Reizvoller Blick ins Auetal

Wanderung auf einem der schönsten Wege der Bremer Schweiz

Bei einem Spaziergang lässt sich die Naturidylle der Bremer Schweiz entdecken. Als einer der schönsten Wege gilt der Thüringer Weg in Leuchtenburg.
19.04.2020, 22:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ulrike Schumacher
Wanderung auf einem der schönsten Wege der Bremer Schweiz

Bei einer Wanderung entlang der Schönebecker Aue lässt sich die Naturidylle in der Bremer Schweiz genießen.

Christian Kosak

Das mit dem Wetter und der falschen Kleidung ist eine schöne Binsenweisheit, die einem weiterhilft, wenn man sich vorgenommen hat, am freien Tag eine Wandertour zu unternehmen – und der Himmel keine Sonne schickt. Stattdessen aber kühles Nass. Also: Regenjacke an, den Schirm aufgespannt und trotzdem loslaufen.

Wir entscheiden uns für eine relativ kurze Tour. Am Ende liegen sechseinhalb Kilometer hinter uns. Und das zufriedene Gefühl, dass Bewegung einem guttut. Auch wenn es regnet. Und erst recht, wenn einem drinnen – nach Wochen des Zuhausebleibens – die Decke auf den Kopf fällt. Dann freut man sich darauf, dass einem der Wind um die Nase weht und dass die Beine auf Trab kommen.

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Los geht’s beim Schönebecker Schloss. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen möchte, kann mit der Regio-S-Bahn oder mit den Buslinien 90 und 91 bis Bahnhof Schönebeck fahren. Von dort geht man eine knappe Viertelstunde zu Fuß bis zum Schloss, das ein Heimatmuseum ist. Wer jetzt schon eine kleine Rast einlegen möchte, kann sich auf den Bänken niederlassen, die am Ufer des Schlossteiches stehen.

Wir aber laufen weiter auf dem Sandweg entlang der Schönebecker Aue in Richtung Leuchtenburger Straße, auf die wir nach 850 Metern stoßen. Vorher gibt es noch etwas zu entdecken. An der anderen Uferseite des Flusses steht – versteckt hinter Bäumen – ein Reh. Als es uns wittert, läuft es davon. Vielleicht wurde es auch von dem Paar aufgeschreckt, das uns in dem Moment in Wanderschuhen entgegenkommt. Wir sind nicht die einzigen, die dem Wetter trotzen. Immer mal wieder sehen wir andere Wandersleute, die gut gelaunt unterwegs sind.

Geführte Wanderungen

Bevor die Leuchtenburger Straße unseren Weg quert, kommen wir durch ein kleines Waldstück, an dessen Rand Bäume mit bizarr-knorrigen Stämmen die Blicke auf sich ziehen. „Es sind verwachsene Buchen“, weiß Susanne Wagner, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz. Der Verein setzt sich seit über 40 Jahren für den Erhalt von Natur und Landschaft in der Bremer Schweiz ein. Gegründet hatte sich die Aktionsgemeinschaft 1975, als durch das Auetal eine Autobahn geplant war. Der Verein konnte es verhindern.

Die Aktionsgemeinschaft bietet auch geführte Wanderungen an – die nächste ist für Sonntag, 21. Juni, angekündigt und führt durch das Schönebecker Auetal. Start ist um 11 Uhr am Haupteingang des Haven Höövt am Bahnhofsplatz in Vegesack. Susanne Wagner nimmt unter der Telefonnummer 04 21 / 62 16 38 oder per E-Mail an susanne-agbs@freenet.de Anmeldungen entgegen. Sie empfiehlt allerdings wegen der aktuellen Lage einen Blick auf die Internetseite (www.bremer-schweiz.de), um sich zu vergewissern, dass die Führung nicht ausfällt. Begleitet wird die Tour von Ulli Vey vom Biolandhof in Blumenthal.

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Auf dem Weg liegt das einstige Wohnhaus und die Wirkungsstätte des Malerpaares Fritz und Hermine Overbeck. Dieser geführte Bachspaziergang sei schon Tradition, erzählt die Vorsitzende. In früheren Jahren habe man dabei oft auch Gertrud Overbeck getroffen, die Enkelin des Malerpaares, die dort lebte und von früheren Zeiten erzählte. Im vergangenen Dezember ist Gertrud Overbeck, Gründerin und langjährige Leiterin des Overbeck-Museums in Vegesack, gestorben.

Sie war Mitglied in der Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz, berichtet Susanne Wagner. Ende 2018 hatte Gertrud Overbeck dem Verein ein rund 8000 Quadratmeter großes Grundstück an der Schönebecker Aue übertragen, „um es dauerhaft für den Naturschutz zu erhalten und zu pflegen“, sagt die Vorsitzende. „Früher wurde das Grundstück von der Familie des Künstlerpaares als Gartenland genutzt.“

Holzbohlenweg gesperrt

Susanne Wagner bedauert, dass die Tour durch das „sehr reizvolle Auetal auf Bremer Seite“ seit einem guten Jahr an Grenzen stößt, weil der Holzbohlenweg zwischen den Straßen Auf dem Krümpel und An der Aue gesperrt und somit nicht nutzbar sei.

Wir haben die knorrigen Buchen hinter uns gelassen und biegen rechts ab auf den Fußweg entlang der Leuchtenburger Straße, um sie nach 200 Metern zu überqueren und links in den Holthorster Weg einzubiegen, wo es wieder ruhiger wird. Schon auf dem kurzen Stück Straße störte uns der Krach der vorbeifahrenden Autos. Nach 700 Metern auf dem Holthorster Weg erstreckt sich links eine Streuobstwiese in schönster Blüte. Dort biegen wir nach links in den Thüringer Weg ein und haben bald einen wunderbaren Ausblick ins Auetal. „Der Thüringer Weg zählt zu den schönsten Wanderwegen der Bremer Schweiz“, weiß Susanne Wagner. Löhnhorster und Leuchtenburger gingen den Thüringer Weg einst als Kirchweg nach Lesum.

Unsere Tour führt uns am Waldrand entlang über eine kleine Holzbrücke und unterm Blätterdach hindurch auf schmalem Pfad wieder in einen Wald. Wer verweilen und die Aussicht genießen möchte, lässt sich auf den Bänken nieder, die am Wegesrand zur Pause einladen. Wir folgen dem Waldweg und stoßen nach 3,45 Kilometern auf den Mühlenweg, in den wir nach links einbiegen. Wir folgen dem Mühlenweg, stoßen wieder auf die Leuchtenburger Straße, die wir überqueren, um schräg-rechts gegenüber in den Schulweg einzubiegen. Vorbei an den herrschaftlichen Häusern früherer Walfangkapitäne geht es in Richtung Ökologiestation.

Von der Ökologiestation ist es nicht weit bis zur nächsten Kreuzung, an der auch die Grundschule Schönebeck liegt. Hier geht es nach links in die Straße Braut Eichen, die wieder zum Ausgangspunkt Schönebecker Schloss führt. Zu Hause wartet nach Bewegung und frischer Luft nun die Stärkung. Während in der Kanne der Tee dampft, blühen die Ideen für weitere Touren. Inspiration liefert die Aktionsgemeinschaft Bremer Schweiz: Sie zeigt auf ihrer Internetseite unter dem Stichwort „Bremer Schweiz“ einen Wanderführer unter dem Titel „Wandern mit offenen Augen“. Er weist auf all die beachtenswerten Dinge hin, die einem entlang des Weges nicht entgehen sollten.

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