Neue Sonderausstellung im Hafenmuseum mit Werken von Barbara Rosengarth und Ellen Mäder-Gutz Ausdruck von Ferne und Nähe

Überseestadt. Wo wohl genau jene innere Linie verläuft, die sozusagen als fest verankerter Ausgangsort unser persönliches zeitliches und subjektives Erleben bestimmt? Albrecht Lampe vom Hafenmuseum Speicher XI sprach sie bei der Vernissage der neuen Sonderausstellung "ferne Nähe" im Hafenmuseum an. Er nennt diese Linie den "persönlichen Nullmeridian".
21.05.2012, 05:00
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Von Anne Gerling

Überseestadt. Wo wohl genau jene innere Linie verläuft, die sozusagen als fest verankerter Ausgangsort unser persönliches zeitliches und subjektives Erleben bestimmt? Albrecht Lampe vom Hafenmuseum Speicher XI sprach sie bei der Vernissage der neuen Sonderausstellung "ferne Nähe" im Hafenmuseum an. Er nennt diese Linie den "persönlichen Nullmeridian".

Eben diesen und auch den dazugehörigen 180-Grad-Meridian – die "persönliche Datumsgrenze" – können Besucherinnen und Besucher des Hafenmuseums jetzt in der neuen Sonderschau ausloten. Für Ferne und Nähe in künstlerischer Hinsicht stehen die Bilder, Zeichnungen, Skulpturen und Objekte von Barbara Rosengarth und Ellen Mäder-Gutz.

Mit Öl- und Acrylfarbe oder dem Graphitstift arbeitet Barbara Rosengarth in der Ateliergemeinschaft Nordstraße schon seit vielen Jahren an Werken mit Titeln wie "Pli 2611", "Pli 2511" oder "Pli 0112", die sie jetzt im Hafenmuseum zeigt. Die jeweilige Ziffernfolge ist die Kombination aus einer fortlaufenden Werknummer und dem Entstehungsjahr des Bildes. Und "Pli" heißt auf deutsch so viel wie "Falte".

Wer Rosengarths Bilder betrachtet, fühlt sich in der Tat an Stoffe oder gefaltetes Papier erinnert. Oder auch an Wasser mit einer wellenbewegten Oberfläche, auf der sich der Blick aus der Ferne allmählich verliert. Immer wieder stolpert das Auge über minimale Irritationen auf den großformatigen Arbeiten, die die scheinbare Ordnung des Musters, der Linien oder der Punkte durchbrechen und die scheinbare Eintönigkeit unterwandern. Und auch eine Reise in die scheinbar unendlichen Weiten des Weltalls bietet die Schau: In einem verdunkelten Ausstellungsraum hat Barbara Rosengarth mit Nachleuchtfarben den Sternenhimmel abgebildet – und auch der ist natürlich nicht statisch, sondern scheinbar dauernd in Bewegung. Denn ihr Credo lautet: "Wer die Welt für langweilig hält, darf sich nicht wundern, wenn sie dieser Erwartung schließlich entspricht."

Die Bildhauerin und Grafikerin Ellen Mäder-Gutz lebt und arbeitet in Vechta und Berlin. Während der vergangenen zehn Jahre hat sie ein eigenes künstlerisches Universum erschaffen, das prall angefüllt ist mit üppigen Stängeln, Stielen, Blüten und Blättern: Holz, Stein, Porzellan oder Pappe sind die Materialien für ihre Skulpturen und Bodenarbeiten. Diese orientieren sich eindeutig an organischen Formen. Sie sind ihnen nachempfunden, dabei aber nie ein bloßes Abbild der natürlichen Vorbilder. Albrecht Lampe beschreibt: "Mit ihren Arbeiten konfrontiert darf man sich entscheiden: führt der Weg in die Welt des Organischen, in das Innere des menschlichen Organsystems mit seinen rätselhaft geformten Komponenten, oder ist es eine Reise in exotische Gebiete, die so weit entfernt sind, dass man nachts davon aufwachen kann?" Seiner Ansicht nach fordere die "prägnante Körperlichkeit" ihrer Arbeiten in Fläche und Skulptur zu Beidem heraus.

Ellen Mäder-Gutz‘ florale Holzskulpturen sind zweifelsfrei zu verorten: Sie haben etwas eindringlich Exotisches. Sie verströmen förmlich den Duft des Dschungels. Und ihre "Blaupausen" vermitteln Distanz und sind zu betrachten mit einem Blick vom Nahen in die Ferne.

Die Ausstellung "ferne NÄHE" ist noch bis Sonntag, 1. Juli, im Hafenmuseum im Speicher XI zu sehen, geöffnet dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. In der "Langen Nacht der Museen" am Sonnabend, 26. Mai, laden die Künstlerinnen um 19 Uhr zu einer Führung durch die Schau ein.

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