Fußball-Schiedsrichter Georg Trebin

Stolze 45 Jahre mit viel Freude im Einsatz

Auf den Fußball-Plätzen in Bremen und Umgebung kennen die Kicker Georg Trebin bestimmt fast alle – ist der 60-jährige Schiedsrichter von der SG Aumund-Vegesack inzwischen doch schon 45 Jahre im Einsatz.
19.01.2020, 17:46
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Schnell
Stolze 45 Jahre mit viel Freude im Einsatz

Schiri Georg Trebin (links) fühlt sich auf dem Sportplatz sehr wohl.

CARMEN JASPERSEN

Vegesack. Auf den Fußball-Plätzen in Bremen und Umgebung kennen die Kicker Georg „Schorse“ Trebin bestimmt fast alle – ist der 60-jährige Schiedsrichter von der SG Aumund-Vegesack inzwischen doch schon stolze 45 Jahre im Einsatz. Sein Markenzeichen ist die Zuverlässigkeit und Trebin betont, dass er auf jeden Fall kein Heim-Schiedsrichter ist.

„Ich versuche auch gleich zu Beginn eine klare Linie zu schaffen, und nicht zum Beispiel erst in der 60. Minute durchzugreifen. Mein Nachteil ist, dass ich mit den Spielern vielleicht zu viel rede. Erst dann greife ich zu den Bestrafungen“, klärt Trebin auf, der schon Unterschiede zu seinen ersten Einsätzen feststellen kann.

„Früher waren die Spiele schon leichter zu pfeifen. Es gibt heute doch schon mehr Rudelbildungen. Die Akteure sehen ja oft auch im Fernsehen, was da so abgeht. Wie sich die Trainer benehmen, und so verhalten sich zum Teil die Trainer auch bei uns im Kreis. Das ist schon manchmal beängstigend“ (Trebin). Er selbst musste aktiv auch schon zwei Spielabbrüche miterleben, eine Begegnung in Bremerhaven und eine Partie in Bremen-Nord. „Da bin ich aber gar nicht stolz drauf. Wenn Spieler Schiedsrichter umstoßen, gibt es ja nur eine Regel – das Spiel abzubrechen – und das war bei mir ja der Fall“, so Trebin.

Dabei stand die Schiri-Karriere des Nordbremers auf sehr wackeligen Füßen. „Mein Sohn Sascha war oftmals traurig, wenn der Papa damals unterwegs war. Vor Wut hat er mir dann mein Trikot aus der Tasche geklaut und so musste ich bei den HSV-Amateuren notgedrungen in einer HSV-Trainingsjacke als Linienrichter winken“, schmunzelt Georg Trebin. Doch das ist alles Schnee von gestern.

Inzwischen blickt Trebin auf viele Einsätze zurück und erinnert sich zum Beispiel gerne an das DFB-Pokalspiel der Werder Amateure gegen Bayern München am 2. August 1993 – „das live im Fernsehen übertragen wurde“ (Trebin). Allerdings verpasste er den direkten Kontakt mit Uli Hoeneß, dem Ex-Manager vom FC Bayern München. „Uli Hoeneß hat dem Schiedsrichter-Gespann nach dem Spiel persönlich ein Geschenk überreicht. Da ich aber gerade unter der Dusche war, konnte ich ihm leider nicht die Hand drücken.“

Oder an die Auftritte als Torrichter bei der Hallenmasters-Quali der Profis, plus dem Schiedsrichter-Part in der Test-Begegnung des Blumenthaler SV gegen den SV Werder Bremen im Jahr 2000, und die Einsätze beim internationalen Lesumer B-Jugend-Turnier in den 90er Jahren. 1972 ist Georg Trebin beim TSV Lesum-Burgdamm eingetreten und seit 20 Jahren auch Mitglied bei der SG Aumund-Vegesack – er absolvierte 1974 bei Rolf Seekamp die Schiedsrichterprüfung. Bei den Heidbergern war der Routinier in der Jugend und im Herrenbereich (Erste/Zweite) aktiv – er half so in der damaligen Verbandsliga aus – und wohnte jahrelang im Lesumer Vereinsheim.

„Wo die heutige Schiri-Kabine mein Jugendzimmer war. Mein Vater Helmut war in Lesum doch zehn Jahre Vereinswirt und so hatten wir beim Sportplatz auch eine Wohnung“, erinnert sich „Schorse“ Trebin, der 34 Jahre verheiratet mit Bettina ist, und neben Tochter Bianca zwei sportbegeisterte Enkelkinder (Aaliyah, Tyler) hat.

