Puppenspieler im Interview René Marik mit "de Maulwurfn" im Vegesacker Bürgerhaus

René Marik hat Mathematik studiert und ist Puppenspieler geworden. Er ist so erfolgreich, dass er einen Kinofilm produzierte. In der nächsten Woche tritt er im Vegesacker Bürgerhaus auf.
31.03.2019, 15:25
Lesedauer: 4 Min
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Von Alexander Bösch

Herr Marik, warum ist „de Maulwurfn“ so erfolgreich? Haben die Leute einfach Lust, sein chronisches Scheitern in den absurdesten Situationen zu begleiten?

René Marik: Ein Stück weit auch das. Der Maulwurf ist ganz im Hier und Jetzt, er hat kein Über-Ich. Wenn er scheitert, dann scheitert er grandios. Aber im nächsten Moment ist das schon wieder vorbei, und er entdeckt etwas Neues. Er ist eine Figur, die komplett aus dem Bauch heraus reagiert, er ist gutmütig und naiv, aber auch mal impuls- und triebgesteuert und bestimmt nie politisch korrekt.

In einer Szene landet der Maulwurf als Krieger bei den Taliban in Afghanistan statt an seinem Wunschziel Mallorca anzukommen.

Da gibt es dann natürlich Leute, die hinter vorgehaltener Hand lachen – dieses typische ,Hohoho-kann-man-über-sowas-denn-Witze-machen?'-Lachen. Für mich muss es aber, wie gesagt, nicht politisch korrekt oder pädagogisch ausgewogen zugehen. Ich fand die Idee einfach lustig, wie sich ein fast blinder Maulwurf ganz tollkühn in einem Kriegsgebiet behaupten kann.

Sie haben an der Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst in Berlin Ihr Diplom im Fach Puppenspiel abgelegt. Danach ging es im Anschluss aber keineswegs gleich los mit der großen Fanhysterie.

Nein, ich war einige Jahre im Ensemble im Theaterhaus Jena und später in Halle beschäftigt. Also ganz normal als Schauspieler, noch ohne Puppen. Das Rüstzeug dafür bekommt man ja mit in dem Studiengang. Dann ging es ab etwa 2005 los mit den auf Youtube hochgeladenen Puppenfilmchen. Bald folgten die ersten Auftritte.

Im Internet sind die etwa drei Minuten langen Clips mit ,De Maulwurfn', ‚de Froschn‘ und ‚Kalle, den Eisbären‘ sehr populär. Ein abendfüllendes Programm zu gestalten, ist aber noch wieder eine andere Nummer. Hatten Sie anfangs Muffensausen, ob das trägt?

Für mich stand fest, dass ich die besten von diesen Nummern aneinanderhänge und gucken muss, ob das funktioniert. Zum Glück hat es geklappt. Später kamen dann ausgefallenere Geschichten dazu, Figuren wie die Barbiepuppe ,de Barbe', der ,Hasskasper' und aufwendige Einspielfilme. Dazu gehört ,Maulwurfns' Unterbringung in ,Bärlins kleinstem Streichelzoo', sein Absturz als Copilot und die Entführung durch den zum Yoda mutierten Frosch.

Ist es eigentlich ein Geheimnis, was hinter dem berühmten schwarzen Turm vor sich geht, hinter dem Sie sich mit den Puppen und unzähligen Requisiten verschanzen?

Nein gar nicht! Wir hatten da unlängst sogar eine 360-Grad-Kamera positioniert, und man konnte auf meiner Facebook-Seite mal verfolgen, was hinter dem Turm abläuft. Grundsätzlich rate ich aber davon ab, immer alles sehen zu wollen, was hinter den Kulissen vor sich geht. Das raubt einem schnell die Illusion.

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Körperlich anstrengend ist das aber schon, ohne Assistenten einen ganzen Abend lang die Puppen tanzen zu lassen, oder?

Naja, ich spiele einfach von unten nach oben, ein Stück weit ist das erlerntes Handwerk. Das geht natürlich ganz schön in die Arme, aber das geht einem Maler beim Streichen ja auch nicht anders.

