Gesundheitsrisiken

Unter erschwerten Bedingungen

Insgesamt hoffen wohl ebenso wie die Prellballer der SAV alle anderen Hallensportler der nordbremischen Vereine, möglichst bald wieder an alter Stätte aktiv werden zu können.
29.05.2020, 15:17
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Von Klaus Grunewald
Unter erschwerten Bedingungen

Die Judo-Abteilungsleiterin der SG Aumund-Vegesack, Marianne Könnecke und Volker Beringer, machen es in Sachen Sicherheitsabstand vor – wie es im Training aussehen könnte.

Louis Kellner

Jetzt könnten die Prellballer der SG Aumund-Vegesack ihr Hallentraining eigentlich wieder aufnehmen. Der Senat hat grünes Licht gegeben, doch die meisten Eltern auch der Schüler-Mannschaft, die gerade Norddeutscher Meister geworden ist, haben noch Bedenken wegen der Corona bedingten Gesundheitsrisiken. Rolf Honisch, SAV-Vorsitzender und Coach des Meisterteams: „Bis zu den Sommerferien werden wir wahrscheinlich draußen trainieren.“

Insgesamt aber hoffen wohl ebenso wie die Prellballer der SAV alle anderen Hallensportler der nordbremischen Vereine, möglichst bald wieder an alter Stätte aktiv werden zu können. Insofern wird der jüngste Grundsatzbeschluss der Landesregierung begrüßt. Kopfzerbrechen bereitet den Verantwortlichen allerdings die Frage, wie die Voraussetzungen für das Training in der Halle einzuhalten sind. So muss zum Beispiel neben den üblichen Abstands- und Hygienekonzepten sowie den sportartenspezifischen Vorgaben der Fachverbände eine Bewegungsfläche von 20 Quadratmetern pro Person ermöglicht werden. Schon deshalb sei ein Prellball-Match oder -Training von zwei Mannschaften mit jeweils vier Spielern bei einer Spielfeldgröße von 8x16 Metern gar nicht möglich, sagt Honisch.

Die Lockerungen für den Hallensport im Zuge der aktuellen Corona-Verordnung des Senats seien ein weiterer wichtiger Schritt für den vereinsbasierten Sport, heißt es in einer Erklärung des Landes-Sportbundes Bremen (LSB). Gleichzeitig wird bekräftigt, dass mit den neuen Lockerungen diszipliniert und behutsam umzugehen sei. Deshalb sollen die Vereine vor allem Trainer und Übungsleiter „eindringlich für die Wichtigkeit der Hygiene- und Abstandsregeln sensibilisieren“.

Diese Vorbehalte bedeuten auch, dass die gewohnten Trainingseinheiten teilweise erheblich eingeschränkt werden müssen und in etlichen Disziplinen überhaupt nicht zu realisieren sind. Daraus jedenfalls machen die Trainer verschiedener Sparten der SG Aumund-Vegesack und auch der Präsident des TSV Lesum-Burgdamm, Lüder Klappe, kein Hehl. Grundsätzlich werden die Lockerungen zugunsten der sportlichen Aktivitäten begrüßt, doch im Detail gebe es bei der Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln noch Widersprüchlichkeiten und Klärungsbedarf, heißt es. Kleppe nennt ein Beispiel: Im privaten Kreis dürften von Juni an wieder private Feiern von 20 Personen im Haus stattfinden, unter Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen. In der Sporthalle aber gelte es, pro Person eine Fläche von 20 Quadratmetern freizuhalten.

In der Praxis bedeutet diese Ungleichbehandlung nach den Worten von SAV-Judo-Trainer Volker Beringer, dass sich in der kleinen Halle an der Hermann-Löns-Straße nur fünf Judokas zur selben Zeit sportlich betätigen dürften, die andere Hälfte eines Teams müsse draußen bleiben. Sportlich betätigen heißt in diesem Zusammenhang natürlich kontaktlos und distanziert. Beringer, Vorgänger von Rolf Honisch im Amt des SAV-Vorsitzenden, verweist zudem auf die erschwerten Bedingungen in der Halle: Dusch- und Umkleideräume sind gesperrt, Klönschnack unter den Aktiven auf ein Minimum zu begrenzen. So jedenfalls lautet die Orientierungshilfe des LSB. Daraus folgt auch für Judo-Abteilungsleiterin Marianne Könnecke, dass vorerst weiterhin unter freiem Himmel trainiert wird. Zum Beispiel auf der Spielfläche bei der Halle Fährer Flur, oder auf der Sportanlage Burgwall in Blumenthal. Wobei es in erster Linie gilt, sich allgemein fit zu halten. Bei schlechtem Wetter müsse man allerdings die Halle aufsuchen und einen Modus für das Training findet. Marianne Könnecke: „Bislang wäre das noch eine Notlösung.“

Die kleine Hermann-Löns-Halle wird auch von den SAV-Karateka als Trainingsstätte genutzt. Momentan allerdings noch nicht, wie Abteilungsleiter Andreas Seiler unterstreicht. „Training ist vorerst weiterhin immer draußen auf dem Rasen“ lautet die Anordnung für die SAV-Karateka, die in ihren Sportanzügen erscheinen und mit ihnen wieder den Heimweg antreten müssen. Grund: Die Umkleideräume bleiben geschlossen.

