Meine Woche Zurück aus der Kurzarbeit

Dennis Hutengs (34) läuft im rechten Mittelfeld des SV Eintracht Aumund in der Fußball-Bezirksliga Bremen auf. Der Serviceleiter blickt auf eine spannende Woche.
16.02.2021, 14:15
Lesedauer: 6 Min
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Von KARSTEN HOLLMANN

Mittwoch, 10. Februar: Morgens um 5.30 Uhr weckt mich meine Tochter Liya. Sie ist der Meinung, aufstehen zu müssen. Da meine Frau Ann-Kathrin und ich uns abwechseln mit dem Aufstehen und ich heute dran bin, mache ich direkt meinen Frühsport. Ich nehme dabei mein Töchterchen auf die Schienbeine, winkele die Beine an, strecke diese erst in die Höhe und senke sie wieder ab. Während es für mich anstrengend ist, findet es Liya super lustig. Gespannt gucke ich auf den Tag, was wohl unsere Kanzlerin Angela Merkel und die Minister der einzelnen Bundesländer im Hinblick auf die Verlängerung des Lockdowns entscheiden werden. Da ich im Einzelhandel tätig bin, ist es für mich und meinem Job natürlich sehr wichtig. Aktuell befinde ich mich in Kurzarbeit. Ich bin gelernter Einzelhandelskaufmann und als Serviceleiter im Media-Markt in der Waterfront in Gröpelingen tätig. Das Positive an der Kurzarbeit ist natürlich, dass ich Zeit für die Familie habe und meine erst im August des vergangenen Jahres geborene Tochter aufwachsen sehe. Nach dem Schneeschippen vor der Haustür machen wir einen Spaziergang bei schönem Sonnenschein. Am Abend läuft eine Frauen-Serie, die Ann-Kathrin unbedingt gucken will. Kein Problem. So habe ich wenigstens Zeit, eine Runde Fifa auf der PlayStation zu spielen.

Donnerstag, 11. Februar: Der Morgen startet mit einem Frühstück von meiner Frau „Trine“ mit Brötchen und Rührei. Natürlich ist das Thema Nummer eins am Frühstückstisch die Entscheidung über den weiteren Verlauf des Lockdown. Aufgrund der Entscheidungen ist leider weiterhin nur ein eingeschränktes Leben für uns als kleine Familie möglich. Zur Mittagszeit gehe ich dann sieben Kilometer mit meinem direkten Nachbarn Pascal Kroll, der als Schiedsrichter beim Bremer Fußballverband aktiv ist, joggen. Das ist gar nicht so einfach bei den Schneeverhältnissen draußen. Aber wir sind froh, überhaupt etwas gemacht zu haben. Heute wäre wieder Training mit den Jungs gewesen. Diese Zeit vermisse ich total. Selbst wenn ich mal eine Spätschicht habe, bin ich sonst noch auf ein Bier und einen Schnack zum Vereinsheim gefahren. Die Aumunder Familie fehlt mir schon. Mein Chef teilt mir heute mit, dass ich nächste Woche wieder normal arbeiten kommen soll. Da ich in einer Elektronikfirma arbeite, ist eine Onlinebestellung und Abholung weiterhin möglich. Daher ist ein kleines Team weiterhin für die Kunden da. Am Abend schauen wir dann noch ein bisschen Fernsehen, bevor ich erschöpft einschlafe.

Freitag, 12. Februar: Mit leichtem Muskelkater vom Joggen geht es mit Liya raus aus dem warmen Bett. Den Frühsport mit ihr lasse ich heute mal ausfallen. Ein langjähriger Freund und Fußballer, Marcel Konopko, kommt zum Frühstück mit leckeren Brötchen vorbei. Ich bin der Patenonkel seiner Tochter. Leider sieht man sich viel zu selten. Heute sind Fotos der gemeinsamen Urlaube mit Trine eingetroffen. So verschönern wir den Nachmittag mittels unserer Bilderwand. Das Reisen ist eines unserer gemeinsamen Hobbys. Ich habe Trine ganz klischeehaft in einer Diskothek kennengelernt. Sie arbeitete dort als Barkeeperin, und ich war dort Gast. Dass wir dann irgendwann verheiratet sind, ein Haus kaufen und eine gemeinsame Tochter haben, hätten wir wohl beide bei unserem Kennenlernen noch nicht gedacht.

Sonnabend, 13. Februar: Ich freue mich auf den Spieltag in der Fußball-Bundesliga. Mit einem Kaffee im Thermosbecher geht es aber erst einmal zu meinem Schwiegerpapa Claus Driesselmann, um einen Anhänger abzuholen. Bevor der Fußballtag startet, brauche ich nämlich noch Feuerholz für den Kamin, den wir uns Ende des vergangenen Jahres einbauen lassen haben. Ich hole zwei Hänger voll Holz aus Hagen ab. Das Bier steht schon kalt und der Kamin brennt. Es ist alles angerichtet für einen Fußball-Nachmittag mit Pascal Kroll. Leider spielt heute aber nicht mein Lieblingsklub 1. FC Köln. Seit ich klein bin, bin ich Fan dieses Vereins. Natürlich habe ich auch Sympathien für Werder Bremen. Glücklicherweise entscheiden wir uns allerdings nach 30 Minuten, auf Konferenz bei Sky umzuschalten, sodass wir im Wechsel alle Spiele verfolgen können. Das Werder-Spiel alleine ist schließlich nicht gerade prickelnd. Die Aufstellung und Einwechselungen von Werder können wir nicht nachvollziehen. Warum bringt man einen Leonardo Bittencourt erst nach 85 Minuten? Ein, zwei kühle Getränke schmecken uns aber trotzdem, auch wenn wir eine eher müde Nullnummer im Match zwischen den Grün-Weißen und dem SC Freiburg sehen. Es ist schon erstaunlich, dass mit Freiburgs Coach Christian Streich und Werders Trainer Florian Kohfeldt die beiden dienstältesten Trainer der 1. Bundesliga aufeinandertreffen. Dabei ist Kohfeldt ja gerade einmal rund drei Jahren Coach der Bremer. Das Fußballgeschäft ist eben sehr schnelllebig. Werder hat in der vergangenen Katastrophen-Saison an Florian Kohfeldt festgehalten und ist dafür mit dem knappen Klassenerhalt in der Relegation gegen Heidenheim belohnt worden. Hoffentlich kann Köln morgen an den überraschenden 2:1-Derbysieg bei Borussia Mönchengladbach aus der Vorwoche anknüpfen.

