Sebastian Berger pfeift in der Bremen-Liga

„Eigentlich unerreichbar“

Auf der schmucken Sportstätte, dem Fohlenplatz von Borussia Mönchengladbach mit einem Fassungsvermögen von 3000 Zuschauern, erlebte Sebastian Berger das Spiel seines Lebens.
12.03.2021, 15:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Jens Pillnick
„Eigentlich unerreichbar“

Sebastian Berger von der TSV Farge-Rekum pfeift in der Bremen-Liga und assistiert in der Regionalliga Nord.

Christian Kosak

Sebastian Berger ist gerade mal 33 Jahre alt und schon Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses Bremen-Nord. „Eigentlich hat man in dieser Funktion ein deutlich höheres Eintrittsalter“, ist er sich darüber bewusst, dass der eine oder andere Gegenüber schon mal die Stirn runzelt, wenn er von seiner Tätigkeit berichtet. Aber das Ansetzen von Schiedsrichtern, Assistenten und Beobachtern sowie das Ausrichten von Lehrabenden und Lehrgängen ist nur ein Teil seines Hobbys. Denn Sebastian Berger pfeift auch weiterhin in der Bremen-Liga, in der er bereits 150 Partien geleitet hat.

Das Spiel seines Lebens fand für ihn allerdings nicht in der höchsten Bremer Spielklasse statt, in der er seit der Saison 2006/07 unterwegs ist. Es war das Halbfinale im DFB-Pokal der A-Junioren am 1. Mai 2013 zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Kaiserslautern, das nach Elfmeterschießen mit 6:3 an die Gäste ging. „Eigentlich unerreichbar. Eigentlich gehen solche Spiele an Zweitliga-Schiedsrichter“, freut sich Sebastian Berger noch heute, dass er zum Gespann von Schiedsrichter Timo Daniel und dem anderen Assistenten Christian Scheper (beide Niedersachsen) gehörte. Mit hochklassig spielenden Bundesliga-Jugendmannschaften kannte sich Berger allerdings sehr wohl aus, schließlich war er als Assistent in der A- und B-Junioren-Bundesliga unterwegs und kam insgesamt 121 Mal zum Einsatz.

Jener Einsatz am 1. Mai 2013 hob sich allerdings ab. Austragungsort war eine Platzanlage direkt neben dem Borussia-Park, die an diesem Tag eröffnet wurde und seitdem den Namen Fohlenplatz trägt. Fassungsvermögen: 3000 Zuschauer. Und diese Kapazität war ausgeschöpft. Bei sonnigen 30 Grad hatten viele Lust, sich einen Pokalfight zweier ambitionierter A-Jugend-Teams anzuschauen. „Da war richtig was los“, erinnert sich Sebastian Berger an Ultras, Fahnen und Trommeln sowie „taube Ohren.“

Diese Energie von außen und das Bestreben der Spieler, unbedingt das Finale zu erreichen, hatte aber nicht zur Folge, dass das Unparteiischen-Gespann mit Sebastian Berger in den Mittelpunkt gedrängt wurde. Ganz im Gegenteil. „Auf dem Feld ist nichts Dramatisches passiert. Die Spieler haben sich nicht mit uns beschäftigt“, sagt Berger. Ein Verhalten, dass durchaus als nicht ausgesprochenes Lob für das Gespann gesehen werden darf. Zumal das Miteinander auf dem Fohlenplatz ja nicht nur 90 Minuten dauerte. Denn nach regulärer Spielzeit hatte es 1:1 gestanden und eine Verlängerung war fällig geworden. Ein für Berger ungewohnter Nachschlag, denn in Bremer Pokalspielen folgt bei einem Remis nach 90 Minuten direkt das Elfmeterschießen. „Es war mein erstes und einziges Spiel über 120 Minuten“, stellt Berger fest. Da die Partie nach 120 Minuten immer noch keinen Sieger gefunden hatte (2:2), folgte Nachschlag Nummer zwei: Elfmeterschießen. Und auch das wurde problemlos abgewickelt. „Die einen waren glücklich, die anderen waren betrübt. Es gab von keiner Seite Schuldzuweisungen“, beschreibt Berger die angenehm entspannte Situation nach dem Abpfiff. Die eigene Zufriedenheit trübte laut Berger nur die Bewertung des Beobachters: „Er war unserer Meinung nach etwas zu wenig zufrieden.“

Bevor Timo Daniel, Christian Scheper und Sebastian Berger die Heimreise antraten, stand als Abschluss noch ein Abendessen beim Italiener mit ihrem Betreuer, den Gastgeber Borussia Mönchengladbach dem Gespann während es gesamtes Aufenthaltes zur Seite gestellt hatte, auf dem Programm.

Dieser Betreuer hatte wesentlich dazu beigetragen, dass das A-Junioren-Halbfinale zu einem unvergesslichen Gesamtpaket geworden war, dem Sebastian Berger das Prädikat „Das Spiel meines Lebens“ verliehen und das U19-Freundschaftsländerspiel zwischen Deutschland und Spanien in Düsseldorf ausgestochen hatte. Eine Partie, die bei Eurosport übertragen wurde, bei der der Bremer Bundesliga-Schiedsrichter Sven Jablonski die Leitung hatte und bei der beispielsweise der heutige Dortmund-Star Emre Cam auf dem Platz stand. Dieser erwähnte Betreuer hatte laut Berger „Schlüssel für alles“ und gestattete den Schiedsrichtern bei der Stadionführung am Tag vor dem Spiel tiefe Einblicke in den Borussia-Park. Das Trio lernte die VIP-Lounge kennen und durfte die Bundesliga-Schiedsrichter-Kabine nutzen.

Für die „schicke Übernachtung“ in Mönchengladbach kam der DFB auf. Und es gab sogar noch Wimpel von beiden Vereinen des A-Junioren-Halbfinales sowie einen Merchandising-Artikel vom Gastgeber. „Das ist mittlerweile alles verboten“, erinnert Sebastian Berger an Änderungen in diesem Bereich, die die Folge von teilweise sehr aufwendigen Gimmicks für die Unparteiischen durch die Heimvereine waren.

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