lernen. Was ich auch jeden Tag mache, sind Liegestütze. Die Liegestütze mache ich jetzt bereits mehr als einen Monat. Und ich merke, dass es leichter wird. Jetzt bin ich noch einmal ein ganzes Stück zufriedener mit dem Tag und ich fühle mich gut.

Sonnabend, 9. Januar: Am Morgen jogge ich mit meiner Mutter Claudia und meinen Schwestern. Am Nachmittag steht das Fußballspiel in der Bundesliga von Werder Bremen bei Bayer Leverkusen an. Pünktlich zum Spielbeginn um 15.30 Uhr sitze ich auf dem Sofa, um mir das Match anzuschauen. Dazu habe ich mir ein Wasser und ein bisschen was zum Knabbern geholt. Ich schaue das Spiel zusammen mit meinem Vater. Die Partie ist allerdings sehr wenig unterhaltsam. Ich denke, dass Leverkusen das Spiel eigentlich gewinnen sollte. Aber im Fußball gibt es ja immer Überraschungen. Die Freistöße sind von Werders Seite die besten Szenen. Durch einen Freistoß von Werders rechter Seite von Ludwig Augustinsson entsteht dann auch folgerichtig das 1:0 durch das erste Saisontor des Ex-Leverkuseners Ömer Toprak. Aber ich möchte mich nicht zu früh freuen. Denn jeder Werder-Fan weiß, dass das Spiel noch nicht gelaufen ist. Und dann kommt so ein unglückliches 1:1, wie so oft bei Werder. Das ärgert mich schon. Vor dem Schlafengehen mache ich noch meine Liegestützen und ein paar Klimmzüge.

Sonntag, 10. Januar: Morgen steht die erste Arbeit an, Geschichte. Bevor ich dafür noch einmal lerne, muss ich aber noch zu einem Corona-Test in die Stadt. Im ehemaligen Gebäude einer Versicherung machen wir eine Reihentestung mit der ganzen Schule, weil morgen ja der erste Schultag ist. Wir lassen den Test vornehmen, obwohl wir nur für die Arbeiten zur Schule kommen werden. Dieses Mal dauert der Test nur fünf Minuten. Das letzte Mal habe ich im Testzentrum fast zwei Stunden verbracht, weil die Schlange so lang war. Danach laufen mein Vater und ich noch ein bisschen an der Weser herum. Zuhause setze ich mich an meine Geschichtsaufgaben. Bei der Arbeit dreht es sich um die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Den restlichen Tag hinweg schaue ich mir sehr viele Dokus an über alle Ereignisse an, die wir zum Thema können müssen. Am Abend bestellen wir Pizza und essen alle zusammen.

Montag, 11. Januar: Heute ist der erste Schultag nach den Ferien. Die ersten beiden Stunden haben wir Sport-Unterricht, aber natürlich von Zuhause. Ich schaue mir eine Dokumentation über Fußball an. Jetzt lerne ich noch einmal ein bisschen für Geschichte, denn ich schreibe die Arbeit erst in den letzten beiden Stunden. In meiner Pause gehe ich ein bisschen mit dem Hund raus. Ich fahre dann mit dem Zug zur Schule. Vom Gefühl her läuft die Arbeit ganz gut. Nach meiner Heimkehr gehe ich auf den Fußballplatz und trainiere ein bisschen. Ich trainiere Freistöße und Sprints. Am Abend beschäftige ich mit noch mit unserem Jugend-forscht-Projekt, denn der Termin für die schriftliche Arbeit ist nicht mehr weit entfernt.

Dienstag, 12. Januar: Am zweiten Schultag mache ich mich zunächst an meine Aufgaben, die ich bekommen habe. Später findet noch eine Taktikeinheit über ein Online-Meeting statt. Vorher gehe ich aber eine Runde laufen. Dafür fahre ich früh nach Blumenthal, um dort auf der Tartanbahn im Burgwall-Stadion zu trainieren. Auf dem Plan stehen Intervallläufe. Ich gebe dabei immer 200 Meter alles, um dann 200 Meter ganz entspannt zu laufen – es regnet. Das macht das Ganze nicht gerade schöner. Ich komme an meine Grenzen und probiere noch ein weiteres Mal, alles rauszuholen. Nach vier Kilometern ist dann Schluss. Nach dem Training fahre ich wieder nach Hause, wo das fertige Essen schon auf mich wartet.

Edmund Gliedt, der Turnwart des MTV Eiche Schönebeck, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Philipp Spieker (16)

ist Mitglied der Regionalliga-Mannschaft der Fußball-B-Junioren des JFV Bremen. Der Zehntklässler hat zwei Schwestern, Lilly (17) und Sophie (14), und wohnt in Schönebeck.

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