Sonntag, 14. Februar: Der Valentinstag ist für uns ein ganz normaler Tag im Jahr. Es gibt keine Geschenke, keine Blumen oder Ähnliches. Wir haben miteinander besprochen, dass wir uns nichts zu Geburtstagen, zu Weihnachten oder anderen Anlässen schenken. Dafür gehen wir dann mal gemeinsam Essen oder kaufen uns etwas Gemeinsames für das Haus. Der erste Kaffee aus dem Köln-Becher schmeckt exzellent. Der Köln-Schal liegt unter dem Fernseher. Und meine kleine Tochter bekommt den Köln-Schnuller. Das kann doch heute nur klappen mit dem Sieg bei Eintracht Frankfurt. Wenn man aber erst anfängt, offensiv und mutig nach vorne zu spielen, nachdem man das 0:1 von André Silva gefangen hat, wundert mich die Niederlage für den FC nicht. Mit dem 2:0 von Evan N`Dicka für die Frankfurter in der 80. Minute ist es das dann mit meiner Hoffnung auf einen Punktgewinn für meine Kölner gewesen. Im Großem und Ganzen ist es also kein gutes Fußball-Wochenende für mich. Als am allerschlimmsten empfinde ich es jedoch, dass ich selber nicht spielen kann. Wir alle hoffen, dass es bald wieder losgehen kann, denn wir können mit dem SV Eintracht Aumund etwas ganz Großes in der Fußball-Bezirksliga Bremen schaffen. Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern und rechnen uns als Zweiter punktgleich mit dem Spitzenreiter SC Lehe-Spaden gute Aufstiegschancen aus. Mit diesem Team macht es einfach Spaß, Fußball zu spielen. Wir haben immerhin sechs von sieben Begegnungen gewonnen.

Montag, 15. Februar: Nach einem Kaffee zum Frühstück geht es pünktlich los zur Arbeit. Vorher habe ich noch für die beiden Frauen den Kamin angemacht, damit sie es schön kuschelig haben, wenn sie in das Wohnzimmer kommen. Nach drei Wochen zu Hause ist es für mich der erste Arbeitstag. Ich unternehme einen kurzen Abstecher zur Tankstelle, um mich mal wieder über die hohen Spritpreise aufzuregen. Für mich ist es einfach unvorstellbar, dass man in dieser schweren Zeit die Preise erhöht. Über das Wochenende sind viele Onlinebestellungen bei uns eingegangen, sodass wir keine Langeweile auf der Arbeit haben. Einiges muss eingepackt und verschickt werden. Ein Teil wird dabei auch vom Kunden direkt abgeholt. Nebenbei bearbeite ich noch ein paar Kunden-Reklamationen. Zum Glück stößt man in den meisten Fällen auf Verständnis. Am Abend schaue ich mir dann das 3:3-Remis von Bayern München in der Fußball-Bundesliga gegen den klaren Außenseiter Arminia Bielefeld an. Das Spiel findet erst heute statt, da die Bayern bekanntlich gerade Klubweltmeister in Katar durch einen 1:0-Erfolg über Tigres geworden sind. Damit hat der deutsche Rekordmeister nach dem Bundesligatitel, DFB-Pokal, Champions League, DFL-Supercup, Uefa-Supercup den sechsten Titel in einer Saison eingeheimst. Das ist schon sehr beeindruckend.

Dienstag, 16. Februar: Was bedeutet ein Dienstag? Ja genau. Es wäre eigentlich wieder ein Training. Die fallenden Zahlen in Bezug auf das Corona-Virus machen uns Hoffnung, dass es hoffentlich bald Lockerungen geben wird. Selbstverständlich steht da der Sport nicht an erster Stelle. Wichtig ist vor allem, dass die Kitas und Schulen als erstes öffnen. Nach der Arbeit fahre ich noch bei meiner Mutter vorbei, da sie eine neue Küche geliefert bekommen hat. Familie steht für mich an erster Stelle, egal ob es die Familie von meiner Seite aus ist oder die Familie von meiner Frau Trine. Die Freude, meine Tochter dann am Abend zu sehen, ist riesig. Egal wie stressig ein Tag auch vorher gewesen sein mag. Das Lächeln meiner Tochter Liya lässt mich alles vergessen.

Finn Schwichtenhövel, der Radballer des RV Warfleth, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Dennis Hutengs (34)

läuft im rechten Mittelfeld des SV Eintracht Aumund in der Fußball-Bezirksliga Bremen auf. Der Serviceleiter ist seit drei Jahren mit Ann-Kathrin (Trine) Hutengs verheiratet, mit der er die gemeinsame Tochter Liya (6 Monate) hat. Die Familie wohnt in Farge.

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