Tier zweimal angeschossen

Schüsse auf Katze: Kater Georgy wird erneut zum Gerichtsfall

Erst war der Fall vom Amtsgericht, jetzt beschäftigt sich das Landgericht mit den Schüssen auf Kater Georgy. Nach dem Urteil im Februar sind sowohl die Anklage als auch die Verteidigung in Berufung gegangen.
04.10.2019, 21:46
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Schüsse auf Katze: Kater Georgy wird erneut zum Gerichtsfall
Von Christian Weth
Schüsse auf Katze: Kater Georgy wird erneut zum Gerichtsfall

Georgy mit GPS-Sender am Halsband: Sigrid Hiltmann lässt ihren Kater nur noch mit Technik nach draußen. Zweimal wurde das Tier angeschossen und lebensgefährlich verletzt.

Christian Kosak

Ein Urteil gibt es schon, jetzt soll ein neues her: Die Schüsse auf Kater Georgy werden erneut zum Gerichtsfall. Beide Seiten wollen es so. Der Anwalt des Angeklagten hat ebenso Berufung gegen die Entscheidung des Amtsgerichts eingelegt wie die Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung will die Bewährungsstrafe für den 71-jährigen Beschuldigten nicht einfach so hinnehmen – und die Anklage nicht, dass der Mann ausschließlich wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt wurde. Für sie hat er auch gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.

Sigrid Hiltmann hatte gedacht, dass nach dem Urteil des Amtsgerichts die Angelegenheit für die Justiz nun abgeschlossen ist. Seit Kurzem weiß die Frau aus Burglesum, dass sie falsch gedacht hat – und alles noch einmal vor Gericht zu erzählen hat, wie es war, als ihr Kater angeschossen wurde. Zweimal: 2014 und 2017. Beide Male musste Georgy notoperiert werden. Beide Male entfernten Tiermediziner ein Sechs-Millimeter-Projektil aus dem Kopf des Katers. Die Staatsanwaltschaft will, dass sowohl der eine wie der andere Fall vom Landgericht aufgerollt wird.

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Das wollte sie auch schon im Februar, als die Schüsse auf Georgy das Blumenthaler Amtsgericht beschäftigten. Doch Strafrichter Frank Lüthe kam zu einem anderen Schluss als die Anklage. Er sah es keineswegs als erwiesen an, dass der 71-jährige Beschuldigte die Schüsse auf den Kater tatsächlich abgefeuert hatte – und sprach ihn vom Vorwurf, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben, frei. Verurteilt wurde der Angeklagte wegen eines anderen Delikts: Beamte fanden in seiner Wohnung Waffen und Munition, die er nicht haben durfte.

Gutachter mit Zweifeln

Auch wenn laut Frank Passade ein unerlaubter Waffenbesitz schwerer wiegt als ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, ist der Freispruch im Fall der Schüsse aus Sicht des Sprechers der Staatsanwaltschaft nicht nachvollziehbar. Warum das Landgericht im Berufungsverfahren zu einem anderen Urteil kommen sollte als das Amtsgericht, lässt Passade offen. Letzteres hatte seine Entscheidung darauf gestützt, dass Gutachter nicht zweifelsfrei sagen konnten, ob die Geschosse, die aus dem Kater entfernt wurden, aus den Waffen des Beschuldigten abgefeuert wurden.

Für den Anwalt des Angeklagten steht noch etwas anderes nicht zweifelsfrei fest: dass seinem Mandant gar nicht bewusst war, dass er noch Munition und Waffen hatte, die er nicht besitzen durfte. Wie im ersten Verfahren plädiert der Verteidiger auch im zweiten auf Freispruch – und damit auf die Rücknahme der Freiheitsstrafe, die auf Bewährung ausgesetzt wurde. Beamte fanden bei dem Beschuldigten eine Pistole und ein Gewehr samt Patronen, deren Besitz ihm untersagt wurde, nachdem er 2014 einen Autofahrer mit einer Handfeuerwaffe bedrohte.

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Weil sich der Vorfall kurz nach den ersten Schüssen auf Kater Georgy ereignet hatte, war der 71-Jährige bereits seinerzeit als Täter verdächtigt worden. Angeklagt wurde er damals allerdings ausschließlich wegen des Vorfalls mit dem Autofahrer. Sigrid Hiltmann weiß bis heute nicht genau, warum es zunächst dabei blieb. Sie weiß nur, dass sie drei Jahre später alles noch einmal durchmachen musste, als ihr Tier erneut von einem Projektil getroffen und lebensgefährlich verletzt wurde. Und dass sie und ihr Mann jetzt ein weiteres Mal als Zeugen vor Gericht schildern sollen, was war.

Katze trägt nun GPS-Sender

Die Aufforderung vom Landgericht kam im vergangenen Monat. Hiltmanns sind für Donnerstag, 24. Oktober, geladen. Gunnar Isenberg sagt, dass es nicht der einzige Termin des Berufungsverfahrens ist. Der Richter spricht noch von einem zweiten – und davon, dass der Fall vor der Kleinen Strafkammer verhandelt wird. Sigrid Hiltmann und ihr Mann sollen am ersten Prozesstag aussagen. Die Frau hofft, dass es schnell geht. Noch einmal alles durchleben zu müssen, sagt sie, falle ihr schwer. Genauso wie es für sie an machen Tagen nicht einfach sei, ihren Kater ohne Angst vor die Tür zu lassen.

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Als Georgy zum zweiten Mal angeschossen wurde und operiert werden musste, hat Hiltmann zunächst überlegt, ihn für immer im Haus zu halten. Doch am Ende hat sie sich dagegen entschieden. Seither trägt der Kater einen GPS-Sender am Halsband, wenn er draußen ist. Hiltmann weiß, dass die Technik ihr Tier nicht davor bewahren kann, ein drittes Mal angeschossen zu werden. Aber jederzeit auf dem Computermonitor verfolgen zu können, wo Georgy gerade unterwegs ist, sagt sie, helfe ihr, nicht ständig in Sorge zu sein. Jedenfalls meistens.

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