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Nach Aussprache folgt Siegesserie

SV Eintracht Aumund startet rechtzeitig durch und steigt nach neun Dreiern am Stück in die Bezirksliga auf
24.06.2020, 14:41
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Von Jens Pillnick
Nach Aussprache folgt Siegesserie

Eintracht Aumunds Trainer Marcel Wätjen im Aufstiegsshirt.

Jens Pillnick

Aumund. Der SV Eintracht Aumund hat in einer verrückten und schließlich Corona-bedingt abgebrochenen Fußball-Saison eine Punktlandung hingelegt. Nach einer Negativserie mit einem Sieg und vier Niederlagen zwischen dem dritten und siebten Spieltag der Kreisliga A drehte die Mannschaft von Trainer Marcel Wätjen voll auf. Neun Dreier am Stück (mit 38:6 Toren) katapultierten das Team rechtzeitig vor der Unterbrechung, die im Abbruch endete, auf Platz eins. Einem Platz, den bis zur Winterpause der Neurönnebecker TV für sich beansprucht hatte, dann aber seine Mannschaft vom Spielbetrieb abmeldete.

Marcel Wätjen, der die Mannschaft im September 2018 zunächst als Gespann mit Andre Hensel und Michael Barwig von Sascha Adler übernommen hatte, erlebte in der Corona-Saison eine Berg- und Talfahrt. Zunächst sorgte eine nahezu perfekte Vorbereitung, in der die Aumunder von Sieg zu Sieg eilten, und eine bärenstarke Leistung im Lotto-Pokal gegen den Bremen-Ligisten SC Borgfeld (1:2) für Gipfel-Gefühle, die anfangs auch in die Punktrunde transportiert wurden. Aber eben nur anfangs. Denn nach einem 8:1-Start gegen SG Findorff II und dem 3:1 gegen CF Victoria '05 ging es durchwachsen weiter, schließlich kriselte es nach drei Niederlagen am Stück sogar. Nach acht Spieltagen fand sich der SV Eintracht Aumund auf Platz zehn wieder.

„Alle haben nach dem fulminanten Start gedacht, dass es von alleine geht. Hinzu kamen Urlauber, Verletzte und eine Larifari-Einstellung“, analysierte Marcel Wätjen, der sich auch selbst hinterfragte und das Training änderte. Schließlich kam es zur Aussprache. Einer fruchtbaren Aussprache. Ein 7:1 gegen KSV Med beendete die Durststrecke und leitete die neun Partien umfassende Siegesserie ein, die den Weg in die Bezirksliga ebnete. Eine Serie, die für Selbstbewusstsein bei den Aumundern sorgte. „Wir hatten einen guten Lauf, wir hätten kein Spiel mehr verloren“, ist sich Marcel Wätjen, der beim Neurönnebecker TV das Fußballspielen lernte, sicher.

Den Beweis dafür konnten die Aumunder zwar nicht mehr erbringen, doch zuzutrauen wäre es der Mannschaft, in der ein Großteil der Spieler deutlich über 30 Jahre alt ist, gewesen. Denn die Eintracht bringt nicht nur Erfahrung auf das Feld, sondern auch Klasse. Etliche Akteure haben schließlich schon höherklassig gespielt und haben nach Einschätzung von Torhüter Patrick Wilhelm nach der Aussprache den Hebel entscheidend umgelegt: „Wir haben viele Individualisten. Alle haben dann aber gemerkt, dass wir nicht über Einzelpersonen, sondern nur die Mannschaft zum Erfolg kommen können. Vorher wollte jeder dem Spiel seinen eigenen Stempel aufdrücken. Die Ergebnisse danach sprechen für sich.“

Mannschaftsdienliches Verhalten war aber auch an anderer Stelle gefragt. „Wir sind auf allen Positionen doppelt besetzt. Wir haben rotiert, um allen gerecht zu werden“, erzählt Marcel Wätjen, dass sich vermeintlich bessere Spieler auch mit einem Platz auf der Bank abfinden mussten. Im Sinne der Gemeinschaft und im Sinne der „guten Kameradschaft“, die Patrick Wilhelm lobte. Die Rechnung ging auf. Wechselnde Formationen und wechselnde Aufgaben für die Vielseitigen unter den Spielern sorgten dafür, dass der SV Eintracht unberechenbar war. So trugen sich beispielsweise 17 Spieler in die Torschützenliste ein. „Es gibt keinen Mann der Saison“, stellt Marcel Wätjen fest, fast in jeder Partie sei jemand anders in der Vordergrund getreten. Vielleicht aber doch etwas öfter als andere taten das der von Wätjen als „Knipser“ bezeichnete Ricardo Willenbrock, Abwehrchef Sascha Schwarting, der vielseitig verwendbare und körperbetont agierende Marcel Stöver oder auch Kevin Kujawa, den der Coach als „eine Bank“ bezeichnet. Den größten Leistungssprung habe indes Janik Mahler gemacht, der von der A-Junioren des JFV Bremen zur Eintracht gewechselt war.

Einen Leistungssprung kommt nun auf alle zu: nämlich der aus der Kreisliga A in die Bezirksliga. Bangemachen gibt es für den 44-jährigen Coach diesbezüglich aber nicht, schließlich bleibt der erfahrene Kader mit Ausnahme von Waldemar Sidenko (Türkspor II) zusammen. Vielmehr sieht Wätjen den 1. FC Burg, der nach seinem Aufstieg aus der Kreisliga A direkt weiter in die Landesliga marschierte, als gutes Vorbild. Das soll allerdings nicht heißen, dass im Kifkenbruch vom erneuten Aufstieg gesprochen wird. Aber es soll auch nicht heißen, dass der Aufstieg nicht infrage kommt. Wätjen: „Alles ist möglich, wenn wir eine Serien hinlegen und uns oben festbeißen.“ Schließlich geht der SV Eintracht Aumund mit dem Schub und der Euphorie aus neun Siegen am Stück in die nächste Spielzeit. Und mit folgender Erkenntnis von Marcel Wätjen: „Wir stehen hinten sehr gut. Wir sind schwer zu schlagen.“

Corona-bedingt zwar nicht, aber vom Resultat her schon war die Saison 2019/20 wie gemalt, um sie auf einer Mannschaftsfahrt Revue passieren und zugleich den Blick in die Zukunft schweifen zu lassen. Die ursprünglichen Pläne diesbezüglich wurden jedoch von der Pandemie durchkreuzt. Eigentlich wollte sich ein Teil des Teams jetzt in Bulgarien (Sonnenstrand) befinden, doch der Trip kam nicht zustande. Doch die Mannschaftsfahrt fiel nicht aus, sondern wurde örtlich verschoben. Die Aumunder blicken jetzt an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern auf ihre sportlichen Taten zurück und schmieden Pläne für deren Fortsetzung.

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