Fünfstöckiges Gebäude an Vegesacker Straße

Torhaus 1 in Walle: Alle hoffen auf schnellen Start

Der Bauantrag für das Torhaus 1 ist eingereicht. Einziehen soll ein gastronomischer Betrieb, der die Tradition der früheren Sportklause fortsetzt. Und der Martinsclub plant für Kinder und Jugendliche.
06.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Torhaus 1 in Walle: Alle hoffen auf schnellen Start

Wie es einmal aussehen könnte am Torhaus 1, zeigt die Illustration der Architekten.

kammler+partner

Das Torhaus 1 nimmt Formen an – zumindest auf dem Papier. Mit dem Wohlwollen des Waller Beirats kann nun der Bauantrag für das fünfgeschossige Gebäude an der Vegesacker Straße gestellt werden. Der Martinsclub hofft auf einen Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte. Der Waller Bauausschuss und der Verein Waller Mitte drängen darauf, dass schon vor Sommerbeginn der Eingangsbereich des großen Quartiersplatzes gesichert wird.

Ein Neubau, der sich an das mehr als 100 Jahre alte benachbarte Schulgebäude anschmiegt, sich an der Fassade des denkmalgeschützten Baus orientiert und die historische Architektur auf moderne Weise weiterschreibt: Dies schilderte Architekt Jakin Schumpp den Anwesenden der Waller Bauausschusssitzung. Das beauftragte Architektur- und Planungsbüro Kammler + Partner hatte den ursprünglichen – deutlich moderneren und eigenwilligeren Entwurf – in den vergangenen Monaten komplett überarbeitet und nun eine „starke städtebauliche Eingangsgeste“ für den zentralen Waller Platz vorgelegt, die das Gestaltungsgremium und die Stadtplaner zufriedenstellte. Das Erdgeschoss wird den Vorgaben eines Ortes für soziokulturelle Entwicklung und Bürgerengagement entsprechen, so Schumpp.

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Auf 100 Quadratmetern Fläche soll ein gastronomischer Betrieb die Tradition der BSV-Sportklause weiterführen, die 2018 abgerissen worden war. Den benachbarten rund 60 Quadratmeter großen Veranstaltungsraum möchte der Martinsclub für eigene Angebote vorwiegend aus dem Kinder- und Jugendbereich nutzen. Er soll aber auch für externe Veranstaltungen und Feiern vermietet werden. Besonderer „Clou“, so Schumpp, sei die optionale „Open Air“-Funktion: Die Seitenwand zum hinteren Außengelände kann geöffnet werden. Für das erste Obergeschoss sind Büroräume und eine rollstuhlgerechte Wohneinheit geplant. Die übrigen Geschosse werden für zwei weitere rollstuhlgerechte und vier barrierefreie Wohnungen konzipiert. Im obersten Geschoss eignet sich wegen der Dachschrägen eine reguläre Wohneinheit.

„Das Torhaus 1 soll zu einem Ankerpunkt werden, wie es früher einmal war“, so der Architekt. Allzu große Anziehungskraft befürchtet offenbar auch die Stadt, die den Bauherren 21 Parkplätze vorschrieb, die es vorher dort nirgends gab, und die auch vor Ort nicht geschaffen werden können, wie Martinsclub-Regionalleiter Robert Klosa dem Ausschuss berichtete. Alternativ stehe eine Ausgleichsabgabe in Höhe von 41.000 Euro im Raum, „die uns schwer zu schaffen macht“, so Klosa.

Ende 2019 hatte die Martinsclub-Stiftung „Von Mensch“ den Kaufvertrag über das 417 Quadratmeter große Teilgrundstück am Dedesdorfer Platz unterzeichnet. Für das Projekt Torhaus 1 hatte die Stiftung Kosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro veranschlagt, die durch die konjunkturelle Entwicklung in den vergangenen Monaten wohl nicht mehr zu halten sind. „Jeder Tag, den wir noch nicht mit dem Bau beginnen können, lässt diese Kosten voraussichtlich steigen“, so Klosa. Man hoffe daher, dass das Genehmigungsverfahren zügig abgeschlossen werde, sodass die Arbeiten im dritten Quartal dieses Jahres beginnen und in rund eineinhalb Jahren abgeschlossen werden können.

Deutlich schneller – idealerweise vor Sommerbeginn – müsse die „brisante“ Querungssituation an der Vegesacker Straße verbessert werden, mahnte Christoph Schwarzer vom Verein Waller Mitte. Der Verein, entstanden aus einer Bürgerinitiative, die seit einem Jahrzehnt die Verwandlung des früheren Fußballplatzes zur lebendigen Bewegungs- und Begegnungsfläche für den Stadtteil aktiv mitgestaltet, fordert dies bereits seit langem. Wegen der parkenden Autos sei der Eingangsbereich unübersichtlich und stelle vor allem für Kinder eine Gefahr dar – wie auch seitens der gegenüberliegenden Schule an der Helgolander Straße bestätigt werde. Der Waller Bauausschuss wird sich bei den zuständigen Stellen für schnelles und pragmatisches Handeln einsetzen – etwa durch Baken auf zwei Parkplätzen. Eine dauerhafte gestalterische Lösung sei erst nach Abschluss der Bauarbeiten sinnvoll.

Info

Zur Sache

Vom West-Sportplatz zur Waller Mitte

Im Jahr 1915 entstand der „Sportplatz des Westens“, ab 1936 Heimspielstätte des Bremer Sportverein von 1906 (BSV). Nachdem der BSV 2010 den Dedesdorfer Platz aufgab, startete ein jahrelanger Planungsprozess. Aktives Engagement von Bürgern und Stadtteilpolitik verhinderte, dass das attraktive 9000 Quadratmeter-Grundstück komplett bebaut wurde. Stattdessen entstand mit Unterstützung des Bauressorts ein grüner Ort, in dem Nachbarschaft entstehen und gelebt werden soll. Im September 2019 wurde die „Waller Mitte“ feierlich eingeweiht. Die Neubauten am Rande des Quartiersplatzes wurden an fünf Baugruppen vergeben, die dort alternative gemeinschaftliche Wohnkonzepte umsetzen können.

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