Insgesamt war er zehn Jahre Assistent in der damaligen Oberliga plus eine Spielzeit in der Regionalliga – davon acht bei Jörg Jablonski und zwei Jahre bei Ralf Bande. „In dieser Zeit habe ich etliche Sportplätze von Flensburg bis in den Harz kennengelernt.“ Heute pfeift er nur noch untere Ligen und weiß zu schätzen, dass er beruflich bei seinem Einsatz auf dem Sportplatz sehr gut von seinem Arbeitgeber unterstützt wird.

„Rund 60 zum Teil kurzfristig angesetzte Einsätze pfeife ich im Jahr“, so Trebin. Seit 2000 ist er auch noch Schiri-Obmann bei der SAV – damals mit sechs Schiedsrichtern. „Heute haben wir im Verein mit 31 die meisten in Bremen. Zurückzuführen ist das auf die gute Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Bastian Norden und die tolle Gemeinschaft unter den Schiedsrichtern. Auch sind Gäste, wie zum Beispiel der Erstliga-Unparteiiische Sven Jablonski und der Ex-Bundesliga-Schiri Peter Gagelmann, keine Seltenheit“, sagt Trebin, der zudem auch Fahrten mit den Schiedsrichtern, zum Beispiel ins Weserstadion, organisiert.

„Auch wenn das Pfeifen vor Jahren deutlich angenehmer und die Spiele ruhiger und fairer waren, blicke ich auf eine schöne Zeit zurück“, meint Georg Trebin. Ein schöner Moment war für ihn auch das Event mit den sogenannten „Schneeforschern“. Das Team mit dem Ex-Nationalspieler Uwe Seeler kickte 1989 gegen die SV Hemelingen. Das Spiel leitete Jörg Jablonksi und als Assistent fungierte Georg Trebin. „Und anschließend haben wir mit Max Lorenz zusammen seinen 50. Geburtstag gefeiert“ (Trebin). Ein Jahr später war der Nordbremer erneut mit den damaligen Fußball-Größen in der Partie mit dem Blumenthaler SV im Burgwall-Stadion beschäftigt. „Ich musste damals nach dem Abpfiff aber schnell nach Hause, weil mein Sohn ins Krankenhaus gekommen ist. Ich konnte dort leider keine Minute länger bleiben“, so Trebin.

Etwas enttäuscht war der 60-Jährige auch, dass sein 45. Jubiläum im vergangenen Oktober vom Bremer Fußball-Verband vergessen wurde. „Und auch der Kreis hat es versäumt, mir zu gratulieren“, meint Trebin. Dennoch kann er ein positives Fazit ziehen. „Ich arbeite gerne mit dem Kreis zusammen. Die wissen ja, dass sie mich auch in letzter Minute, in Sachen Schiedsrichter-Einsatz, anrufen können. Auch um 22 Uhr – wenn ich am nächsten Tag um 10 Uhr morgens auf dem Platz sein soll“, berichtet Trebin, der seine Entscheidung zum Schiedsrichter nicht bereut hat.

So verwundert es nicht, dass der Nordbremer seine Pfeife noch nicht in die Ecke legen kann. „Ich möchte gerne meine 50 Jahre voll machen, am liebsten aber ohne einen Spielabruch. Die Spieler kennen mich inzwischen ja auch. Ich greife von der ersten Minute voll durch. Und die wissen ja auch schon vorher, dass ich pfeife – und sie ruhig sein müssen.“

Und vielleicht ergibt sich zum 50. Jubiläum ja auch noch ein Treffen mit Uli Hoeneß. „Es ist alles möglich. Und wenn nicht, gratuliert mir jemand anders“, sagt Trebin. Und welches Spiel wünscht sich der 60-Jährige zu seinem Abschied? „Ich hätte am liebsten so ein Nordderby mit sehr viel Brisanz in Sachen Aufstieg oder Abstieg. Zum Beispiel eine Rückrunden-Partie zwischen Farge und Lesum.“

Info

Zur Person

Georg „Schorse“ Trebin (60)

ist 34 Jahre verheiratet mit Bettina, hat zwei Kinder (Bianca, Sascha) und zwei sportbegeisterte Enkelkinder (Aaliyah, Tyler) - Sohn Sascha war ebenfalls kurzzeitig Schiedsrichter.

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