Vegesacker SV

Entspannung für ein, zwei Stunden

Der Vegesacker SV verfügt mit Merle Eiserbeck über ein großes Talent. Sie trat erstmals bei den Bezirksmeisterschaften des Bezirksschützenverbandes Osterholz im Luftgewehr (LG)-Auflage-Wettbewerb an.
06.04.2020, 16:12
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Entspannung für ein, zwei Stunden

Merle Eiserbeck vom Vegesacker Schützenverein freut sich schon auf das Comeback mit dem Gewehr. „So langsam könnte es ruhig wieder losgehen.“

Christian Kosak

Vegesack. Der Vegesacker SV verfügt mit Merle Eiserbeck über ein großes Talent im Schießsport. Die 16-Jährige trat Anfang März erstmals bei den Bezirksmeisterschaften des Bezirksschützenverbandes Osterholz im Luftgewehr (LG)-Auflage-Wettbewerb an und setzte sich dabei prompt mit starken 309 Ringen in der weiblichen Jugend durch. Dabei ist Eiserbeck eigentlich Freihand-Schützin.

„Ich habe nur wegen der Meisterschaften Auflage trainiert“, sagt die Schülerin. Sie habe zwar gewusst, dass sie auch in diesem Wettbewerb nicht schlecht sei. „Mit dem Titel hatte ich aber nicht gerechnet“, räumt die Zehntklässlerin ein. Diese kommt vom Schwimmsport. Sie erlernte im Alter von drei Jahren das Schwimmen und trat dann auch der Abteilung des TV Grohn bei. „Da hatte ich aber dann irgendwann keine Lust mehr zu“, so Eiserbeck. Auf der Suche nach einem anderen Sport erinnerte sie sich daran, dass ihr das Schießen mit Papa Roland Eiserbeck auf dem Freimarkt immer Spaß bereitet habe. Also probierte Merle Eiserbeck es mit dem Schießen auf der Anlage des Vegesacker SV. Da ihr dieser Sport auf Anhieb gefiel, trat sie dem Verein bei und blieb bis heute dabei. „Das Schießen im Verein ist aber viel anstrengender“, weist Eiserbeck auf einen großen Unterschied zum Kirmes-Schießen hin.

Nun vermisst Merle Eiserbeck ihren Sport in der Coronavius-Zwangspause. Für sie sei es auch zum Beispiel keine Alternative zu joggen. Ein paar Sachen für die Schule gibt es auch in der unterrichtsfreien Zeit zu tun. Einige Lehrer laden auf der Plattform „It`s learning“ Materialien hoch, die die Schüler zu Hause bearbeiten, und dann per Mail den Pädagogen schicken können. „Das wird dann auch benotet“, teilt die Schülerin der Oberschule Lesum mit.

Aber ausgerechnet ihr Mathematik-Lehrer stelle keine Aufgaben. Dabei müsste Merle Eiserbeck im Mathe-Grundkurs dringend noch ihre Note verbessern. „Ich stehe momentan auf einer Drei, brauche aber eine Zwei, um anschließend mein Abitur machen zu können“, so Eiserbeck. Sollte das Schuljahr wegen der Corona-Pandemie nicht beendet werden können und die Noten nach den bisher erbrachten Leistungen verteilt werden, erhält die 16-Jährige nicht den erforderlichen Abschluss. „Dann müsste ich entweder ein Schuljahr dranhängen oder eine Ausbildung machen“, sagt Merle Eiserbeck. Da sie noch nicht wisse, wohin die berufliche Reise hingehen soll, wolle sie aber zunächst das Abitur machen. „Dann stehen mir auch mehr Wege offen“, so Eiserbeck – die Ungewissheit darüber, wie es nun schulisch weitergeht, bereite ihr schon Sorgen.

Die Zeit bekommt Merle Eiserbeck aber auch ohne Unterricht prima rum. Sie liest viel und zeichnet Comics. „Ich kann aber nur abzeichnen und habe keine Ideen für eigene Comics.“ Sie schaue auch gerne Serien. Außerdem teilt die Pennälerin ein Hobby mit ihrer Mutter Uta Eiserbeck. Die beiden spielen leidenschaftlich gerne Mario-Cart auf der Spielkonsole Wii. „Ich finde die Wii viel besser als eine Playstation.“

Merle Eiserbeck befindet sich im LG-Freihandschießen auf einem richtig guten Weg, eine Topschützin zu werden. Im Training erzielte Eiserbeck schon mehr als 350 Ringe von 400 möglichen Ringen. Mit solchen Resultaten könnte diese auch hervorragend in den Bezirksklassen des Bezirksschützenverbandes Osterholz mithalten. Die Vegesacker besitzen aber keine Ligamannschaft im LG-Freihand-Bereich. „Das Ligaschießen stelle ich mir aber sehr interessant vor“, betont die Grohnerin. Trainiert wird Merle Eiserbeck von Ralf von Roden, dem Ehemann der Vereinsvorsitzenden Gaby von Roden. „Ralf gibt mir gute Tipps“, versichert Eiserbeck, die noch mit einem Vereinsgewehr antritt. Der Klub stellt ihr zudem eine Schießhose, Jacke und Schuhe für ein professionelles Schießen zur Verfügung. Auf eine eigene Ausrüstung möchte Merle Eiserbeck noch verzichten. „Dafür müsste ich erst Geld sparen. Ich weiß ja außerdem jetzt noch gar nicht, ob ich in ein paar Jahren nicht vielleicht etwas ganz anderes mache.“ Deshalb muss sie noch damit leben, dass auch ihre Klubkollegen das Gewehr nutzen, mit dem sie schießt. Diese richten sich das Gewehr nach ihren Vorstellungen ein. „Wenn ich dann aber wieder leicht am Einstellungsrad drehe, bekomme ich es schnell wieder so hin, wie ich es brauche.“

Ganz am Anfang sei Merle Eiserbeck schon mal etwas komisch von den Klassenkameraden für ihr neues Hobby angeschaut worden. „Dann habe ich aber einfach mal meine beste Freundin Lisa-Marie Buntenhöner mit zum Schießen genommen.“ Auch wenn die sich nicht von diesem Sport begeistern ließ, werde ihr nun ein größeres Verständnis entgegengebracht. Merle Eiserbeck sei ganz froh darüber, dass die Tradition bei den Veranstaltungen des Vereins nicht im Vordergrund stehen.

„Ich kann mich für ein oder zwei Stunden einfach mal auf eine Sache konzentrieren und mich entspannen, ohne an die tausend Sachen zu denken, die man noch erledigen muss“, preist die Nordbremerin die Vorzüge ihres Sports. Beim Freihand-Anschlag komme es vor allem auf die richtige Stellung der Beine an. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester Rieke Eiserbeck hat auch schon mal beim Vegesacker SV vorbeigeschaut.

„Da Gewehre nichts für sie sind, hat sie es mit dem Bogenschießen probiert“, sagt Merle Eiserbeck. Da habe sich Rieke Eiserbeck aber ein wenig einsam gefühlt. Merle Eiserbeck habe das Bogenschießen wegen Schulstresses nicht weiter verfolgt. Auf das Comeback mit dem Gewehr freut sie sich so schon: „So langsam könnte es ruhig wieder losgehen.“

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