Wohltätigkeitsaktion Youtuber spielen für guten Zweck

Der Nordbremer Youtuber Mr. Moregame hat den bundesweiten Spendenmarathon „Friendly Fire“ mitorganisiert. Binnen zwölf Stunden haben die Akteure 1,6 Millionen Euro für gemeinnützige Organisationen gesammelt.
09.02.2021, 17:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Imke Molkewehrum

Vegesack. Mr. Moregame alias Pascal Rothkegel stammt aus Vegesack. Er ist Vollzeit-Youtuber und Streamer. Sein Hobby hat er 2015 zum Beruf gemacht. Seither sitzt der 27-Jährige an sieben Tagen die Woche mindestens acht Stunden in seinem abgedunkelten Studio vor Monitoren, Mikrofonen und Kameras. Seit knapp drei Jahren lebt er fern der Heimat im Schwarzwald. Der Liebe wegen. Seinen Beruf kann er schließlich überall ausüben. Hauptsache das Internet ist verlässlich.

Aktuell hat Mr. Moregame 411.000 Follower, die ihm regelmäßig an den heimischen Bildschirmen beim Spielen zusehen. Die Community der deutschen Youtuber und Streamer ist dagegen auch analog vernetzt. Im Dezember hat sich Rothkegel bereits zum sechsten Mal mit zehn Kolleginnen und Kollegen für den Spendenmarathon „Friendly Fire“ in Osnabrück getroffen und binnen zwölf Stunden 1,6 Millionen Euro für soziale Einrichtungen gesammelt.

Entwickelt haben den Charity-Livestream im Jahr 2015 zwei der bekanntesten deutschen Youtuber namens Pietsmiet und Gronkh. „Sie wollten ihre Reichweite nutzen, um was Positives zu machen und Leute aus verschiedenen Communitys zu versammeln, sagt Pascal Rothkegel und ergänzt: „Beim ersten ‚Friendly Fire‘ im Dezember 2015 kamen 170.000 Euro zusammen.“ Seither verdoppele sich die erlöste Summe quasi jährlich.

„Die Vorbereitungen des Organisationsteams fanden dieses Mal in Online-Meetings statt“, sagt Rothkegel. Für das eigentliche Event haben sich die Streamer aber leibhaftig in der Osnabrücker „Esport-Factory“ getroffen. „Wir wurden vorab von den Johannitern auf Corona getestet.“ Nötig war dies, weil die Protagonisten beim „Friendly Fire“ nicht nur vor Bildschirmen sitzen, sondern zwischen 15 und 3 Uhr nachts vor laufenden Kameras miteinander agieren. „Wir Sesselhocker müssen uns dort vor Kameraleuten live präsentieren“, erklärt Pascal Rothkegel.

„Wir haben Scharade gespielt und Pantomime. Außerdem mussten wir vor aller Augen möglichst schnell den PC eines Sponsors zusammenbauen“, erzählt der 27-Jährige. Unter dem Spielnamen „Jenga“ firmierte die Herausforderung, gemeinsam möglichst schnell aus schwarzen Blöcken einen hohen Turm in Form einer X-Box zusammenzusetzen.

Insgesamt 126.000 Zuschauer haben den elf Akteuren während der langen Spendennacht zugesehen und konnten parallel im Chat ihre Kommentare und Spenden abgeben. „Wir haben das dann regelmäßig vorgelesen“, so Rothkegel und ergänzt: „Während der Nacht realisiert man gar nicht, was alles passiert, aber danach ist man richtig fertig. Die Dauerbeschallung ohne Pausen ist extrem anstrengend, aber wir haben 1,6 Millionen eingenommen.“

Um ein Uhr morgens habe jeder Akteur und jeder Zuschauer einen Euro gespendet. „Manche legen sogar Geld für den Spendenmarathon zurück“, weiß Pascal Rothkegel. „Über Deutschlands größte Spendenorganisation ‚Better Place‘ kommt das Geld dann direkt ans Ziel und die Leute kriegen einen vernünftige Spendenbescheid.“ Die Zuschauer seien sehr unterschiedlich. „Sogar Familien sind dabei. Und wir haben auch die sogenannte Marmeladen-Oma. Die ist über 80 und postet selbst was.“

Seitdem er im Schwarzwald lebt, bevorzugt der gebürtige Nordbremer für das Streaming im Hinblick auf die bessere Interaktion mit den Zuschauern die Plattform Twitch. Apropos Platt: An den Anblick von bewaldeten Bergen kann sich der Norddeutsche nicht so recht gewöhnen. „Die Berge hoch und runter mit Druckausgleich ist nicht so meins“, verrät er. „Ich will gern wieder in den Norden. Am liebsten natürlich nach Vegesack.“

Info

Zur Sache

Neuauflage am 4. Dezember

Der Erlös des sechsten Charity-Livestreams „Friendly Fire“ geht zu gleichen Teilen an die Organisationen „Deutsche Tafel“, „Animal Welfare Foundation“, „Bündnis Seebrücke“, „Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt“, „Aktion Deutschland hilft“, „Frauen gegen Gewalt“, „Allgemeiner Tierhilfsdienst“ und „Deutsche Diabetes-Stiftung“. Die Organisatoren wählen die Begünstigten jedes Jahr gemeinsam aus. In diesem Jahr wird das „Friendly Fire“ am 4. Dezember ausgetragen, vermutlich wieder in Osnabrück. Zu sehen ist es dann live www.twitch.tv/gronkh. Wer das zurückliegende Event ansehen möchte, findet es bei Youtube unter dem Begriff Friendly Fire - eingeteilt in einzelne Folgen.

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