Mit sportliche Aktivitäten unter freiem Himmel und an frischer Luft trotzen zunächst auch die Vegesacker Geräte-Turnerinnen den Einschränkungen durch das Coronavirus. Während sie sich normalerweise in der Aumunder Sporthalle an der Ludwig-Jahn-Straße treffen und eine Leistungsgruppe in der Halle am Pürschweg in Lüssum turnt, hält man sich jetzt an der frischen Luft fit.

Begründung der Trainerinnen Antje Krahlheer und Lara Swobodo: „Weil stets mit Hilfestellung geturnt wird, sind Kontakte unvermeidlich. Also bleiben wir vorerst draußen.“ Dort, auf der grünen Wiese können ebenso wie zuhause viele turnerische Übungen spielerisch absolviert werden, empfiehlt der Deutsche Turner-Bund (DTB).

Sparring im Ringseil ist gegenwärtig für die Boxer der SAV tabu, die sich normalerweise regelmäßig in der Sporthalle an der Ludwig-Jahn-Straße treffen. Allerdings könnten nun wieder andere Übungen zum Beispiel mit Medizinbällen oder am Sandsack stattfinden, sagt Halef Kurt vom Abteilungs-Vorstand. Er will nach der offiziellen Hallenöffnung mit seinen Vorstandskollegen Jörg Rudolph und Arne Wiese ein Konzept erstellen, damit die 39 Aktiven wieder die Boxhandschuhe überstreifen und mit räumlichem Abstand trainieren können.

Wieder auf den Startblöcken zu stehen, davon träumen derweil die Schwimmer der 502 Mitglieder starken SAV-Sparte. Die Aktiven haben sich nach den Worten ihres Vorsitzenden Christian Gerken und seines Stellvertreters Holger Schnieders so gut es geht zuhause unter anderem mit Video-Anleitungen fit gehalten. Nun gibt es einen „groben Fahrplan“ für die Wiederaufnahme des Trainings im nassen Element.

Am 15. Juni soll das Freibad Blumenthal öffnen, am 1. Juli das Hallenbad Vegesack und am 1. August das Sportbad in St. Magnus/Grohn. Doch alle Abstands- und Hygieneregeln müssen auch in den Bädern eingehalten werden. Was zur Folge hat, dass wesentlich weniger Athleten als sonst gleichzeitig ihre Bahnen ziehen können. Komplett danieder liegt zudem die Schwimmausbildung für Kinder. Holger Schnieders: „Während die Leitungssportler, wenn auch begrenzt, zumindest wieder im Wasser trainieren können, fällt der Unterricht schon deshalb flach, weil er ohne Kontakt bei Hilfestellungen nicht möglich ist.“ Normalität im Schwimmsport, so Gerken, sei eine Hoffnung, die in weiter Ferne liege. Ob in der Halle, im Schwimmbad oder unter freiem Himmel – auch die sportliche Betätigung im Verein bleibt trotz aktueller Lockerungen eingeschränkt. Und deshalb wird den SAV-Prellballern nach den Worten von Rolf Honisch in der Halle nichts anderes übrig bleiben, als sie zum Beispiel in Längsrichtung durch Sitzbänke zu teilen und eins gegen eins zu spielen, um die verordnete Distanz zu wahren. Und auch die SAV-Tischtennis-Spieler dürften in der Turnhalle der Gerhard-Rohlfs-Schule zunächst nur das Einzeltraining wieder aufnehmen.

„Zumal wir dann wohl lediglich drei statt bislang fünf Tische aufstellen können“, erläutert Abteilungsleiter Christian Wantoch. Ihm und seinen Kollegen sowie allen Übungsleitern und Trainern zwingt das Virus zudem zusätzliche Belastungen auf. Volker Behringer: „Jede Gruppe muss in jede Halle die erforderlichen Desinfektionsmittel mitnehmen.“ Und den Wunsch wohl aller Sportler formuliert Lesums Vereinspräsident Lüder Kleppe so: „Wir hoffen auf weitere Lockerungen.“

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