Schwimmen

SAV-Trio wünscht sich Wettkämpfe

Mit großem Abstand zueinander betreten die Schwimmer das Sportbad Bremen-Nord. Jetzt noch schnell die warme Kleidung ausziehen und jeweils auf eine der fünf Bahnen verteilen.
07.01.2021, 14:46
Lesedauer: 4 Min
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Von MARTIN PRIGGE

16.15 Uhr. Vor der Grohner Schwimmhalle an der Friedrich-Humbert-Straße versammeln sich ein paar dick eingepackte Gestalten. Zusätzlich zu Winterjacke, Mütze und Schal tragen sie eine Maske. Mit großem Abstand zueinander betreten sie schließlich das Sportbad Bremen-Nord und gehen geradewegs auf das Schwimmbecken zu. Jetzt noch schnell die warme Kleidung ausziehen und jeweils auf eine der fünf Bahnen verteilen. Dann ohne Dusche ins Wasser – das Training beginnt.

Vor einem Jahr noch hätten sie diese seltsame Situation kaum für möglich gehalten. Duschen geschlossen, Umziehen in der Halle, keinen Handschlag, keine Umarmung. Und vor allem: Für lange Zeit keine Jagd nach Medaillen und Pokalen. Von den Einschränkungen der Corona-Pandemie sind auch die Schwimmerinnen und Schwimmer des Bremer Nordens stark betroffen. Ein Trio der SG Aumund-Vegesack berichtet über den Umgang mit dem Virus und Trainingsmöglichkeiten in Zeiten von Corona.

An die Mund-Nasen-Maske habe er sich schon lange gewöhnt, sagt Leon Nobel, Jahrgang 2005. „Die ist echt kein Problem und stört mich auch in der Schule nicht einmal mehr.“ Der SAV-Schwimmer besucht die Oberschule Lesum und möchte nach der Schule Fluglotse werden. Er ist heute mit seinem Kumpel Deniz Buga (2005) zum gemeinsamen Training erschienen. Die beiden wissen um ihr Privileg. Als Teil des Bremer Landeskaders darf Leon Nobel gesonderte Trainingseinheiten trotz der pandemiebedingten Einschränkungen absolvieren.

Deniz Buga, innerhalb der SAV einer der Athleten mit der stärksten Leistungsverbesserung des Jahres, wurde aufgrund seiner erheblichen Steigerung vom Landesverband ebenfalls die Genehmigung für das Sondertraining erteilt. Während er noch im Januar 2020 über 100 Meter Freistil im Bereich von 1:05 Minuten lag, schwimmt der auch ordentlich an Körpergröße gewonnene Vegesacker diese Strecke mittlerweile in 58,5 Sekunden. Über die 50-Meter-Distanz kraulte Buga vor Corona rund 29 Sekunden und benötigt nun nur noch 26,5 Sekunden.

Mit ähnlicher Begeisterung spielte Deniz Buga, der die Haupt- und Realschule Moormannskamp in Ritterhude besucht und später beim Zoll arbeiten möchte, bis zuletzt Fußball, hängte seine Schuhe jetzt aber an den Nagel, um sich vollständig der Schwimmkarriere zu widmen. „Ich habe beim Schwimmen mehr Freunde und mehr Spaß, außerdem ist es nicht so verletzungsanfällig“, begründet er seine Entscheidung. Seit dieser intensiven Fokussierung setzt er zum Höhenflug an.

„Die Wettkämpfe fehlen mir aber schon. Es wäre schön, da bald mal wieder Leistungen aus dem Training zeigen zu können“, sagt Deniz Buga. Leon Nobel nickt zustimmend. „Ich hoffe, dass es im Frühjahr wieder losgehen kann, wenn vielleicht auch die ersten Impfungen schon durch sind und sich die Lage entspannt“, ergänzt er. Ähnlich gut in Form wie Deniz Buga ist auch Leon Nobel derzeit ebenfalls über die 50- und 100-Meter-Strecken. „Darüber hinaus ist es aber noch schwierig“, analysiert Trainer Harald Schützek den gegenwärtigen Leistungsstand.

„Wir wünschen uns eben Wettkämpfe“, richten beide Sportler einen Wunsch an das neue Jahr 2021. Ihr Mannschaftskamerad Luca Voß schließt sich diesem Wunsch an – doch erst einmal will der 2004 geborene Schwimmer, der das Gymnasium Vegesack besucht, überhaupt wieder ins Wasser. Obwohl er aus dem ersten Lockdown stark herausgekommen war und bis zur erneuten Schließung der Bäder nach den Herbstferien regelmäßig trainieren konnte, hat es bei Voß am Ende nicht für eine Kadermitgliedschaft gereicht. „Dabei hat er sogar bei unserer vereinsinternen Challenge, einem kleinen Trainingswettkampf Ende Oktober, richtig gut abgeliefert und hätte es verdient gehabt“, berichtet SAV-Trainer Harald Schützek.

Derzeit wendet Luca Voß aber ohnehin mehr Zeit für die Schule auf, denn er geht an der Kerschensteinerstraße ins Englisch-Profil der Oberstufe und wird dort 2022 sein Abitur absolvieren. Für die Zeit danach steht bei ihm noch ein Fragezeichen. Derzeit macht sich Voß aber zumindest keine Sorgen, dass Corona sein Abitur gefährden könnte, und vertraut hierbei auch auf die Kompetenzen seiner Vegesacker Lehrkräfte. Fit hält sich der 16-Jährige wie seine Mannschaftskollegen mit Trainingsplänen seines Coaches, die jeweils an Land Schwerpunkte auf Arm-, Bein- und Gymnastiktraining sowie allgemeine Fitness legen. Regelmäßige Laufeinheiten gehören ebenfalls zum Programm. „Wenn wieder Meisterschaften stattfinden können, will ich da wieder hin“, sagt der mehrfache Teilnehmer an norddeutschen Meisterschaften, für den der Schwimmsport „einfach etwas anderes als Ballsportarten“ ist.

Das SAV-Trio Nobel/Buga/Voß hat im Grundschulalter mit dem Schwimmen begonnen und geht seither einen gemeinsamen Weg – der wie bei vielen anderen Sportlern auch von der Pandemie beeinträchtigt wird. An den norddeutschen Titelkämpfen haben alle drei bereits teilgenommen und wollen dieses Ziel in naher Zukunft auch wieder erreichen. Darüber hinaus möchte das Trio auch einmal an den deutschen Meisterschaften teilnehmen. Wann diese Titelkämpfe überhaupt wieder stattfinden können, ist wegen Corona noch völlig offen.

Und noch einem Ereignis fiebert das SAV-Schwimm-Trio entgegen. Längst haben sie vom Vorhaben ihres Abteilungsleiters Christian Gerken gehört, auf dem alten Wollkämmerei-Gelände in Blumenthal ein Schwimmbad zu bauen. Wie berichtet, soll hierfür die alte Fliegerhalle genutzt werden. Nach der Unterstützung der FDP-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft sowie des Nordbeauftragten und des Sportamts fehlt noch die endgültige Bestätigung des Landes Bremen für die Nutzung der Fläche.

Die drei Vegesacker finden dieses Millionenprojekt klasse. „Ich halte das wirklich für eine gute Sache. Vor allem haben wir in Bremen-Nord dann endlich eine 50-Meter-Bahn für Training und Wettkämpfe. Dann müssen wir nicht mehr ins Unibad fahren, sondern haben ein tolles Schwimmbad direkt in der Nähe“, sagt Luca Voß.

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