Kampf gegen Corona in Klassenzimmern Licht an, Viren tot

Hängen bald in allen Bremer Klassenzimmern sogenannte Conny-Guns? Ein Prototyp des Luftreinigungsgeräts, das Corona-Viren töten soll, liegt der Behörde inzwischen vor. Wie die Kanone funktioniert.
28.11.2020, 07:00
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Licht an, Viren tot
Von Patricia Brandt

Ein simples Gerät könnte bald in Bremer Klassenzimmern die Luft von Coronaviren säubern. Seine Conny-Gun tötet Viren, Keime und Bakterien mittels UV-C-Strahlung, sagt der Erfinder Volker Bohnert. Der Lilienthaler Pensionär war Lehrer am Schulzentrum an der Kerschensteiner Straße und baut dessen neues Schul-Labor mit auf. In Vegesack könnte die Conny-Gun in Serie gehen. Ein Prototyp des Geräts liegt inzwischen bei der Bildungsbehörde.

Geht es um Lüftungsanlagen für Klassenzimmer, macht derzeit vor allem eine beim Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz entworfene Anlage von sich reden, weil sie für unter 200 Euro mit Materialien aus dem Baumarkt zusammengebaut werden kann. Die Luft wird dabei von Abzugshauben abgesaugt und über ein Fenster nach draußen geblasen. Die Zugluft kann über ein weiteres Fenster zugeführt werden. Mehr als 1000 Schulleiter sollen das System bereits angefragt haben.

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Volker Bohnert hält nichts von diese Lösung. Ein Grund ist die Energiebilanz der Anlage: „Man saugt die ganze Wärme raus.“ Der frühere Vegesacker Lehrer hat mit seinem eigenen Luftdesinfektionsgerät eine Alternative ausgetüftelt, die auf UV-C-Strahlung beruht und für rund 100 Euro herzustellen wäre. Es braucht nur ein paar Rohre, Endklappen, Abdeckung aus Kunststoff, Kabel, Stecker und nicht zuletzt natürlich eine UV-C-Lampe.

„Durch die UV-C-Strahlung wird die Wachstumsstruktur der Zellen zerstört, die Zellen können sich nicht mehr vermehren“, erklärt Bohnert das Prinzip. Die UV-C Strahlung sei der energiereichste Teil der UV-Strahlung und werde bereits in OP-Sälen und Rettungswagen zur Luftsterilisation genutzt. Medienberichten zufolge setzt in Hamburg inzwischen auch ein erster Supermarkt auf UV-C-Strahlung. Ebenso soll die Luft in Hanauer Stadtbussen mittels UV-C-Licht virenfrei gemacht werden.

Abstand zu Schülern

Die Strahlung hat jedoch einen Nachteil: Sie greift Haut und Augen an, kann das Erbgut schädigen und krebserregend wirken. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) prüft die Wirksamkeit von UV-C-Desinfektionslampen nicht, rät jedoch davon ab, UV-C-Entkeimungsgeräte am Körper einzusetzen, um das Coronavirus loszuwerden. Offenbar kursierten Meldungen, wonach die Strahlung zur Bekämpfung der Erkrankung selbst beiträgt.

Volkerts etwa 70 Zentimeter lange Conny-Gun, die bald unter den Decken Bremer Klassenzimmer hängen könnte, schließt gesundheitliche Gefahren nach seinen Worten aus. Die Geräte würden an der Zimmerdecke und damit in ausreichender Entfernung zu den Schülern angebracht, außerdem würden UV-C-Strahlen grundsätzlich keine festen Stoffe – auch kein Fensterglas oder klare Kunststoffe durchdringen. Von Geräten mit Blickschutzlamellen oder Gehäusen könne daher keine unmittelbare Gefahr ausgehen.

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Wie die Mainzer Lüftungsanlage wird auch Bohnerts Conny-Gun bereits stark nachgefragt. „Ich bin selbst überrascht, welche Resonanz dieses einfache System auslöst“, sagt der Schriftführer im Schulverein der Berufsschule. Er habe Anfragen von Fernsehsendern, die über die Anlage berichten wollen und Arztpraxen, die eine Conny-Gun bestellen wollen. Auch aus der Kultur- und Kneipenszene gebe es Anfragen.

Für Bohnert geht es erst mal um die Schüler. Bekanntlich gibt es in der Vegesacker Berufsschule Räume, die sich nur schlecht lüften lassen. Schulleiter Peter Kaus befürwortet es, wenn im neuen, mit Lasercuttern und 3D-Druckern ausgestatteten Labor der Berufsschule kreative Lösungen entstehen: „Wer an Metalltechnik denkt, hat das Bild von jemandem im Kopf, der mit Schraubstock und Feile arbeitet. Metalltechnik ist aber viel viel moderner.“

Schüler könnten helfen

Ein erstes positives Signal aus der Schulbehörde hat Volker Bohnert nach eigener Darstellung bereits erhalten. Falls die Behörden die Conny-Gun für den Gebrauch in Klassenzimmern zulässt, könnten Schüler der Fachoberschule (FOS) des Schulzentrums die Geräte Filteranlagen im Unterricht bauen. Die Kolleginnen Gabi Breuer und Michaela Krauss würden das Projekt gern in der FOS 11 betreuen, so Volker Bohnert.

Unterstützung erhält Volker Bohnert nach eigenen Worten übrigens auch von Mitarbeitern des Max-Planck-Instituts in Bremen. „Sie haben angeboten, eine CO2-Ampel einzubauen.“ Die Conny-Gun entkeimt die Luft, die Wärme bleibt im Raum, gelüftet werden müsse aber trotzdem. „Sie ist kein Allheilmittel. Es gibt auch keine Gewährleistung für die Gefahr der Nah-Ansteckung. Wenn sich ein Lehrer zu einem Schüler herunter beugt und die Aerosolfahne durch die Maske dringt und der Lehrer diese Luft einatmet, dagegen kann sie nicht schützen.“

Der Prototyp der Conny-Gun aus Vegesack liegt derzeit der Abteilung für Bau und Liegenschaften in der Bildungsbehörde vor, bestätigt Behördensprecherin Annette Kemp. Sie sagt weiter: „Wir werden den Prototyp prüfen, genau wie wir weitere Luftfilter prüfen. Und zwar in der Praxis in verschiedenen Schulen.“ Das Ressort und die Liegenschaftsverwaltung Immobilien würden diese Projekte begleiten.

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