Vegesacker Schützenverein

Ein Spätstart mit 51 Jahren

Birgit Evers vom Vegesacker Schützenverein nahm erst vor fünf Jahren erstmals ein Gewehr in die Hand und entwickelte sich zu einer echten Könnerin ihres Fachs.
06.07.2020, 15:49
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Ein Spätstart mit 51 Jahren

Im nächsten Jahr möchte sich die Grohnerin Birgit Evers wieder für die deutschen Meisterschaften qualifizieren.

Christian Kosak

Es gibt sicherlich nicht viele Aktive, die den für sie passenden Sport erst in der zweiten Lebenshälfte für sich entdecken. Dazu zählt auf jeden Fall Birgit Evers vom Vegesacker Schützenverein. Die 56-Jährige nahm erst vor fünf Jahren erstmals ein Gewehr in die Hand und entwickelte sich noch zu einer echten Könnerin ihres Fachs.

„Birgit hat sich großartig gesteigert“, freut sich Vegesacks Pressesprecher Georg Veltl. Eigentlich wollte die Bereitschaftssekretärin des Klinikums Bremen-Nord ja zum Bogenschießen. „Das hatte ich in der Reha, die mir wegen Rückenproblemen verordnet worden war, mal zur Entspannung ausprobiert“, berichtet die Schützin. Doch die Bogenanlage des Vegesacker SV sei derart überfüllt gewesen, dass sie stattdessen lieber beim Luftgewehr (LG)-Auflage-Schießen vorbeischaute.

„Am Anfang war ich aber noch nicht so gut“, räumt Birgit Evers ein. Doch die gelernte Krankenschwester, die nie in diesem Beruf tätig war, entwickelte einen großen Ehrgeiz und steigerte sich von Woche zu Woche. „Vor allem, nachdem ich mir dann ein eigenes Gewehr gekauft hatte, wurde es relativ schnell besser“, informiert Evers. Vor zwei Jahren wurde diese dann auch für ihren Trainingsfleiß mit der erstmaligen Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften belohnt.

„Da bin ich dann nach Dortmund gefahren und war sehr stolz auf mich“, teilt die Sportlerin mit. Aber auch wenn es noch nicht zu einer vorderen Platzierung bei den Seniorinnen I langte, sei es doch eine tolle Erfahrung gewesen. „Es gibt zum Beispiel Kollegen, die schon 40 Jahre oder länger dabei sind, und noch nie die DM-Quali geschafft haben“, gibt Evers zu bedenken. Gerade deshalb habe sie eben auch ihre eigene Leistung besonders zu würdigen gewusst.

Die gebürtige Bremerin ist auch in der Hansestadt, genauer gesagt in Grohn, aufgewachsen und hat bereits einige Sportarten betrieben. Dazu gehören Tischtennis, Faustball, Kunstradfahren und Turnen. Diese Sportarten betrieb sie in der Jugend für den TuS Warfleth beziehungsweise für Fahrwohl Warfleth. Irgendwann verschlug es die Nordbremerin dann für ein Jahrzehnt aus beruflichen Gründen nach Aachen. Dort war sie als Sachbearbeiterin einer Krankenkasse angestellt.

„Dann hat mich aber das Heimweh gepackt, sodass ich wieder nach Bremen zurückgegangen bin“, lässt Birgit Evers wissen. Sie fühle sich aber eher als Grohnerin, denn als Bremerin. Da es in Grohn jedoch keinen Schützenverein gibt, musste sie auf Vegesack ausweichen. Beim Vegesacker SV wurde Birgit Evers mit offenen Armen empfangen.

„Die Vegesacker waren froh, noch eine Dame zu bekommen. Bei uns herrscht schließlich ein Frauenmangel. Wohl auch deshalb haben die Vegesacker mich sehr nett aufgenommen“, sagt Evers. Ruck zuck wurde diese auch in die Damenformation um die Vereins-Vorsitzende Gaby von Roden integriert. „Hier sitzen wir nach dem Schießen auch noch zusammen, essen Abendbrot und schnacken“, teilt die 56-Jährige mit.

