Vegesacker Turnverein

Raketenstart ist noch nicht beendet

Erst vor rund zwei Jahren hat Laura Wunram mit dem Volleyballspielen begonnen. Bald übernimmt die 16-jährige Sportlerin des Vegesacker Turnvereins mit der männlichen VTV-Jugend eine eigene Trainingsgruppe.
20.03.2020, 16:52
Lesedauer: 4 Min
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Von MARTIN PRIGGE
Raketenstart ist noch nicht beendet

Wegen der Corona-Pandemie hält sich Laura Wunram nun auch mit Joggen fit.

Fotos: WK

Erst vor rund zwei Jahren hat Laura Wunram mit dem Volleyballspielen begonnen. Jetzt ist die 16-jährige Sportlerin des Vegesacker Turnvereins elf Stunden in der Woche am Pritschen und Baggern, spielt erfolgreich in drei Mannschaften mit und übernimmt künftig mit der männlichen VTV-Jugend eine eigene Trainingsgruppe.

„Ich lebe von Training zu Training“, sagt sie. Laura Wunram hat einen Raketenstart hingelegt – und ein Ende ihrer Topleistungen ist nicht in Sicht. Nur das Coronavirus macht ihrem Hobby, wie allen anderen Menschen auch, derzeit einen dicken Strich durch die Rechnung.

Im Jahr 2018 tritt Laura Wunram dem Vegesacker TV bei. Aber Volleyball fasziniert sie bereits, seit sie denken kann. „Mein Vater Michael hat selbst erfolgreich Volleyball gespielt und in der Jugend auch eine Mannschaft trainiert. Sein Team trifft sich immer noch jedes Jahr einmal bei einem Freiluft-Turnier in Oberneuland. Da habe ich schon immer zugeguckt“, berichtet Laura Wunram. Die Begeisterung für den Sport hat sie geerbt. Weil sie sehr schüchtern gewesen sei, habe sie sich zunächst jedoch nicht an den Mannschaftssport herangetraut – Freundinnen haben sie schließlich zum Volleyball geführt.

Über ihren „Raketenstart“ sagt sie: „Ich weiß nicht, woher das kommt. Vielleicht habe ich mir beim Zusehen die Technik abgeguckt.“ Ihre ersten eigenen Erfahrungen mit dem Spielgerät macht Laura Wunram im Garten des Elternhauses in Schwanewede. „Ich habe einfach den Ball in die Hand genommen und losgepritscht und dann mit meinem Vater gespielt.“ Talent entdecken in der sportbegeisterten Schülerin die beiden VTV-Trainer Lukas Gronau und Olaf Schnell, zu deren Teams sie gehört.

Dass sie in der fortgeschrittenen VTV-Gruppe unter Trainer Olaf Schnell auch mit 18- bis 22-jährigen jungen Männern mithalten kann, führt die Spielerin auf ihren großen Ehrgeiz zurück. „Man spricht nach den zwei Jahren vielleicht vom Raketenstart, aber das legt nahe, dass ich mit viel Vorwissen zum Verein gekommen wäre. Das stimmt nicht, sondern es war harte Arbeit und ich bin noch lange nicht da, wo ich hinwill. Nur mit viel Training klappt diese Entwicklung“, so Laura Wunram.

Montags, mittwochs und freitags ist sie bis 22 Uhr in der Sporthalle. „Dann bin ich die anderen Tage meist nicht zu gebrauchen. Am Anfang habe ich in der ein oder anderen Pause in der Schule geschlafen“, lacht die 16-Jährige. Ihre Freunde sehen sie meist mit einem Volleyball unterm Arm. Wenn neben Schule und Sport Zeit ist, geht Laura Wunram gerne Bouldern oder Joggen.

