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Blumenthaler SV hofft noch auf den Lottopokal

Es sieht jetzt wohl ganz danach aus, dass die Saison 2019/20 des Bremer Fußball-Verbandes (BFV) Geschichte ist.
15.05.2020, 17:48
Lesedauer: 8 Min
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Von Olaf Schnell
Blumenthaler SV hofft noch auf den Lottopokal

Gut möglich, dass der Bremer Fußball-Verband sich am 4. Juni entscheidet, dass die Saison 2019/20 abgebrochen wird und dass so auch die Amateur-Fußballer vorerst auf einen Torjubel verzichten müssen.

Jan Woitas

Es sieht jetzt wohl ganz danach aus, dass die Saison 2019/20 des Bremer Fußball-Verbandes (BFV) Geschichte ist. Der Grund: Die hiesigen Vereine wollen unbedingt einen vorzeitigen Saisonabbruch und nun auch nicht mehr darauf warten, ob die Situation sich in den kommenden Wochen verändert – und eine Fortsetzung im September doch noch möglich wäre.

Insgesamt nahmen an den Abstimmungen des Bremer Fußball-Verbandes 57 Vereine teil. Im Jugendbereich wird die Winterserie 2019 als Ergebnis der Saison 2019/2020 gewertet. Die Staffel-Einteilung für die neue Saison entspricht der Einteilung für die Sommerrunde 2020. Alle Regelungen gelten aber nur dann, wenn der Außerordentliche Verbandstag des BFV am Donnerstag, 4. Juni, auch sein grünes Licht gibt und zustimmt – ob das Votum auch offiziell umgesetzt wird. Doch das ist bei der Eindeutigkeit der Abstimmung wohl jetzt ein Selbstläufer.

Unklar ist, wie es in den Pokalwettbewerben weitergeht. Hier soll erst die Entwicklung auf DFB-Ebene abgewartet werden. Bekanntlich trifft der Blumenthaler SV im Halbfinale des Lottopokals auf den FC Huchting.

Darf weiter kein Fußball gespielt werden, muss hier ein Modus gefunden werden, um einen Teilnehmer aus dem Bremer Lotto-Pokal für die erste DFB-Pokalrunde zu melden. Die ist zwar noch nicht neu terminiert, eine Meldefrist aber wird es geben. In der kommenden Woche will Bremens Fußball-Präsident Björn Fecker auf jeden Fall mit den betroffenen vier Vereinen Blumenthaler SV, FC Huchting, FC Oberneuland und SC Borgfeld sprechen, und nach einer Lösung suchen.

Peter Moussalli (1. Vorsitzender, Blumenthaler SV): Die Saison in der Bremen-Liga ist mir relativ egal, weil wir da in der Tabelle im Niemandsland sind. Für uns liegt der Fokus natürlich klar auf den Lottopokal. Ich hoffe natürlich sehr, dass man es hinbekommt, dass wir diese Spiele austragen können. Es gibt natürlich in diesem Wettbewerb auch andere Verbände, wie zum Beispiel Hamburg, die auf das schmale Brett gekommen sind, einfach den Ranghöchsten, sprich den Regionalligisten Eintracht Norderstedt zu melden. Björn Fecker will uns vier Vereine ja in der nächsten Woche noch einmal gesondert ansprechen. Wir hoffen da natürlich auf eine sportliche Lösung. Wenn das halt nicht möglich ist, dann eben eine Lösung findet, die für alle Teams fair ist, und nicht wie die Hamburger Lösung. Wir gehen davon aus, dass man das irgendwie sportlich hinbekommt, und dass wir die Pokalspiele noch austragen können. Vielleicht auch zu Beginn der neuen Serie, kurz bevor der Punktspielbetrieb gestartet wird. Wir warten nun erst einmal ab. Der Bremer Fußball-Verband wird ja nächste Woche auf uns zukommen und dann sind wir ja auch schon wieder einen Schritt weiter.

Issam El-Madhoun (Co-Trainer, SG Aumund-Vegesack): Allein die ganzen Nachholspiele zu absolvieren, wäre doch brutal. Das betrifft bei uns ja nicht nur die ersten Herren, sondern zum Beispiel auch die zweite und dritte Herren. Ich weiß gar nicht, ob wir insgesamt in Bremen so viele Plätze zur Verfügung haben, dass jeder Verein seine Spiele austragen kann. Das wäre sicherlich ein viel zu großer Aufwand, um diese Saison zu Ende zu bringen. Das gilt für mich aber auch für den kompletten Amateurfußball in ganz Deutschland. So können wir für die nächste Saison dann ganz in Ruhe planen. Wir trainieren jetzt ja ganz normal bis Ende Mai. Im Pokal wäre es für die vier Mannschaften natürlich cool, wenn sie die Begegnungen noch austragen könnten. Ich glaube, wenn es zum Saisonabbruch kommt, sieht es auch nicht gut aus, dass die Pokalspiele noch stattfinden. Aber ich drücke den beteiligten Mannschaften die Daumen – das wäre dann noch einmal ein schöner Abschluss für eine verkorkste Spielzeit.

