Interview mit Nordbremer Autor

Wie Thriller von Alex Thomas entstehen

Gemeinsam mit seiner Frau schreibt der Nordbremer Thomas Roth-Berghofer Thriller. Im Interview spricht er über die Arbeitsteilung im Autorenduo und Ambitionen für einen Bremen-Nord-Thriller.
15.01.2020, 16:00
Lesedauer: 5 Min
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Wie Thriller von Alex Thomas entstehen
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Wie Thriller von Alex Thomas entstehen

Thomas Roth-Berghofer schreibt gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Alex Thomas Thriller. Am Sonnabend, 25. Januar, liest er um 11 Uhr in der Stadtbibliothek, im neuen Quartier an der Kirchheide 42, aus "Umbra Sumus – Schatten sind wir".

Christian Kosak
Herr Roth-Berghofer, Sie schreiben gemeinsam mit Ihrer Frau unter dem Pseudonym Alex Thomas. Wie kam es dazu?

Thomas Roth-Berghofer: Wir haben beide in den Neunzigern im Star Trek Fandom geschrieben. Fanfiction war damals ein Riesen-Phänomen. Dabei schreiben Fans einer TV- oder Kinoserie neue Geschichten mit den bekannten Figuren und erfinden neue Charaktere hinzu. Wir haben Fanzines redigiert und lektoriert. Meine Frau hat viele Geschichten, die handschriftlich eingereicht wurden, mit der Schreibmaschine abgetippt und dabei nicht nur Rechtschreibfehler korrigiert. Irgendwann haben wir uns dann gesagt, solche Geschichten können wir auch selbst schreiben. Wir haben uns übrigens über dieses Hobby kennengelernt.

Und wie sind Sie zu dem Pseudonym gekommen?

Wir haben bei der Literaturagentin gesessen und hatten damals ein ganz anderes Pseudonym. Die ersten Sätze der Literaturagentin dazu waren, das geht nicht, wir brauchen etwas anderes. Wir haben dann gebrainstormt. Es hat keine drei Minuten gedauert. Meine Frau bestand darauf, dass Thomas ein Teil des Namens ist. Dann brauchten wir noch etwas, was nach Thriller klingt und was ein bisschen Kante hat. Alex ist ein Name, der geschlechtsneutral und international ist. Das passte dann.

Wie funktioniert es, gemeinsam ein Buch zu schreiben?

Wir haben nie Kapitel aufgeteilt, wie viele andere Autorenpaare das tun. Bei uns übernimmt einer den Lead und entwickelt die Story. Selbst das Exposé wird zunächst nur von einem von uns geschrieben. Erst wenn es niedergeschrieben ist, kann man sich wirklich darüber unterhalten. Erst dann lässt sich der Text zu Ende gliedern, sodass die Teile aufeinander aufbauen und jene tiefere inhaltliche Struktur erhalten, die einem Thriller innewohnt. Für uns hat sich als Bildbeschreibung, was das Schreiben von Romanen angeht, herausgestellt, dass meine Frau lieber mehr der Architekt einer Story ist.

Was ist Ihre Aufgabe?

Ich bin der erzählerische Innenarchitekt, der ausbaut und Fehler ausmerzt, wenn etwa eine Waffe irgendwo herumliegt. Ich bin aber auch mehr für die Gefühlslage zuständig. Meine Frau strukturiert das Große sehr gut und sehr gern, aber manchmal fehlt so das kleine Zwischenmenschliche. Das sind dann meine Elemente. Ich liebe es da auf diese tieferen Details zu achten.

Haben Sie feste Zeiten, zu denen Sie vor dem Computer sitzen und schreiben?

Das ist eigentlich wie mit jedem anderen Beruf auch. Man muss regelmäßig arbeiten und Routinen haben. Wer auf die Inspiration wartet, der wartet irgendwann vergebens. Ich schreibe gerne morgens, wenn wir das Frühstück hinter uns haben. Meine Frau macht dann Hausarbeiten oder kümmert sich um unsere Social-Media-Kanäle. Gegen Mittag ist es umgekehrt. Dann ist sie bereit zum Schreiben, und ich kümmere mich ums Kochen und andere anfallende Arbeiten, beantworte Fragen von Lesern oder organisiere Lesungen. Meine Frau erklärte mir, sie muss zunächst die anderen Sachen aus dem Kopf haben, bevor sie schreiben kann. Wenn ich mit etwas anderem anfange, habe ich allerdings Schwierigkeiten, mit dem Schreiben zu beginnen.

Warum haben Sie sich gerade dazu entschlossen, Thriller zu schreiben?

