Anwohner haben sich an Beirat gewandt Autos auf Überseepromenade verärgern Anwohner

Immer mehr Autofahrer befahren die Überseepromenade, den Uferweg zwischen Landmark-Tower und Wendebecken. Und so ärgern sich Anwohner zunehmend über zu schnelle und geparkte Fahrzeuge.
26.05.2019, 20:51
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Autos auf Überseepromenade verärgern Anwohner
Von Anne Gerling

Mehrere aufgebrachte Anwohner aus dem Hafenkante-Areal zwischen Landmark-Tower und Wendebecken in der Überseestadt haben sich an den Waller Beirat gewandt und um Hilfe gebeten: Obwohl sie als verkehrsberuhigter Bereich ausgeschildert sei, werde die Überseepromenade immer häufiger zugeparkt und es seien dort außerdem regelmäßig Autofahrer zu beobachten, die kräftig Gas geben, berichteten die Bürger nun auf der letzten Sitzung in dieser Amtsperiode des Fachausschusses Überseestadt, Wirtschaft und Arbeit des Waller Beirats.

Das Problem ist schon länger bekannt und die Waller Ortspolitiker warnen auch schon länger, dass mit der Eröffnung des Strandparks Waller Sand – die am 15. Mai stattgefunden hat – der Parkdruck speziell in diesem Bereich voraussichtlich sogar noch steigen werde. Erste Gegenmaßnahmen hatte die Stadt Ende vorigen Jahres ergriffen. Damals wurden entlang der Straße Betonbänke aufgestellt, um Autofahrer am Parken zu hindern. Optisch fiel diese Methode im Quartier allerdings durch: Die Bänke seien ausgesprochen hässlich, war schon kurze Zeit nach der Maßnahme zu hören. Schon bald zeigte sich außerdem, dass trotz dieser Barrieren Autofahrer weiterhin ihre Fahrzeuge zwischen Bäumen und Bänken abstellen.

Beirat wollte Durchgangsstraßee nicht

Es gebe in dem Gebiet weiterhin Unklarheiten zur Parkordnung, sagt auch Thorsten Resch, Referatsleiter im Amt für Straßen und Verkehr (ASV). Kürzlich sei außerdem in seinem Haus darüber diskutiert worden, was sich dort in Sachen Geschwindigkeitsbeschränkung machen ließe. Auf beide Fragen hat das ASV seiner Ansicht nach nun eine geeignete Antwort gefunden: „Unser Ansatz, der durchaus üblich ist, ist es, hier durch alternierendes Parken einen Ausbrems-Effekt zu erreichen.“ Entsprechende Flächen, auf denen offiziell geparkt werden dürfe, sollten deshalb demnächst markiert werden.

Die Quartiersbewohner vermochte Resch von dieser Idee allerdings nicht zu überzeugen. Viele von ihnen würden nämlich am liebsten Autos vollkommen von der Überseepromenade verbannen, um Senioren, Kinder und Radfahrer dort mehr Raum zu geben. „Promenade kommt von promenieren“, betont etwa eine Anrainerin, die auf den parallel zur Überseepromenade verlaufenden Kommodore-Johnsen-Boulevard verweist: „Die Autos können doch dort fahren.“

„In den ersten Entwürfen für das Gebiet war die Überseepromenade nie als Durchgangsstraße gedacht. Nur eine Blockumfahrung sollte möglich sein. Die Straße muss deshalb in Abschnitte unterteilt werden“, unterstrich dazu außerdem unter dem Applaus der Zuhörer CDU-Fraktionssprecher Franz Roskosch.

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Genau vier Jahre ist es her, dass die Waller Ortspolitiker mit Vertretern der Wirtschaftsförderung (WFB) darüber diskutierten, wie sie sich den zukünftigen Uferweg – quasi die Fortführung der Weserpromenade Schlachte – an dieser Stelle vorstellten. Dort keine Autos fahren zu lassen, sei nicht möglich, da andernfalls die kleinen Stichstraßen Birkenfelsstraße, Gutenfelsstraße, Ehrenfelsstraße, Schwabensteinstraße und Sachsensteinstraße zu Sackgassen würden und am Ende jeweils einen 26-Meter-Wendekreis bekommen müssten, hatte es damals zu der Forderung des Beirats nach einem autofreien Uferweg

geheißen.

Ebenso sieht es auch ASV-Referatsleiter Resch. Darüber hinaus gebe es mindestens ein Wohngebäude mit dem Zugang zur Überseepromenade hin, das angebunden und zugänglich sein müsse, ergänzt er: „Wir müssen mit dem arbeiten, was da ist und versuchen jetzt, aus dem Schlamassel, den wir dort vorfinden, das Beste zu machen.“

Lehnten die Anwohner eine Verkehrsberuhigung durch versetztes Parken ab, so sehe er nur eine Lösung für das Problem, unterstrich Resch außerdem: „Dann müssten wir dort die Verkehrsberuhigung aufheben und eine Tempo-30-Zone einrichten.“

Beirat spricht sich gegen Parkflächen aus

Unter den Anwohnern sorgten diese Aussichten für empörte Zwischenrufe. Dabei haben sie die Waller Ortspolitiker auf ihrer Seite, die nun einstimmig drei andere Maßnahmen ins Spiel brachten. So fordern sie erstens, die Überseepromenade zwischen der Sachsenstein- und der Ehrenfelsstraße durch Poller mit speziellen Schlössern zu sperren, die bei Notfällen für Rettungsfahrzeuge und auch für die Müllabfuhr problemlos geöffnet werden können. Darüber hinaus spricht sich der Beirat dagegen aus, dass entlang der Straße Parkflächen markiert werden. Stattdessen sollen nach dem Willen der Ortspolitiker an verschiedenen Stellen Blumenkübel aufgestellt und Fahrradabstellplätze eingerichtet werden. Und drittens wollen die Beiratsmitglieder vom ASV prüfen lassen, ob die Straße für Fahrzeuge aller Art gesperrt und ergänzend dazu das Zusatzzeichen „Kinderspiele erlaubt“ – offiziell bekannt als Verkehrszeichen 1010-10 – angebracht werden kann.

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„Wenn wir das Parken in bestimmten Bereichen zulassen, dann werden sich immer andere Autofahrer davor oder dahinter hinstellen“, erklärt dazu Fachausschuss- und Beiratssprecher Wolfgang Golinski (SPD), der auf die Erfahrungen rund um die Marcuskaje verweist. „Wenn da Poller stehen, könnte man außerdem nicht mehr durch und auch nicht mehr rasen. Dann wird auch keiner mehr da fahren.“ Dem zukünftigen Beirat rät er, hier am Ball zu bleiben: „Die Überseepromenade ist keine übergeordnete Straße. Das heißt: Der Beirat muss nicht nur gehört werden, sondern er kann auch mitbestimmen. Bei einer Nicht-Einigung könnte die Angelegenheit dann ins Verfahren gehen – erst in die Deputation und dann in die Bürgerschaft.“

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