Trainiert wird Birgit Evers vom Ehemann von Gaby von Roden, Ralf von Roden. „Der kann mir sehr gute Tipps geben“, lobt Evers ihren Coach. Und obwohl Ralf von Roden ein guter Schütze ist, überholte der Neuzugang diesen in nicht allzu langer Zeit. „Ich habe bei einigen Wettkämpfen schon besser geschossen als Ralf“, berichtet die Grohnerin. Dies läge aber zur Ehrenrettung von Ralf von Roden auch daran, dass dieser zwar Training gibt, aber dafür selbst kaum noch trainiert.

Nachdem Birgit Evers aus Aachen zurückgekehrt war, griff sie aber erst einmal einen alten Sport wieder auf. Diese trat für den Blumenthaler SV in der Tischtennis-Kreisliga an. „Dort wurde mir dann aber irgendwann der Druck einfach zu groß. Ich musste immer spielen. Dabei ging bei mir jedoch der Spaß verloren“, sagt Evers. Aber auch in Aachen hatte die Grohnerin kurzzeitig wieder zum Tischtennisschläger gegriffen.

Die vielseitige Sportlerin unternahm auch noch einmal einen neuen Anlauf für das Bogenschießen, der aber erneut scheiterte. „Es war immer noch so voll. Die Ligaschützen haben dann zu mir gesagt, dass ich mal zur Seite gehen solle, weil sie für einen Wettkampf trainieren müssten“, so Evers. Daraufhin habe sie ihre Bogen-Ambitionen endgültig begraben. Mit dem LG-Auflage-Schießen sei sie aber auch ausgefüllt.

„Ich habe auch schon das Kleinkaliber-Schießen ausprobiert. Damit kann ich mich wegen des Rückstoßes aber derzeit noch nicht so anfreunden“, verrät Birgit Evers. Im LG-Auflage-Wettbewerb erzielte sie im vergangenen Jahr mit 317 Ringen ihr bisheriges Spitzenresultat bei einem Wettkampf. Bei den Bezirksmeisterschaften im Jahr 2019 musste sie sich bei den Seniorinnen I zudem mit 312 Ringen nur Susanne Hölling vom SV Axstedt sowie Gaby Gerdes vom Wallhöfener SV knapp geschlagen geben.

Die Bezirks- und Landesverbandsmeisterschaften in diesem Jahr fallen der Corona-Pandemie zum Opfer. Der Corona-Lockdown zwang auch Birgit Evers zu einer Trainingspause. Aber auch nach den Lockerungen ist sie noch nicht wieder zu ihrem normalen Trainingsalltag zurückgekehrt. „Ich finde es ziemlich blöd, dass ich nur zu vorher festgelegten Zeiten trainieren kann und mich dann vorher auch noch in eine Liste eintragen muss“, sagt Birgit Evers.

Dies sei auch nicht so leicht mit der Pflege ihres Hundes zu vereinbaren. Mit ihrer dreijährigen Cockerspaniel-Hündin Kathi geht sie am liebsten in Knoops Park spazieren. „Dort gibt es eine Wiese, die mal eine Hundewiese werden soll, auf der ich viele andere Hundebesitzer regelmäßig treffe“, teilt die Sportlerin mit.

Gerne besucht Birgit Evers auch ihren Bruder Hartmut Evers, der bereits seit 30 Jahren in Heidelberg lebt. Der sei immer noch großer Werder-Fan. „Mein Bruder wirft mir immer vor, dass ich in Bezug auf Werder zu pessimistisch bin“, so Evers. Sie verfolge selbst auch genau, was der Verein so mache.

Während des Lockdowns genoss Birgit Evers sehr den Garten ihres Miethauses. „Ich bin sehr froh, dass ich einen Garten habe, den meine Vermieterin toll in Schuss hält“, erklärt die Schießsportlerin. Sportlich ist sie auch im Hinblick auf ihren Arbeitsweg. Da sie es nicht so weit zum Klinikum Bremen-Mitte hat, fährt sie stets mit dem Fahrrad dorthin.

Im nächsten Jahr möchte sich Birgit Evers dann wieder für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren. Dies war ihr im Jahre 2019 nicht gelungen. „Ich werde alles dafür tun, um wieder nach Dortmund fahren zu können“, betont Evers. Ansonsten würde sie sich sehr über Neuzugänge im Damenbereich in Vegesack freuen. „Wir können immer noch welche gebrauchen“, versichert die 56-Jährige.

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