Aydin Pekyalcin (Coach, DJK Germania Blumenthal): Mit dieser Entscheidung müssen wir dann alle klar kommen. In meinen Augen ist es für alle Mannschaften das Beste. Aber es ist für alle Teams auch eine neue Herausforderung. So ein Abbruch ist ja schon sehr selten. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass man die Saison zu Ende spielen sollte. Dementsprechend wäre es für alle Mannschaften auch gerechter. Man muss nun den 4. Juni abwarten – ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt ja noch. Aber letztlich entscheiden andere Personen für uns. Da können wir uns wenden und drehen, wie wir wollen. Schön wäre es auf jeden Fall, wenn die restlichen drei Partien im Lottopokal noch gespielt werden.

Norman Stamer (sportlicher Leiter, SV Lemwerder): Ich war ja am Mittwoch bei der Video-Konferenz des Bremer Fußball-Verbandes dabei. Und da haben wir uns auch für den Abbruch entschieden. Und zwar aus dem Grund, dass wir jetzt einfach einen Cut machen. Anderseits kamen ja auch die Argumente, die ich nachvollziehen kann, dass wir nicht wissen, wann die neue Saison los geht. Es könnte ja sein, dass die neue Serie auch wieder total zerpflückt ist. Der Verband will sich jetzt auch entscheiden, dass sie die Aufsteiger nach Quotienten küren, und dass es keine Absteiger gibt. Gut, dadurch gehen wir da natürlich ein Stück als Gewinner raus. Aber wir hätten auch für eine andere Abbruchlösung – mit Absteigern – gestimmt. Und da ist noch die nächste Frage, wann beginnt die neue Saison? Ich sehe es noch nicht, dass wir in diesem Jahr wieder Fußball spielen. Der Lottopokal ist für mich aber ein ganz schweres Thema. Das hängt natürlich auch ein Stück weit davon ab, was passiert mit der neuen Runde des DFB-Pokals mit den Bundesligisten? Da müsste von DFB-Seite mal vorgegeben werden, wann die erste Hauptrunde gespielt wird. Dann hätte man eine Planungssicherheit. Wenn die weiterhin unter Auflagen, wie in der Bundesliga gespielt werden, dann gestaltet es sich für die Amateure als ganz, ganz schwer. Ich denke, dass da erst einmal eine Order vom DFB kommen muss, was man sich da in der neuen Saison vom DFB-Pokal vorstellt. Ich würde die restlichen Spiele des Lottopokals also nicht so früh absagen und die Begegnungen auf Eis legen. Abbrechen kann man dann immer noch.

Bettina Dentler (Damen-Trainerin Blumenthaler SV): In Sachen Saisonabbruch sehe ich eigentlich keine andere Möglichkeit. Gut wäre natürlich, wenn im Damen/Herrenbereich die Pokalspiele noch stattfinden würden, nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus finanzieller Sicht. Und da drücke ich den Blumenthaler Herren besonders die Daumen, dass sie auf jeden Fall erst einmal ins Endspiel kommen. Ich hoffe, dass wir im Ligabetrieb dann wieder spätestens im September starten können.

Erhan Koser (1. Vorsitzender SV Türkspor): Ganz ehrlich. Man sollte jetzt doch einfach aufhören, Schluss, Feierabend – fertig. Wir sind doch keine Profis. Ich bin sehr froh darüber, wenn am 4. Juni endgültig ein Schlussstrich gezogen wird. Ich freue mich dann schon auf die neue Fußball-Saison. Wann sie beginnen wird, weiß man ja auch noch nicht. Mal ganz ehrlich, auch im Lottopokal sollte nicht mehr gespielt werden. Weil es für die beteiligten Vereine einfach zu gefährlich ist, zu spielen. Wir sind Amateure und haben doch auch nicht die Sicherheitsvorkehrungen, wie die Bundesligisten, die vor jedem Spiel auch noch einmal kontrolliert werden. Wie soll das denn bei den Amateurspielern funktionieren.

Burkhard Kaufhold (Ü40-Altherrenspieler DJK Germania Blumenthal und Fußball-Fan): Ich kann die Entscheidung nachvollziehen und mir auch nicht vorstellen, dass man bald unter normalen Bedingungen wieder ein Punktspiel durchführen kann. Aber ich finde es auch sehr schade, dass man seine Mitspieler lange nicht gesehen hat. Ob es dann ein Wiedersehen mit allen Akteuren gibt, weiß ich nicht. Das wäre natürlich sehr schade. Man hat auch kein richtiges sportliches Ziel mehr. Wenn man jetzt mit dem Training anfangen würde, weiß man eigentlich gar nicht – warum man überhaupt anfangen sollte. Weil die Saison eh vorbei ist. Alles was man sich aufgebaut hat und worauf man hingearbeitet hat, ist jetzt geplatzt – und wird dann irgendwo am grünen Tisch entschieden. Das ist für mich schade, aber ich kann es auch nachvollziehen. Ich denke, aber jetzt noch die Saison irgendwie durchziehen zu müssen, finde ich vor allem in den unteren Klassen für unsinnig, weil es da eigentlich um gar nichts geht. Die restlichen Pokalpartien sollte man auf jeden Fall durchführen, dass sind ja nur drei Begegnungen. Denn sonst würden ja auch hier die betroffenen Vereine um ihren Lohn gebracht. Es würde mich schon freuen, wenn das noch gespielt werden würde, aber dann sicherlich am Ende der Saison. Wenn man ganz genau weiß – jetzt kann man mit der Corona-Epidemie schon etwas lockerer umgehen. Und dann macht es auch Spaß da im Pokal zuzugucken. Ich würde mich auch dafür interessieren, weil im Halbfinale ja auch eine Blumenthaler Mannschaft dabei ist. Und ganz ehrlich bin ich in Sachen Fußballspiele inzwischen auch etwas ausgehungert.

