Baupläne in Bremen-Nord

So wird das neue Quartier am Vegesacker Hafen aussehen

Die Architekten Jan und Benjamin Wirth haben ihren Siegerentwurf für das neue Quartier am Vegesacker Hafen vorgestellt und erläutert, wie sie an dieses große Projekt herangegangen sind.
06.07.2018, 18:45
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Volker Kölling
So wird das neue Quartier am Vegesacker Hafen aussehen

So wird das neue Quartier am Vegesacker Hafen laut Siegerentwurf aussehen.

Volker Köllingcoast communication

Sie haben sich Vegesacks Altstadt rund um die Alte Hafenstraße praktisch als Blaupause genommen, gepuzzelt und die Teile auf den vorderen Teil des Haven Höövts gelegt: Mit Jan und Benjamin Wirth haben zwei junge Bremer Architekten den Städtebauwettbewerb gewonnen, die mit ihrem Entwurf am meisten gewagt haben. Im ersten Stock des Alten Speichers am Hafen haben die beiden am Freitag der Öffentlichkeit Details zu ihrem Entwurf erklärt.

Das Modell mit den kleinen Schaumstoffbaukörpern ist schon lange vor Veranstaltungsbeginn dicht umlagert: „Hat jemand eine Laubsäge dabei? Dann kappen wir das Hochhaus da vor dem Schulschiffhaus gleich schon einmal um die Hälfte,“ witzelt ein Besucher. Tatsächlich wird einige Minuten später auch Max Zeitz als Geschäftsführer der Haven Höövt Projektentwicklungsgesellschaft beruhigen, was den neuen Bau auf dem immer nur geplanten Bauteil C angeht – gerade mit Blick auf die Grohner Düne dahinter.

„Wir wissen, dass es mit den Höhen der Gebäude in Vegesack geradezu historische Probleme gibt. Wir können hier auf den vorhandenen Fundamenten nicht höher als vier Geschosse bauen.“ Nur im Bereich der neuen Polizeiinspektion Nordwest als neuem Eingangs- und Torbau und auf dem Grundstück „Bauteil C“ gehe theoretisch deutlich mehr. Zeitz: „Aber wir werden da maximal zwei Stockwerke höher gehen.“

Lesen Sie auch

Den großen Auftritt haben dann vor mehr als 70 Besuchern im Vegesacker Geschichtenhaus die beiden Bremer Architekten Benjamin und Jan Wirth. Schon ihre Analyse von Vegesack zeigt spannende Ansätze, wie sich die jungen Städteplaner diesem großen Projekt genähert haben: Sie haben sich das von der Straße „Zur Vegesacker Fähre“ umrahmte Hafenquartier praktisch Grundstück um Grundstück inklusive aller Wege, Plätze und Straßen angesehen. Ihr Computer hat alle Gebäude virtuell in Scheiben geschnitten, um Grundmuster zu ermitteln. Die finden sich im neuen Haven-Höövt-Quartier entsprechend wieder. Und das bedeutet: Es gibt keine rechtwinkeligen Wege und kleine Parzellengrößen. Von dreieckigen Plätzen im Quartier hat man mal den Blick auf den Hafen oder in Richtung Weser und Werften.

Bei den Vorüberlegungen haben sie das Areal um den Hafen in Zonen eingeteilt und diesen Namen gegeben. Das grüne Gelände am Horthaus, auf dem die Turmruine steht, heißt "Natur", den Hafen mit seinen Schiffen nennen sie "Freizeit", die Grohner Düne „Herausforderung“. Den Zonen haben die Architekten dann Elemente des Entwurfes zugeordnet. Benjamin Wirth: „Die ,Herausforderung' bekommt die neue Polizeistation.“ Es wird gelacht.

