Olympiatraum Über Panama nach Paris

Pablo Broszio vom TV Grohn hat den ersten Anlauf unternommen, um sich für die Gerätturn-Nationalmannschaft des mittelamerikanischen Landes zu empfehlen.
18.01.2019, 15:59
Lesedauer: 4 Min
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Von Sabine Lange

Bremen-Nord. Es war heiß und schwül in Panama-Stadt. Und die Location zum Leistungsturnen in einer Halle im Industriegebiet ungewöhnlich. Doch Betonfußboden und Hitze hielten Pablo Broszio vom TV Grohn nicht davon ab, beim Probetraining in Übersee alles zu geben. Schließlich galt es, sich für einen Platz in der Gerätturn-Nationalmannschaft zu empfehlen. „Er war am Limit. Platt war er eigentlich schon nach einer Stunde. Aber er hielt drei Stunden durch“, erklärt sein Vater und Coach Jan Markus Broszio.

Der Einsatz hat sich gelohnt. Der 16-Jährige ist seinem Ziel, künftig auf internationalen Wettkämpfen für Panama antreten zu können, einen Schritt näher gekommen. Wie berichtet, reiste der Sportler mit seinen Eltern während der Weihnachtsferien in das mittelamerikanische Land, um sich den dortigen Sportfunktionären vorzustellen. Das Ergebnis: schon Ende April darf er sich bei den Landesmeisterschaften mit den Turnern aus Panama messen.

Das war von langer Hand vorbereitet. Zum ersten Treffen kam es in der Landeshauptstadt. Dort waren die Broszios mit der Chefin des dortigen Turnverbandes, Teresita Medrano-Morenio, verabredet. „Sie kam zusammen mit ihrem Mann Camilo Amado, der Präsident des Olympischen Komitees in Panama ist, und organisierte das Probetraining vor Ort“, berichtete Jan Marcus Broszio.

„Teresita Medrano-Morenio war wegen meiner Nationalität zunächst skeptisch. Doch ich besitze die deutsche und die panamaische Staatsbürgerschaft“, erzählte Pablo Broszio nach seiner Rückkehr. Er konnte den Sportfunktionären seinen brandneuen panamaischen Pass, den er zuvor in der Hafenstadt Colon beantragt hatte, vorlegen.

Ihn zu erhalten, erwies sich als kurioses Erlebnis. „Die Türsteher der Behörde haben uns den Zutritt verwehrt, weil wir nicht angemessen gekleidet waren“, berichtet Jan Markus Broszio schmunzelnd. Sie seien keineswegs schlecht angezogen gewesen. Doch der Dresscode („Lange Hosen für Männer und schulterbedecktes Outfit für Frauen“) sei bei keinem Familienmitglied erfüllt gewesen.

Da entschied sich das Trio kurzerhand, im benachbarten Baumarkt shoppen zu gehen. Für Papa und Sohn gab es lange, weiße Malerhosen und Mama Michele erhielt ein T-Shirt, das sie sich über das ärmellose Kleid stülpte. So ausgestattet ließ sie der Türsteher passieren, und Pablo Broszio konnte seinen panamaischen Pass entgegennehmen.

Eine Überraschung erlebten Vater und Sohn wenig später beim ersten Training in der Landesmetropole. Von ihrem Ferienwohnort Colon an der Karibrikküste nahe des Eingangs zum Panamakanal standen die beiden nach rund einer Stunde Fahrzeit plötzlich in einem Industriegebiet. „Das ist die verabredete Adresse. Aber wo soll denn hier die Turnhalle sein?“, fragten sich die Nordbremer erstaunt. Doch sie waren richtig: die offizielle Halle des Klubs JD Gymnastics war wegen starker Regenfälle überflutet. Deshalb hatte man kurzerhand eine Ersatztrainingsstätte gefunden und die Turngeräte dort hin transportiert.

Die Geräte seien gut gewesen, fand der Grohner Turner. Aber die feuchte Hitze habe ihm arg zu schaffen gemacht. Das Training sei total anspruchsvoll gewesen. Der sehr gut ausgebildete Coach Luis Carlos Ureña habe sein Programm streng nach den US-amerikanischen Olympiastandards durchgezogen. „In Panama ist Turnen ein elitärer Sport. Die Klubs sind wie kleine Unternehmen. Sie müssen alles selbst finanzieren, auch ihre Trainingsstätten. Im dortigen Klub beträgt der Mitgliedsbeitrag 300 bis 400 Dollar pro Monat“, erklärte Jan Markus Broszio, der selbst einmal aktiver Leistungsturner gewesen ist.

Dreimal nahm das Vater-/Sohn-Gespann die Reise von Colon nach Panama-Stadt auf sich, um sich zu präsentieren. Das glückte dem Gerätturner vom TV Grohn hervorragend. „Luis Carlos Ureña hat mir bestätigt, dass ich mit den dortigen Turnern mithalten kann. Er fand es gut, dass ich zielstrebig bin und nicht aufgebe“, berichtete der 16-Jährige nach seiner Rückkehr aus Panama. Verbale Verständigungsschwierigkeiten habe es nicht gegeben. Der Nordbremer spricht fließend Spanisch.

Nun gilt es, auf das große Vorhaben hinzuarbeiten. Dafür möchte der Schüler seine Übungen mit weiteren hochkarätigen Schwierigkeiten aufpeppen. „Pablo ist jetzt heiß. Ich muss ihn da ein bisschen bremsen. Wichtig ist, für die Übungen die Balance zwischen Sicherheit und Risiko zu finden. Meine Devise ist: Im Wettkampf wird nur geturnt, was im Training klappt“, verriet Coach Broszio.

Der Termin für den ersten offiziellen Auftritt in Panama steht bereits fest: Schon bald geht es erneut über den Atlantik, um am 27. April an den Landesmeisterschaften teilzunehmen. „Pablo soll sich dort positionieren“, teilte Jan Markus Broszio mit. Ziel des Gerätturners ist, sich für die Jugend-Weltmeisterschaften, die vom 27. bis 30. Juni in Gyor/Ungarn stattfinden werden, zu qualifizieren. Sein Vater ist allerdings skeptisch, dass das gelingen wird: „Panama hat bei der WM nur einen Jungen- und einen Mädchen-Startplatz. Es könnte sein, dass die bereits vergeben sind.“

Langfristig hat der ehrgeizige Sportler Olympia 2024 in Paris im Visier. „Wenn meine Leistung stimmt, hoffe ich, für Panama dabei sein zu können“, sagte der 16-Jährige träumerisch. Am Ball bleibt er aber auch auf nationaler Ebene: beim Sechskampf für den TV Grohn in der Weserliga, in der Landesliga mit dem Team von Bremen 1860 und neuerdings auch als Einzelkämpfer der Meisterklasse für den TSV Buchholz 08.

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