Erkan Köseler (Trainer, TSV Lesum-Burgdamm): Ich persönlich würde es schade finden, wenn die Saison abgebrochen wird. Ich hätte wirklich gerne weiter gespielt. Ich sage jetzt auch nicht Dankeschön, dass wir nicht abgestiegen sind. Wir haben ja neue Spieler vom Neurönnebecker TV bekommen, die sehr gut sind. Wir hätten den Klassenerhalt meiner Meinung geschafft und wären dadurch auch noch mehr ein Team und eingespielter. Ich denke, das wird mit dem Coronavirus auch alles etwas überzogen. Die älteren und kranken Menschen hätte man separat schützen können. Man hätte zum Beispiel in der Bezirksliga auch ohne Zuschauer spielen können. Wenn man sich die Zahlen anguckt, ist die Pandemie auch irgendwie in meinen Augen nicht gerechtfertigt. Aber man nimmt natürlich die Auflagen sehr ernst und macht es auch. Wir trainieren jetzt schon seit zwei Wochen und ohne Wettkampf ist es für mich einfach schrecklich. Am Wochenende geht es mir immer nicht so gut. Ich würde gerne immer Punktspiele bestreiten, denn ich habe nach Jahren endlich mal wieder eine gute Mannschaft zusammen und dann bricht eine Pandemie aus. Ich bin sehr traurig. Hoffentlich hat das bald ein Ende. Wenn die morgen sagen würden, dass es endet – würden wir in Lesum sofort anfangen. Das Ganze soll jetzt schnell enden und um Gotteswillen keine zweite Welle geben. Es reicht, wir wollen wieder einen Wettkampf haben. Auch das Training ist ja ohne Körperkontakt. Das ist ja kein Fußball. Wir halten uns absolut an die Regeln und haben auch beim Bremer Verband ein Konzept vorgelegt. Wir haben überall Desinfektionsmittel, es wird nicht geduscht und die Umkleideräume werden nicht benutzt. Und im Training machen wir halt nur Passspiel, Torschuss und Laufen. Im Lottopokal hoffe ich natürlich, dass der Blumenthaler SV gewinnt. Mit dem Neu-Trainer Steffen Dieckermann habe ich ja gemeinsam meine B-Lizenz gemacht und da haben wir uns ein bisschen kennengelernt. Das ist ein sehr guter und ganz netter Mann. Und ich habe ja auch beim Blumenthaler SV 35 Jahre Fußball gespielt. Aus diesem Grund ist immer noch auf jeden Fall ein Stück Herz beim BSV und ich hoffe so, dass sie ins Endspiel kommen. Natürlich hoffe ich auch, dass die Pokalspiele stattfinden werden. Aber den Glauben habe ich daran nicht mehr, weil es insgesamt im Bremer Fußball-Verband nach einem Abbruch aussieht.

Julian Kubicek (Torjäger des 1. FC Burg): Mit dem Abbruch würde ich es als beste Lösung sehen. Im Endeffekt hat doch vorher jede Mannschaft selbst dazu beigetragen, wo sie jetzt aktuell in der Tabelle platziert ist. Klar hätten wir natürlich gerne auch auf dem Platz auch den Aufstieg klar gemacht. Die Saison zu annullieren, wäre für alle Teams wohl die unfairste Lösung gewesen. Schade ist auch, dass wir den Aufstieg in die Landesliga nicht gemeinsam feiern konnten. In Sachen Lottopokal hoffe ich natürlich, dass der Blumenthaler SV das packen wird. Auf jeden Fall drücke ich der Mannschaft die Daumen und dass es noch zur Austragung kommt.

Jan-Philipp Heine (Trainer SV Grohn): Ich sehe andere Dinge momentan schon wichtiger als den Fußball. Als Trainer wäre es für mich aber in Ordnung, wenn die Saison abgebrochen wird. Als gebürtiger Blumenthaler drücke ich natürlich dem BSV im Lottopokal die Daumen. Man sollte diesen Wettbewerb dann auch möglichst weit nach hinten schieben und trotzdem noch ausspielen.

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