Lesen Sie auch

Jan und Benjamin Wirth erläutern, wie sich die Architekten den Bau der Erdgeschosse vorstellen. Da ist die Rede von fünf Meter hohen Decken und der Möglichkeit, in einem Erdgeschoss auf mehreren Ebenen Wohnen, Dienstleistung oder auch Einzelhandel unterzubringen. Immer wieder fällt die Vokabel „elegant“. Aber das Duo denkt auch vor: Man wolle alles offen halten, um reagieren zu können, gerate das Quartier mal in einigen Jahrzehnten „in Schieflage“. Dann könne man in den Gebäuden immer noch alles machen. In ihr sechsgeschossiges Gebäude am Schulschiffhaus würde theoretisch sogar das immer geforderte Kino mit zwei Sälen passen, verraten sie.

Im Kern des Areals ist eine Anliegerstraße in einem großen Bogen vorgesehen mit 20 bis 25 Parkplätzen. In den Gebäuden haben die Wirths noch einmal 70 Fahrzeuge versteckt. Aber Parkplatzprobleme wird es hier ohnehin nicht geben: Der Teil für den Handel mit dem neu gestalteten Eingang und Kaufland als Ankermieter wird künftig die 1100 Parkplätze kostenlos anbieten, verspricht Investorenvertreter Zeitz. Die jungen Architekten rechtfertigen die kleine Rundstraße auch mit Lieferverkehr und dem Wunsch, die Erfordernisse des ganz normalen Lebens im inneren Bereich des Quartiers abzubilden.

Lesen Sie auch

Zum Hafen hin umrahmt den Entwurf ein Hochwasserschutz ganz neuer Sorte. Man muss hier grundsätzlich auf über acht Meter über Normalnull kommen. Das ist anderswo ein imposanter Deich. Die Wirths haben die enorme Höhe durch eine Terrassierung in drei Stufen aufgelöst. Auf dem begrünten Deichkronenweg wird man künftig flanieren können. Zur Hafenbrücke öffnen sich die Gebäude. Eine Bar mit Außengastronomie ist zu sehen. Die Menschen sitzen direkt oberhalb einer großen Freitreppe. Zum Alten Speicher hält alles einen gewissen Abstand ein und erzeugt so eine weitere Platzsituation.

Es ist an Max Zeitz als Chef der Projektentwicklung, etwas zu den Zahlen zu sagen, die sich aus den Plänen ergeben: Er spricht von bis 32.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, die sich aus diesem Entwurf generieren lasse. 18.000 bis 20.000 Quadratmeter werden demnach für Wohnen reserviert und das wohl vornehmlich in Mietwohnungen. Der Pensionskasse, die hier investiere, sei es an langfristigen Renditen gelegen, führt Zeitz als Argument für den Bau von bis zu 250 Mietwohnungen aus. Das Gebäude für die neue Unterkunft der Polizeiinspektion Nordwest, inklusive Platz für den Fahrzeugpark, hat er mit 3000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche veranschlagt. 4000 Quadratmeter sind demnach für Wohnen im Alter reserviert.

Lesen Sie auch

Maximilian Donaubauer, Bauamtleiter in Bremen-Nord, spricht von einer großen Zufriedenheit seitens der Stadt angesichts des Siegerentwurfs. Aber alle fünf Büros hätten viel gearbeitet und nach kleinen Justierungen beim sogenannten Zwischen-Colloquium noch einmal gut nachgelegt. Am Ende sei man zu einem einstimmigen Ergebnis gekommen. Das Planbild der Wirths ist laut Donaubauer sogar präziser geraten als erwartet. Für die Aufstellung des Bebauungsplans auf Basis dieses Entwurfs kündigt der Bauamtschef nun einen straffen Zeitplan an.

In der zweiten Jahreshälfte gehe es schließlich schon weiter mit den neuen Plänen für den Bahnhofsplatz – und damit stehe auch die Gestaltung des Hochwasserschutzes komplett um den Hafen an. Er verspricht: „Es wird hier in den kommenden zwei, drei Jahren maßgebliche Veränderungen zum Positiven geben.“ Wie das neue Haven Höövt-Quartier werden soll, lässt sich noch bis Ende August im ersten Stockwerk des Alten Speichers zu den Öffnungszeiten des Vegesacker Geschichtenhauses besichtigen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+