Nach dem Abitur an der Waldschule Schwanewede möchte sie Jura studieren. Dort werden der jungen Frau Zielstrebigkeit und Trainingsfleiß von Nutzen sein. „Volleyball ist als Hobby immer in meinen Träumen integriert und ich versuche mir die Technik von meinem Mitspieler Rico Schnell abzugucken, weil der ebenfalls ein Zuspieler ist.“

Altersunterschiede seien kein Problem, auch nicht in der VTV-Mixed-Mannschaft, in der Ü40-Athleten mitspielen. Neben ihrem spielerischen Verständnis ist daher auch ihr soziales Auftreten einer der Gründe, weshalb Volleyball-Fachwart Olaf Schnell der Schülerin vor rund einem Monat ein besonderes Angebot gemacht hat. Er hält sie gut genug dafür, ihr Wissen weiterzugeben und andere Volleyballer effektiv weiterzubringen.

„Olaf hat mich gefragt, ob ich eine neue Mannschaft eröffnen möchte. Das war eigentlich in die Zukunft gerichtet, ging aber dann Schlag auf Schlag. Plötzlich war die Halle mit vielen Neuen voll“, erzählt Laura Wunram – und der Vegesacker Verein steht bei der neuen Trainingsgruppe hinter ihr, wie auch ihre Mitspieler Steffen Janßen und Yannik Schnaubelt, die sie jeden Mittwoch zum Training abholen.

Konkret wurde das Vorhaben dann am Mittwoch, 11. März. Es handelt sich um eine neue männliche Jugend mit bisher sechs Spielern im Alter von 13 bis 15 Jahren. „Ich sollte mir sogar schon Übungen überlegen“, so die Neu-Trainerin. Doch dann macht das Coronavirus vorerst alle Pläne zunichte.

Als am Freitag, 13. März, im Zuge der Pandemie die Schulschließungen beschlossen werden, wird auch dem Vereinsleben beim Vegesacker Turnverein eine Zwangspause verordnet. An diesem Tag feierte Laura Wunram ihren 16. Geburtstag. Wann sie wegen der Corona-Pandemie eine Party mit Freunden und Familie schmeißen kann, ist völlig offen.

„Man hat ja damit gerechnet, dass es auch zu uns schwappen würde. Ich finde die Einschränkungen natürlich schade, aber sie tragen zur Verbesserung des Ganzen bei. Es geht ja nicht nur darum, die Ausbreitung zu stoppen, sondern auch, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Es ist aber ärgerlich, weil so viele Leute Zeit in ihr Hobby und ihre Leidenschaft gesteckt haben, und das jetzt erst einmal verloren geht“ – Work-outs, Kraftübungen, Pritsch-Übungen und Sprungkrafttraining absolviert die VTV-Spielerin jetzt zu Hause.

Weil Laura Wunram als Universalspielerin bisher immer auf verschiedenen Positionen gespielt und sich seit Januar auf die Position des Stellers vorbereitet hat, weiß sie aber um die Arbeit, die in ihrer erfolgreichen Entwicklung steckt. Daher ändere die Corona-Trainingspause so nicht viel: „Ich wollte vorher schon mehr zu Hause machen. Nun bin ich dazu gezwungen.“

An diesem Sonnabend wollte sie so eigentlich auf einem Volleyball-Turnier in Berne erstmals als Stellerin agieren. „Die Teilnahme daran war mein ehrgeiziges Ziel und deshalb war es auch ein toller Moment, als Olaf mir mitgeteilt hat, dass ich mitspielen könne“, sagt Wunram. Beim Turnier in Oberneuland hat sie 2019 erstmals mit ihrem Vater zusammengespielt. „Das war ein ganz besonderer Moment.“

Als künftige gleichaltrige Trainerin in der Zeit nach Corona fürchtet Laura Wunram nicht die fehlende Anerkennung als Autoritätsperson. Sie freut sich auf die Aufgabe. „Ich glaube, dass die Spieler zum Training kommen. Wer es lernen will, soll zuhören, sich aufs Volleyball-Training konzentrieren und versuchen mitzumachen. Wenn man diesen Willen hat, ist das Alter unwichtig. Im Mannschaftssport muss man aufeinander hören – egal, wer wie alt ist.“

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