Autoverkehr auf der Überseepromenade An den Klötzen in der Überseestadt scheiden sich die Geister

Wie viele Autos sind tagtäglich auf der Überseepromenade unterwegs? Dazu gibt es im Quartier unterschiedliche Ansichten. Ein Ehepaar hält die vom Beirat angestrebte Sperrung mit Fahrverbot für überzogen.
28.07.2019, 23:06
Lesedauer: 4 Min
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An den Klötzen in der Überseestadt scheiden sich die Geister
Von Anne Gerling

Dass sie sich eines Tages einmal aktiv in die Stadtteilpolitik einschalten würde, dieser Gedanke wäre Waltraud Krützfeldt noch vor gut einem Jahr absolut nicht in den Sinn gekommen. Doch die Dinge haben sich anders entwickelt als gedacht. Seit September 2018 gehören Gespräche mit Ortspolitikern und Mitarbeitern verschiedener Behörden für Waltraud Krützfeldt fast schon zum Alltag. Konkreter Anlass dafür ist eine Diskussion, die um die Überseepromenade entbrannt ist, an der auch Waltraud und Heinz Krützfeldt seit gut einem Jahr wohnen.

Und dies ausgesprochen gerne, wie sie versichern. Die Atmosphäre sei herrlich – und erst der Blick hinüber zum Landmark-Tower, auf die Weser und den Rablinghauser Strand im gegenüberliegenden Weseruferpark. Tagsüber herrsche im Quartier so etwas wie Beschaulichkeit. Nachts wiederum leuchteten am und auf dem Wasser verschiedene Laternen und Signallampen, die für eine ganz spezielle Stimmung sorgten. Auch die Geräuschkulisse sei interessant – mal höre man zum Beispiel ein Boot vorbeituckern, mal wehten metallische Klänge vom Neustädter Hafen ­herüber.

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Sogar bei geöffnetem Fenster fühlt sich das Ehepaar in seiner Wohnung im Hafenkante-Areal zwischen Landmark-Tower und Wendebecken in seiner Nachtruhe nicht gestört. „Im vergangenen Dreivierteljahr war es hier vielleicht in drei oder vier Nächten laut“, sagen sie. So viel Wohnqualität überrascht angesichts der immerhin 43 Gewerbebetriebe im Umfeld der Krützfeldts, denen per Grundbucheintrag das Recht zugesichert wird, Lärm und Gerüche verursachen zu dürfen.

Verwundert über Beschwerde

Umso mehr verwundert das Ehepaar die Beschwerde, die im Mai im Fachausschuss Überseestadt, Wirtschaft und Arbeit des Waller Beirats Thema war. Es ging dabei um das Thema Autoverkehr auf der Überseepromenade, von dem sich Nachbarn der Krützfeldts offenbar massiv gestört fühlen (wir berichteten). Insbesondere beklagten diese Anwohner, dass in der als verkehrsberuhigter Bereich ausgeschilderten Straße regelmäßig zu schnell gefahren und außerdem auch unerlaubt geparkt werde.

Die Lösungsvorschläge, die ASV-Referatsleiter Thorsten Resch den Anwohnern präsentierte, quittierten diese mit pampigen Kommentaren und beleidigenden Zwischenrufen. Ortsamtsleiterin Ulrike Pala brach die aufgeheizte Diskussion schließlich ab. Der Beirat sprach sich gegen Reschs Vorschlag aus, spezielle Parkplätze zu markieren. Er lässt ein Fahrverbot prüfen und will die Überseepromenade zwischen der Sachsensteinstraße und der Ehrenfelsstraße durch Poller sperren, sodass nur Rettungsfahrzeuge noch dort hinkämen. Die Ortspolitiker befürchten insbesondere, dass ansonsten Besucher des gut 400 Meter entfernt gelegenen neuen Strandparks Waller Sand die Überseepromenade zuparken könnten.

Hier werde viel Lärm um nichts gemacht, ist Waltraud Krützfeldt überzeugt. Sie hat sich mehrfach auf ihren Balkon gesetzt und nachgezählt. Die Ergebnisse sprechen für sich, meint sie: „Am Freitag, 24. Mai, war schönes Sommerwetter. An diesem Tag sind in der Zeit von 15.15 Uhr bis etwa 18.30 Uhr insgesamt acht Autos über die Promenade gefahren. Und das war bei weitem kein Einzelfall.“ Auch am Dienstag, 23. Juli, war spätnachmittags beim Besuch der Stadtteilkurier-Redakteurin von regem – oder gar temporeichem – Autoverkehr auf der Überseepromenade nichts zu bemerken. Trotz hoher Temperaturen bei klarem blauen Himmel, also idealem Wetter für einen Strandbesuch.

Anlieger hätten ohnehin keinen Grund, die Überseepromenade besonders oft zu befahren, ist Waltraud Krützfeldt überzeugt. „Zu den 124 Wohnungen in unserem Gebäudekomplex gehören 120 Stellplätze. Die Ein- und Ausfahrt in die Tiefgarage liegen am Kommodore-Johnsen-Boulevard beziehungsweise an der Stichstraße zwischen Boulevard und Überseepromenade. Bei den anderen Gebäudekomplexen hier im Gebiet ist das genauso geregelt“, erklärt sie. Der Hauptverkehrsfluss werde somit nicht über die Überseepromenade abgewickelt, sondern über den Kommodore-Johnsen-Boulevard. Sei dieser blockiert, böte wiederum die Überseepromenade die dringend benötigte Ausweichmöglichkeit.

Besucher fragen sich, wo sie parken können

Lediglich Besucher führen tatsächlich gelegentlich mit dem Pkw vor, weiß Waltraud Krützfeldt aus Erfahrung. Für diese stelle sich dann die Frage, wo sie parken können. Seit September nämlich sollen nach ersten Anwohnerbeschwerden rechteckige Betonklötze neben der Fahrbahn verhindern, dass dort Autos abgestellt werden. Optisch sei dies alles andere als eine Verbesserung für die Überseepromenade, findet Waltraud Krützfeldt – zumal mancher Betonblock seinerzeit schon mit Farbe beschmiert aufgestellt worden sei. Zum Sitzen seien sie zu kalt und scharfkantig. „Und wer will, der stellt sein Auto eben vor die Poller“, so die Wallerin, für die feststeht: „Ich möchte so ein Ding nicht vor meiner Haustür haben.“

Durch einen Blick in die Notar-Urkunde zu ihrer Immobilie sehen Waltraud und Heinz Krützfeldt sich in ihrer Ansicht bestätigt, dass auf der Überseepromenade Autos fahren und auch stehen dürfen. Eine Skizze darin zeigt nämlich detailliert das Areal vor der Grundstücksgrenze. Unter anderem sind dort ein „Fahrstreifen“ und ein „Gehweg/Parkstreifen“ ausgewiesen. Für das Ehepaar ist fraglich, wie die vom Beirat angestrebte reine Spielstraße mit Fahrverbot zu diesem Papier passen würde. Womöglich entstünde ihnen sogar ein Regressanspruch gegenüber der Stadt, glauben sie.

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Ihr gehe es aber um etwas ganz anderes, so Waltraud Krützfeldt: „Ich möchte eine Lösung, die für alle gut tragbar ist. Schon jetzt ist die Situation dadurch wesentlich entschärft, dass seit einiger Zeit Schilder auf die verkehrsberuhigte Zone hinweisen.“ Ihr Vorschlag laute deshalb: „Nehmt die Klötze weg und lasst es, wie es ist. Es ist nicht schlecht!“

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