Overbeck-Museum Wenn ein Gemälde zum Leben erwacht

Beim Projekt `Enter Museum´ experimentieren Kinder und Jugendliche zu Exponaten, die in Museen ausgestellt sind. Was im Overbeck-Museum entstanden ist, kann nun begutachtet werden.
13.07.2022, 11:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Ein maritimes Landschaftsbild wird zum Leben erweckt: An heller Steilküste, beleuchtet von einer großen, gelben Sonne, landen plötzlich kreischende Möwen, und in aller Ruhe ziehen Fische durchs Meerblau. Die Tiere werden von Schülern der Grundschule Alt-Aumund an langen Stäben durchs Bild bewegt, einzelne Szenen gefilmt und zu einem Video montiert. Um Leben in die Leinwand zu bringen, hatten die Kinder ihr Gemälde in verschiedene Ebenen geteilt, wie Meer, Strand oder Himmel, und ihre Objekte hindurchgeführt. Inspiriert ist das Ganze von Bildern der Maler Fritz Overbeck und Ansgar Skiba, deren Werke im Overbeck-Museum zu sehen sind.

Dort präsentierte das Kinderkulturprojekt „Enter Museum“ der Quartier gGmbH mit vielen beteiligten Kindern einen digitalen Museumsrundgang, den Kinder für Kinder gestaltet haben. Doch auch Erwachsene haben Spaß beim Anschauen, denn er bringt viele Exponate des Overbeck-Museums auf ungewöhnliche Weise nahe.

„In dem Projekt `Enter Museum´ experimentieren die Kinder und Jugendlichen zu unterschiedlichen Exponaten, die in Museen stehen oder hängen und können sich so der Kunst auf kreative Weise nähern“, sagt Projektleiterin Nadine Scheffler. Ein langfristiger und nachhaltiger Bezug zu Museen solle bei ihnen gefördert werden. Das Projekt, das durch den Kultursenator und mehrere Stiftungen und Einrichtungen gefördert wird, macht Durchläufe durch insgesamt drei Museen in Bremen: An die erste Etappe mit dem Weserburg-Museum für moderne Kunst schloss sich das Overbeck-Museum an, und für den Herbst ist die Zusammenarbeit mit dem Focke-Museum geplant.

Auf der Online-Plattform „enter.museum.de“ sind sechs künstlerische Werkstätten von Kindern und Jugendlichen zu sehen, die den Inspirationen von rund 100 jungen Teilnehmern entstammen. Stoffe für die Ideen lieferte im Overbeck-Museum die aktuelle Ausstellung „Natur“ von Ansgar Skiba mit Bildern von enormer Farbigkeit, ebenso wie die Dauerausstellung mit Werken des Künstlerpaars Hermine und Fritz Overbeck.

Die Kunstwerke der Kinder und Jugendlichen lassen sich nicht nur online, sondern im Overbeck-Museum auch im Original bestaunen: In Form eines Flachreliefs aus Gips, das bunt bemalt ist, stehen zum Beispiel visuelle Variationen vor Ansgar Skibas Gemälden „Kratersee“ oder „Seerosen“. Und ebenso wie der Künstler seine großformatigen Werke mit den Händen gemalt hat, schufen auch die Kinder ihre Bilder mit Fingern und Daumen. Auch Erstklässler der Grundschule am Wasser haben sich von  einem Werk Ansgar Skibas inspirieren lassen, das die Farbenpracht von Blumen zeigt: „Unser großes Bild wird anschließend in unserer Schule ausgestellt“, sagt Zainab, sechs Jahre alt, die zusammen mit ihren gleichaltrigen Mitschülerinnen Lina und Aylin sechs Nachmittage lang an dem Werk gearbeitet hat.

Das Kinder- und Familienzentrum Grohn entwickelte Tanz und Film zu Ansgar Skibas Naturimpressionen, die Gerhard-Rohlfs-Oberschule schuf Landschafts-Installationen aus Papier und Textil zu Skibas Techniken. Und auch der AWO-Mädchentreff „Lilas Pause“ war dabei: Die Teilnehmerinnen kreierten eigenwillige Fotografien zu den Farbexplosionen Ansgar Skibas und floralen Motiven der Overbecks.

Katja Pourshirazi, Leiterin des Overbeck-Museums, ist von dem Projekt, das Kindern und Jugendlichen spielerisch das „Entern“ von Museen ermöglichen soll, angetan: „Die Kinder und Jugendlichen aus Vegesack und Blumenthal entwickelten zusammen mit mehreren Künstlern ihre tollen Ideen und suchten mehrmals unser Museum auf – ihre Kreationen werfen teilweise ganz neues Licht auf die Exponate“, sagt Katja Pourshirazi.

Museumsbesuche können schließlich auch den Blick für die eigene Umgebung schärfen und zu mehr Achtsamkeit führen, wie der Film der Oberschule in den Sandwehen in Blumenthal zeigt: Die Schüler setzten Bild- und Klangkompositionen zu einem Video zusammen, auf dem Fahrradklingeln und Geräusche des eigenen Körpers zu hören sind, aber auch das Flüstern der Blätter auf dem eigenen Schulhof und das Rauschen der Baumkronen im benachbarten Kiefernwald.

Info

Die Ergebnisse des digitalen Museumsrundgangs sind unter www.enter-museum.de zu sehen und werden bis Sonntag, 21. August, im Overbeck-Museum, Alte Hafenstraße 30, ausgestellt. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag, 11 bis 18 Uhr, sowie Sonnabend und Sonntag, 11 bis 17 Uhr.

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