24. Auflage des Sporttreffens

Streit um abgesagtes Schwimmfest in Vegesack

Die Absage des Internationalen Schwimmfestes in Vegesack löst eine Debatte über Sportförderung aus - die Bahnmiete wird immer teurer und die Förderung gleichzeitig weniger.
30.09.2018, 17:01
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Von Martin Prigge
Streit um abgesagtes Schwimmfest in Vegesack

Weil die Bahnmiete immer teurer und die Förderung gleichzeitig weniger wird, können die Vereine keine aufwendigen Wettkämpfe mehr organisieren.

Gabbert/DPA

Um das abgesagte Internationale Schwimmfest der Sportgemeinschaft Aumund Vegesack (SAV) entbrennt ein Streit. „Leider ist es uns aufgrund der Kostenerhöhung für die Badnutzung und der zusätzlichen Kürzung der Zuschüsse nicht möglich, diese Veranstaltung durchzuführen“, heißt es auf der Internetseite der SAV-Schwimmabteilung.

Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt hat aus der Zeitung von der Absage erfahren. Er sei wie vom Donner gerührt gewesen, sagt er. "Das Internationale ist eine Traditionsveranstaltung, die einfach im Vegesacker Bad stattfinden muss.“ Die Bädergesellschaft wirbt auf ihrer Website damit, dass neben privaten Badegästen der Vereinssport in den Bremer Bädern ein Zuhause gefunden habe: „Optimale Trainingsbedingungen bieten hier eine gute Basis für den Leistungssport.“

Zu den konkreten Vorwürfen, die Kosten für die Badnutzung durch die Vereine machten das Fest in diesem Jahr unmöglich, vermag Sprecherin Laura Schmitt nichts sagen. Laut ihrer Aussage haben sich die Vereine noch nicht an die Bädergesellschaft gewandt. Man warte darauf, dass sich jemand zur Erörterung der Problematik melde.

Ortsamtsleiter ist nicht einverstanden

Die Absage des Schwimmfestivals der SAV hat in Vereinskreisen hohe Wellen geschlagen, zumal in der Szene ohnehin gegenwärtig über das rot-grüne Bäderkonzept debattiert wird. Während der benachbarte Blumenthaler TV (BTV) sein Schwimmfest am kommenden Wochenende ausrichten und dabei einige finanzielle Einsparungen vornehmen wird, entschloss sich die SAV, wie berichtet, zur Absage des „Internationalen“.

Es sollte die 24. Auflage des Sporttreffens im Fritz-Piaskowski-Bad werden. Christian Gerken, Leiter der SAV-Schwimmsparte, hatte den Schritt begründet: Es war aus Sicht des Vereins offenbar weder eine Option, den Standard der Veranstaltung zu senken und so Geld einzusparen. Andererseits wollte die Schwimmsparte auch nicht auf Meldungen der eigenen Vegesacker Schwimmer bei auswärtigen Wettkämpfen verzichten, um Mittel für das Schwimmfest frei zu bekommen.

Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt ist mit der Entwicklung nicht einverstanden. „Nur vier Tage im Jahr brauchen BTV und SAV das Bad als Wettkampfstätte, an den 361 anderen Tagen steht es der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das muss doch machbar sein.“

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Zudem müsse der Wert des Ehrenamts betont werden, den die Vereine abbilden. „Ganz zu schweigen von der Integrationsaufgabe, die sie übernehmen. Auf den internationalen Wettkämpfen werden Freundschaften zwischen Sportlern verschiedener Nationalitäten und Kulturen geschlossen. Das ist in der heutigen Zeit eine Stärke, die wir pflegen müssen.“

Tobias Bader, Pressewart des Landesschwimmverbands, nennt Zahlen und Hintergründe. Das Präsidium des LSVB bedaure zutiefst, dass die von der Stadtgemeinde Bremen zur Verfügung gestellten Bäderzuschüsse nicht ausreichen, um einen ganzjährigen Schwimmstättenzuschuss zu gewährleisten. „Die jährliche Preissteigerung der Bremer Bäder um 2,5 Prozent führt dazu, dass der Verband den Trainingsbetrieb in den Schulferien einstellen muss“, sagt Bader.

Um mit den knappen Mitteln umzugehen, habe der Landesschwimmverband vor einigen Jahren beschlossen, Vereinsveranstaltungen nur noch für einen Tag (maximal für fünf Stunden) zu bezuschussen. Zwar hätten internationale Wettkämpfe wie die des BTV und der SAV bisher Ausnahmen gebildet, doch aufgrund der Kostenspirale sei es laut Tobias Bader zu weiteren Einsparzwängen gekommen, die nunmehr für alle Veranstaltungen gelten.

Praktisch das Aus

Der LSVB führe seit mehreren Monaten intensive Verhandlungen mit der Politik über eine Anpassung des Zuschusses oder eine Senkung der Mietpreise in den Bädern. Ein "Weiter so" könne es nicht geben. Denn das hätte aus Sicht des Verbands die Konsequenz, dass die Vereine keine größeren Veranstaltungen mit zum Teil internationalen Teilnehmern mehr umsetzen könnten.

"Wir können auch vermehrt keine Schwimmausbildung mehr durchführen, da die Vereine immer weniger Mittel haben, die teuren Trainingsstätten der Bremer Bäder zu bezahlen“, erläutert Tobias Bader. Auch Frank Domke vom BTV unterstreicht, dass die Kosten von den Vereinen nicht mehr zu tragen seien: „Eine zweitägige Wochenendveranstaltung kostet uns im Vegesacker Bad mittlerweile einen hohen vierstelligen Betrag alleine an Bäderkosten.“

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Momentan sind die Nordklubs heilfroh, dass es noch das Grohner Sportbad gibt. Aber auch hier hieß es bereits im Mai dieses Jahres vom Trägerverein, dass aufgrund fehlender Mittel und der ausbleibenden Unterstützung bei dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen ein Betrieb ab 2021 für den Verein nicht mehr möglich sei – es wäre praktisch das Aus für den Schwimmsport in Bremen-Nord.

Die beiden Vereinsfunktionäre Frank Domke und Christian Gerken sind sich einig, dass dem Schwimmsport nicht nur in Bremen-Nord düstere Zeiten bevorstehen. Domke zeigt aber an einem Beispiel auf, dass das nicht so sein muss: „Man braucht gar nicht weit fahren, um zu sehen, dass es auch anders geht. In Ganderkesee können die Schwimmvereine kostenfrei in den Bädern trainieren und Veranstaltungen sind bezahlbar. Unter solchen Bedingungen hat ein Verein dann auch die Möglichkeit, sich zu entfalten und kann sich um die eigentlich wichtigen Aufgaben kümmern.“

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