Westend-Kabarett präsentiert "Zuurrrückbleiben bitte" / Akteure dichten Texte selbst Aktuell und spitzzüngig

Walle. Hoch politisch und mit tiefschwarzem Humor versehen - so trifft Kabarett den Nerv des Publikums. Vom gut gegeelten Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über Thilo Sarrazin, dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan und den Staatsschulden bis hin zu den Skandalen in der katholischen Kirche bekommt in "Zuurrrückbleiben bitte!" so ziemlich jeder sein Fett weg, der in der jüngsten Vergangenheit die Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Das Stück ist eine Eigenproduktion des Westend-Kabaretts.
06.01.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von LIANE JANZ

Walle. Hoch politisch und mit tiefschwarzem Humor versehen - so trifft Kabarett den Nerv des Publikums. Vom gut gegeelten Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über Thilo Sarrazin, dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan und den Staatsschulden bis hin zu den Skandalen in der katholischen Kirche bekommt in "Zuurrrückbleiben bitte!" so ziemlich jeder sein Fett weg, der in der jüngsten Vergangenheit die Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Das Stück ist eine Eigenproduktion des Westend-Kabaretts.

Selig, der Besitzer einer Spezial- und Eventagentur ist angeklagt, seine beiden Mitarbeiter vergiftet zu haben. Während des Verhörs mit dem Oberstaatsanwalt kommen die unterschiedlichsten Themen auf den Tisch. Zum Beispiel die überalternde Gesellschaft: Abhilfe schaffen da die von der Agentur angebotenen Rentnerreisen in den Hindukusch.

Und auch das Publikum wird mit einbezogen. In einem Quiz zur Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke gewann eine Zuschauerin den Hauptpreis: Die Teilnahme am Testabsturz eines Airbus A380 auf das Atomkraftwerk Unterweser. "Mit der Eventagentur Selig der Seligkeit ein gutes Stück näher" lautet deren Slogan. Diese Bissigkeit und der schwarze Humor sind durchaus gewollt. "Dabei wollen wir nicht pessimistisch sein", betont Stylianos Eleftheraiks, der die Hauptfigur Selig darstellt und zugleich auch Geschäftsführer der Kulturwerkstatt Westend ist, "aber im politischen Kabarett werden eben gerade die aktuellen Themen immer sehr kritisch behandelt."

Das Stück wurde von den Darstellern Angela Müller-Lenz, Rainer Pitz, Achim Kranefeld, Uwe Pekau, Martin Gresselmeyer, Eva Reischuck und Eleftherakis selbst entwickelt und geschrieben. Die Dialoge werden von selbst gedichteten ebenso bissigen Liedern zu zum Teil bekannten Melodien ergänzt. "Wir wollen die Leute unterhalten, aber ohne brüllende Lacher", erklärt Rainer Pitz. "Sie sollen darüber nachdenken, was sie hören."

Politisch interessierte Darsteller

Der Deutsch- und Politiklehrer spielt bereits von Beginn an im Westend mit, hat seit 2003 schon an vielen Produktionen im Westend mitgewirkt. Ebenso wie Angela Müller-Lenz. Die Hausfrau und Mutter wünscht sich, dass die Leute vom Stück dazu angeregt werden, weniger "ja" zu sagen und nicht alles abzunicken, womit sie durch die Politik konfrontiert werden. Die Darsteller sind allesamt politisch interessiert. Sie verfolgen täglich die Nachrichten und bringen ihre Kenntnisse in die Arbeit am Kabarett mit ein. Selbst Nachrichten vom selben Tag werden verarbeitet. So wies ein Feuerwehrmann die Zuschauer zu Beginn des Stückes ein. Er fragte gezielt nach Attentatsplänen einzelner Zuschauer und machte auf das erhöhte Terrorrisiko aufmerksam. Als Requisit diente die Tagesausgabe des Weser-Kuriers.

Auf Beiwerk wie Requisiten verzichtet das Westend-Kabarett möglichst. Das Bühnenbild besteht aus einem Regal mit Reisekatalogen und einem Schreibtisch, der zur Beratung der Kunden dient. Allein die Dialoge und Lieder tragen das Stück - und das gelang dem Ensemble während der Premiere außerordentlich gut. Die Pointen saßen - und das Publikum amüsierte sich hörbar. Denn das Stück war witzig, politisch, aktuell und frech.

"Zuurrrückbleiben bitte" wird am 21. und 23. Januar um 20 Uhr erneut im Westend, Waller Heerstraße 294, aufgeführt. Der Eintritt kostet zehn, ermäßigt acht Euro. Nähere Informationen unter Telefon 6160455 oder im Internet auf www.westend-bremen.de.

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