Stimmt es, dass Ihnen ein Fan den berühmten ‚Maulwurfn‘ gebastelt hat?

Nicht direkt ein Fan. Das war ein dänischer Student namens Nis Søgar, der damals ein Stück inszenierte im Rahmen seiner Schauspielprüfung. Der hat mir den Maulwurf aus Spaß gebastelt, mit dem ich heute noch auftrete.

Haben Sie für den Maulwurf erst nach und nach die Stimme und die typischen Merkmale und Eigenheiten wie seinen Sprachfehler entwickelt?

Das war eigentlich von Anfang an sofort da. Ich habe ‚de Maulwurfn‘ in die Hand genommen und dann kam das alles automatisch, ohne dass ich lange überlegt habe. Der Maulwurf hatte einfach Glück mit mir.

Bekommen Sie hinter Ihrem schwarzen Turm immer mit, ob eine Szene gut ankommt oder nicht? Im Vorjahr hatten Sie im Bürgerhaus Vegesack am Schluss einige ganz neue Nummern zur Probe dabei, bei denen das Publikum das Versuchskaninchen sein sollte.

Man hört es ja nicht nur, man spürt es auch, ob das Publikum mitgeht oder ob eine Szene mal nicht so gut ankommt. Nach dem Applaus richte ich auch mein Timing aus. Ich habe mal für eine TV-Sendung etwas vorgeführt, da gab es kein Studiopublikum und keinen Applaus. Das fand ich furchtbar, weil man dann so in der Luft hängt.

Wenn die Fans im Gespräch allzu sentimental auf die Puppen reagieren, behagt Ihnen das nicht unbedingt, oder?

Naja, oft hört man Worthülsen wie vom ,Kind im Manne' oder ,Sie haben Ihre Kindheit in den Koffer mit den Puppen gepackt'. Ich sehe das eher pragmatisch. Ich gehe in der Figur auf und versuche, möglichst originelle Geschichten zu erzählen. Wenn mich Leute fragen, ,Was machen die Puppen denn, wenn Sie nicht spielen?', entgegne ich schon mal unromantisch: ,Was sollen die machen? Das sind ein paar Fetzen Stoff, die liegen dann im Koffer!' Einen Zusammenhang zwischen Kindheit und Puppenspiel sehe ich nicht.

Sie haben 2013 den abendfüllenden Kinofilm ,Geld her oder Autschn' gedreht, in dem auch Christoph Maria Herbst mitspielte.

Der Film hat manch einen vielleicht positiv überrascht, aber auch viele Fans wohl auch enttäuscht, die nun erwartet hatten, dass es sich hier nur um den Maulwurf dreht. Das war aber nicht der Fall.

Dabei hatten Sie ohnehin das Puppenspiel schon einmal an den Nagel gehängt.

Ich hatte gemerkt, dass ich etwas Neues machen muss und das Gefühl, dass die Geschichten um den Maulwurf auserzählt sind. Ende 2013 sollten eigentlich die letzten Auftritte gelaufen sein. An der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch hatte ich dann einige Zeit lang Puppenspiel unterrichtet. Dann kam eines Tages ein Team von Sat 1 und fragte, ob ich für Filmaufnahmen noch einmal den Maulwurf spielen kann. Da habe ich gemerkt, dass man so etwas nicht einfach aufgeben sollte, wenn einem eine solche Figur dermaßen aus der Seele spricht.

Das Interview führte Alexander Bösch.

Info

Zur Person

René Marik (48) geht mit Puppen auf Tour. Er hat nicht nur eine Schauspielausbildung absolviert, sondern auch Mathematik studiert. Am Freitag, 5. April, ist Marik im Vegesacker Bürgerhaus zu sehen. Sein Auftritt beginnt um 20 Uhr. Eintrittskarten gibt es beim Kulturbüro Bremen-Nord.

Info

Zur Sache

Auftritt im Bürgerhaus

Am Freitag, 5. April, ist René Marik mit seiner Show zu Gast im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus in Vegesack. Beginn ist um 20 Uhr. Weitere Informationen und Tickets (32 und 27 Euro im Vorverkauf) auf www.kulturbuerobremennord.de.

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