Sanierungsarbeiten laufen Neue Pläne für das Hag-Quartier in der Überseestadt

Auf dem Areal der Kaffee-Hag-Fabrik tut sich nach Jahren des Stillstands nun vieles: Die Gebäude werden hergerichtet und neue Mieter ziehen ein. Und für Marmorsaal und Parkhaus gibt es schon interessante Ideen.
12.12.2020, 16:56
Lesedauer: 3 Min
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Neue Pläne für das Hag-Quartier in der Überseestadt
Von Anne Gerling

Das 1906 von Architekt Hugo Wagner entworfene Kaffee-Hag-Werk am Holz- und Fabrikenhafen galt schon zur Zeit seiner Entstehung als vorbildliches Beispiel moderner Industriearchitektur; die Silhouette der Fabrikanlage soll damals sogar Bauhaus-Begründer Walter Gropius lobende Worte entlockt haben. Über Jahre dümpelte die Anlage, die unter Denkmalschutz steht, zuletzt vor sich hin. Doch jetzt tut sich sichtlich etwas.

Was dort konkret geplant ist, darüber hat sich nun Peter Menning, Geschäftsführer der Hag-Gewerbepark GmbH, auch mit den Mitgliedern des Fachausschusses Überseestadt, Wirtschaft und Arbeit des Waller Beirats ausgetauscht. „Wir sind seit einem halben Jahr dabei, dieses schöne Quartier wieder unterschiedlichen Bestimmungen zuzuordnen“, sagt er. Und: „Wir sind am Restaurieren, Sanieren und Revitalisieren.“ Unter anderem sind 6000 Quadratmeter Kopfsteinpflaster wieder ordentlich verlegt worden, ab dem 14. Dezember kommen die neuen Fenster, und auch die Dächer werden repariert.

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Aktuell wird an der Seite zur Hag-Straße hin die Galerie wieder hübsch gemacht, in den Turm soll ein weiterer Kaffeeröster für die auf dem Areal ansässige Kaffeerösterei Lloyd Caffee eingesetzt werden. Wie berichtet, ist auf dem Gelände außerdem ein Zentrum für Kreativkultur angedacht; der Verein Kollektivkultur könnte dort demnach gelegentlich auch Veranstaltungen ausrichten.

Im Kaba-Gebäude plane die Hag-Gewerbepark GmbH gemeinsam mit der Hochschule für Künste (HfK) Atelierräume, und auch das an der HfK angesiedelte Klaus-
Kuhnke-Archiv für Populäre Musik, Bremens Musikbibliothek für Populäre Musik, ziehe dort ein. Mit der Vermietung an Bremedia, die Fernsehabteilung von Radio Bremen, habe man dort mittlerweile außerdem sogar ein komplettes Polizeirevier: „Die nächsten Tatorte spielen da.“ Auch die Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Wabeq) zählt zu den Mietern.

Nicht zu stark verwässern

Im historischen Marmorsaal, dem repräsentativen Direktoren-Speiseraum und Empfangssaal, könnte sich Menning standesamtliche Hochzeiten vorstellen – klar sei aber: „Es wird dort keine Party- und Event-Location geben.“ Ein ungewöhnliches gastronomisches Angebot wiederum würde zwar in das neue Quartier passen; etwa eine Versuchsküche, in der sich junge Köche zeitlich befristet ausprobieren könnten. Gastronomie solle es im alten Hag-Komplex aber nicht geben. Denn die Initiative Stadtbremische Häfen (ISH), mit der Menning in stetem Austausch sei, wolle das Gebiet – eines der wenigen städtischen Industriegebiete mit Hafenumschlag – nicht zu stark verwässern. Zu groß seien die Bedenken, dass zu viele Menschen dorthin kommen könnten.

Karsten Seidel (Grüne) ist da anderer Meinung. „Ich möchte Sie ermutigen, da am Ball zu bleiben“, sagte er. Zum Waller Sand sei seinerzeit die gleiche Diskussion geführt worden, und dort fehle nun definitiv ein gastronomisches Angebot.

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Eine weitere Bedingung, die es zu erfüllen gilt: Das Areal muss von der Hafenrandstraßen-Seite aus erschlossen werden. Fußgänger sind in der Revaler Straße, der Hagstraße und auf der Seite zum Wasser hin nicht erwünscht. Das Fabrikenufer ist in diesem Abschnitt entwidmet worden und keine öffentliche Straße mehr.

Noch nicht ganz schlüssig

Per Bus und Straßenbahn sei das Hag-Quartier in Richtung Nordstraße aber ohnehin sehr gut angebunden, findet Menning. Einziger Wermutstropfen: Von dieser Seite aus sticht zunächst einmal das Parkhaus ins Auge, das mit seinen zum Teil eingeworfenen Scheiben momentan keinen sehr ansprechenden Eindruck macht. „Haben Sie dafür Pläne?“ möchte denn auch Kerstin Eckardt (CDU) wissen. „Wir sind zum Parkhaus mit vielen Interessenten im Gespräch“, so Menning, „ich bin mir aber über die Richtung, in die es gehen soll, noch nicht ganz schlüssig.“ Die Kartbahn im oberen Bereich bleibe dort langfristig. Für die restlichen Etagen gebe es Anfragen nach Stellplätzen von Oldtimer-Besitzern, und außerdem sei ein Taxi-Unternehmen interessiert. Denkbar wäre auch ein Park-and-ride-Standort mit Elektroladesäulen. Eine andere Variante: Das Parkhaus ganz wegnehmen und neu bauen – in die untere Etage könnte dann zum Beispiel ein Supermarkt einziehen.

Diese Idee kommt bei Ausschusssprecherin Brunhilde Wilhelm (Grüne) ebenso gut an wie ein Park-and-ride-Ausbau. Vor allem aber habe sie sich Kultur auf dem Areal erträumt: „Deshalb finde ich das super!“

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