Letztendlich geht es in unseren Geschichten darum, was das Menschsein ausmacht. Das lässt sich sehr gut beschreiben, wenn man den Menschen in extreme Situationen bringt. Und Thriller erlauben gerade das.

Könnten Sie sich auch vorstellen, zum Beispiel Kinderbücher oder Liebesromane zu schreiben?

Das haben wir uns zwar immer wieder überlegt, aber man muss sein Genre kennen. Wir kennen viele andere Autoren, und wir haben bei fast keinem gesehen, dass das Hopping durch die Genres wirklich funktioniert. Die Stile der Genres sind unterschiedlich, und auch die Leserinnen und Leser ticken jeweils anders. Liebesromanleser sind oftmals keine Thrillerleser. Außerdem würden wir unsere jetzige Fanbase verlieren, und dabei gibt es noch so viel im Thrillerbereich zu erzählen. Es macht einfach Spaß.

Was lesen Sie in Ihrer Freizeit?

Wir suchen uns nicht nur Bücher aus dem Thriller-Bereich aus. Science-Fiction-Romane gefallen uns ebenfalls. Dann Historisches und eben Sachliteratur zu allen möglichen Themen. Ich lese auch immer noch gerne Fantasy und große Epen. Dann kommt an der einen oder anderen Stelle noch ein Beziehungs- oder Liebesroman dazu. Aber das muss dann schon irgendwie einen Bezug zu unserem Werk haben. Auch Biografien sind etwas Spannendes, bieten sie doch die Möglichkeit, sich mehr mit einer einzelnen Person zu beschäftigen.

Woran arbeiten Sie gerade?

Im Moment arbeiten wir an zwei Exposés, die wir hoffentlich noch diesen Monat an unsere Literaturagentur schicken können. Das sind auch beides wieder Thriller. Einer wird in Deutschland spielen, und der andere, an dem ich jetzt gerade arbeite, der wird wieder in London spielen.

Könnten Sie sich vorstellen, einen Roman im Bremer Norden spielen zu lassen?

Auf jeden Fall. Es gibt viele Biotope, die sehr interessant sind. Hier sind große Macher am Werk. Und wo viel Geld bewegt wird, gibt es auch viele Schattenseiten. Es gibt aber auch soziale Brennpunkte, die Stoff liefern. Da gäbe es schon einiges zu erzählen.

Haben Sie schon Planungen für eine Geschichte, die hier spielt?

Nicht konkret, aber ein paar Ideen schon.

Sie haben einige Jahre in London gelebt. Was hat Sie in den Bremer Norden verschlagen?

Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, nach fünf Jahren in England zu schauen, wie es mit dem Bleiben aussieht. Dann kam das unsägliche Brexit-Referendum. Die Stimmung in England ist so schnell gekippt, dass es für uns gleichsam ein Zeichen war. Also haben wir das Experiment in Großbritannien beendet und sind nach Deutschland zurückgezogen. Wir wollten schon immer im Norden Deutschlands leben. Wir wollten in die Nähe des Meeres und an einem Fluss leben. Bremen erschien uns da die ideale Wahl.

Am 25. Januar lesen Sie um 11 Uhr in der Stadtbibliothek Vegesack aus „Umbra Sumus – Schatten sind wir“. Worum geht esin der Geschichte?

Catherine Bell, unsere streitbare Nonne, hat im ersten Roman „Lux Domini“ eine Mordserie aufgeklärt und musste sich vor der modernen Inquisition verantworten. Dabei hat sie im Papst und einem Kardinal, der eigentlich ihr Erzfeind ist, Verbündete gefunden. In „Umbra Sumus“ bricht besagter Kardinal schwer verletzt mit einer Schusswunde auf ihrer Türschwelle zusammen und gerät unter Mordverdacht. So wird Catherine in ein neues Abenteuer hineingezogen, in dem es natürlich auch wieder um christliche Mythologie geht, in diesem Fall die Angelologie, und das Körnchen Wahrheit, das dahinter stecken könnte.

Werden Sie gemeinsam mit Ihrer Frau lesen?

Das mache ich alleine. Meine Frau arbeitet lieber im Hintergrund. Ich bin sozusagen das Gesicht des Duos. Ich freue mich auf die Lesung.

Das Interview führte Aljoscha-Marcello Dohme

Info

Zur Person

Thomas Roth-Berghofer

stammt aus Neustadt an der Weinstraße und lebt seit drei Jahren in Bremen-Nord. Zuvor wohnte er mehrere Jahre in London, wo er als Professor tätig war. Gemeinsam mit seiner Frau schreibt er Thriller unter dem Pseudonym Alex Thomas.

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