Drogenkonsum in Vegesack

Elf Verstöße in drei Jahren

Die Polizei hat in Vegesack in den Jahren 2018 und 2019 jeweils 76 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert. Im Stadtgarten gab es ihr zufolge aber weniger Fälle.
28.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Elf Verstöße in drei Jahren
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Elf Verstöße in drei Jahren

Der Stadtgarten in Vegesack ist laut der Polizei kein Hotspot für den Handel und Gebrauch von Drogen im Stadtteil.

Christian Kosak

Der Stadtgarten in Vegesack ist nach Ansicht der Polizei kein Hotspot für den Handel und Konsum von Drogen. In den vergangenen drei Jahren hat sie in der Grünanlage elf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert. Der Vegesacker Beirat forderte am Montagabend dennoch, das Thema auf die Tagesordnung des Regionalausschusses zu setzen.

Das Gremium befasse sich einen Monat zu früh mit dem Thema, sagte Michael Steines, Abteilungsleiter Nord-West bei der Bremer Polizei. „Wir werden die polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2020 für den Bremer Norden erst Ende Mai vorstellen und bis dahin ausgewertet haben“, so Steines. „Was wir derzeit dazu sagen könnten, wäre spekulativ.“

Deshalb informierte er das Gremium über die Entwicklung in den vergangenen Jahren. Demnach gab es 2018 und 2019 in Vegesack jeweils 76 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. „2020 haben wir insgesamt drei Verstöße festgestellt, davon einen im Januar und zwei im Mai“ berichtete Steines. In diesem Jahr habe es bisher einen Fall gegeben. „Daraus ergibt sich für uns, dass der Stadtgarten kein Hotspot ist“, sagte er. „Deswegen kann ich aber nicht ausschließen, dass in den Sommermonaten bei einem sechs Hektar großen Park in der einen oder anderen Ecke vielleicht konsumiert wird.“

Auch wenn der Stadtgarten für die polizeiliche Arbeit kein Schwerpunkt sei, werde der Bereich regelmäßig überprüft. „Wir versuchen intensiv aufzuklären“, sagte der Abteilungsleiter. „Allerdings konnten wir nur wenige Menschen aus der Szene antreffen, wie ich zuvor dargestellt habe.“

Wie viele Beamte in Sondergruppen gegen den Drogenhandel im Stadtteil vorgehen, konnte Steines nicht beantworten. „Das sind Stärken der Polizei, die wir nicht nennen“, informierte er. Zudem sei in diesem Bereich nicht nur die Schutzpolizei tätig, sondern auch die Kriminalpolizei mit ihrem Dezernat für Rauschgift.

Beiratssprecher Torsten Bullmahn (CDU) geht davon aus, dass im Stadtgarten mehr Drogen konsumiert und verkauft werden, als die Beamten registrieren. „Ich glaube, da geht viel an der Polizei vorbei“, sagte er. Schließlich werde er regelmäßig von Bürgern auf den Drogenkonsum im Stadtteil angesprochen. „Nachbarn fragen mich: Wann macht die Polizei etwas, und wann werden die Dealer gefasst?“, berichtete er. Auch wenn er sich für mehr Polizeipräsenz aussprach, attestierte er den Beamten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine gute Arbeit zu leisten.

„Handel und Konsum ist im gesamten Stadtgebiet möglich“, sagte Jannik Michaelsen (SPD). Deshalb dürfe der Blick nicht nur auf Vegesack gerichtet werden. „Wenn man einen Schwerpunkt auf Vegesack setzt, dann verschiebt sich das Problem nach Blumenthal oder Burglesum“, so Michaelsen. Deshalb sprach er sich dafür aus, das Thema im Regionalausschuss mit den anderen Nordbremer Beiräten zu diskutieren.

Das Problem ließe sich nicht durch mehr Polizeipräsenz lösen, argumentierte Karl Brönnle (Linke). Stattdessen brauche es unter anderem Konsumräume im Bremer Norden. „Damit wird Betroffenen die Möglichkeit geboten, sich aus diesem Milieu zu entfernen“, sagte Brönnle.

Die Anregungen aus der Diskussion hat der Beirat auch in seinen Beschluss aufgenommen und sich darauf verständigt, das Thema in den Regionalausschuss zu verweisen. Dort solle gemeinsam mit den zuständigen senatorischen Behörden über einen Drogenkonsumraum für den Bremer Norden diskutiert werden.

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