Interdisziplinär und divers

Bei den Hochschultagen präsentieren Studierende und Lehrende ihre Projekte

4000 bis 5000 Besucher erwarten die Organisatoren am Wochenende bei den Hochschultagen. Bereits am Freitag liefen die letzten Vorbereitungen.
07.02.2020, 19:33
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Von Thomas Walbröhl
Bei den Hochschultagen präsentieren Studierende und Lehrende ihre Projekte

Diese Brustharnische und Kopfbedeckungen waren Teil der Performance des "Neo.Fashion.Orchestra", das zum Auftakt der Berlin Fashion Week auftrat. Das Projekt beruht auf interdisziplinärer Zusammenarbeit von HfK-Studierenden aus den Bereichen Musik, Mode, Design, Digitale Medien und freie Kunst.

Christina Kuhaupt

Murmeln, Rumpeln, Scheppern im Foyer der Hochschule für Künste (HFK) im Speicher XI. Eine Studentin sucht eine Leiter. Eine Handvoll Fensterputzer walten ihres Amtes und blockieren die automatische Schiebetür. Eine Säule wartet noch auf Gestaltung und ein Kaffee ist noch nicht zu bekommen. Freitag, kurz vor 10 Uhr. Es ist keine Kaffeezeit. Es ist Aufbauzeit. Denn an diesem Sonnabend und Sonntag werden hier die Hochschultage 2020 laufen, zwei Tage, von 11 bis 21 Uhr, mit einem Programm von rund 400 Ausstellungen, Konzerten und Projekten, das nach HFK-Angaben bis zu 5000 Besucherinnen und Besucher anlocken dürfte.

Im dritten Stock befindet sich das Masterstudio für Fotografie. Neben großformatigen Fotografien steht Amir Omerovic. Er ist Bildender Künstler, Alumnus und Organisationsleiter der Hochschultage, mittlerweile im dritten Jahr. Er verrät, dass auch Juroren im Haus unterwegs sind. „Wenn Sie eine Ausstellung sehen, die schon fertig vorbereitet ist, ist sie wahrscheinlich für einen Preis vorgeschlagen worden“, sagt er und lächelt. An den anderen werde noch gewerkelt. Insgesamt sollen in den vier Fachbereichen Integriertes Design, Digitale Medien, Freie Kunst und Musik mehrere Hochschulpreise verliehen werden, erklärt Omerovic.

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Omerovic hat einen bosnischen Hintergrund und war als Lehrender auch bei der jüngsten Exkursion des Masterstudios Kultur und Identität involviert. Dazu sind neun Studierende nach Sarajewo gefahren, um sich in der bosnischen Metropole zehn Tage lang ein Bild von der Stadt zu machen und zu fotografieren. Eine von ihnen ist Alem Kolbus, Masterstudentin. Es sei ihre zweite Exkursion gewesen, sagt sie. Ihr Themenschwerpunkt: die Luftverschmutzung in Sarajewo. „Wir haben uns regelmäßig gegenseitig den Stand unserer Projekte gezeigt und besprochen“, sagt sie. Es gab Vorbereitungen und Recherchen.

„Aber die Schwerpunkte verschieben sich natürlich. Lesen ist das eine, Sehen etwas anderes.“ Ihr Fazit zur Exkursion: „anstrengend, aber gut.“ Hilfreich seien die erfahreneren Tutoren gewesen, sagt Alem Kolbus. Am Freitagvormittag liegen noch einige Sachen auf den Tischen. Über Besucher freue sie sich. „Bei mir gibt es in der Familie ansonsten keine besondere Nähe zur Kunst. Es ist gut, dass mal anschaulich wird, was man macht.“ Eines der Ergebnisse kann man auch in die Hand nehmen. Ein Druckwerk, das in Texten und Bildern die Arbeiten der Studierenden dokumentiert.

Hochschultage - Hochschule für Künste

Masterstudentin Alem Kolbus vor zwei ihrer Fotografien, die während einer Exkursion nach Sarajewo entstanden sind.

Foto: Christina Kuhaupt

Popcorn im Speicher XI

Neben interdisziplinärem Arbeiten scheinen auch Kooperationen für die HFK wichtig zu sein, mit Unternehmen oder anderen Organisationen, wie unter anderem der Universität Göttingen. Daraus ging „Popcorn“ hervor. Das kann man im Erdgeschoss des Speicher XI bewundern. „Popcorn2 heißt ein spezieller Werkstoff, der noch nicht industriell hergestellt wird, allerdings einige nützliche Eigenschaften mitbringt.“ So erläutert es Designstudentin Isabell Moraes Duzat.

„Er ist leicht, organisch abbaubar und wird aus Mais hergestellt“, sagt sie. Die Bachelorstudentin im fünften Semester und fünf Kommilitonen haben diverse Produkte entworfen. Darunter einen Hocker auf Rollen, der einem Pferderücken nachempfunden ist, oder Schallschutzplatten, da das Popcorn auch Schall isolierend wirkt, erklärt sie. Isabell Moraes Duzat kommt eigentlich aus Oldenburg. Sie könne sich gut vorstellen, nach dem Studium in Bremen zu bleiben, aber auch andere Städte könnte sie sich vorstellen, sagt sie.

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Von Berlin nach Bremen kam Professor Rafael Sbrzesny, der seit einem Jahr an der Hochschule lehrt – interdisziplinär, zwischen Musik und bildender Kunst und Design. Er hat Schlagzeug studiert. Mit seinem blauen Oberteil sorgt er für einen Kontrapunkt zwischen den weißen Wänden des Raumes, in dem gerade die weißen Fransen-Brustpanzer des Projekts „Neo.Fashion.Orchestra“ an den Wänden hängen. Es ist ein Unterfangen zwischen Mode, Performance und Musik, das im Wintersemester 2019/2020 entstand, in Zusammenarbeit mit HFK-Professorin Dorothea Mink.

Ein Orchester mit 30 Leuten komponierte, konzipierte, entwarf und musizierte, und trat dann zum Auftakt der Berlin Fashion Week auf. Ein Video ist zusehen von den weißen Monturen, die Teil der Performance waren. Im Nebenraum ist „Performing Melancholia“ zu erleben, auch entstanden unter der Leitung von Sbrzesny. „Wir wollen, dass alle voneinander lernen“, sagt er. „Alle möglichen Semester, Disziplinen und Nationaliäten.“ Das Video taucht den Raum in ein rotbraunes Licht , eine vernebelte Szene: Joachim Held spielt Laute, Rafael Sbrzesny eine Art Metallkorsett. Zur Musik wiegt sich ein Ensemble aus Studierenden: Sie nähern sich einander, um dann wieder zu erstarren – gemeinsam.

Weitere Informationen

Das Programm und Möglichkeiten zur Studienberatung sind unter www.hfk-bremen.de/hochschultage2020 zu finden.

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