Waller Bildungsausschuss hat getagt

Gute Nachrichten für die Kinderbetreuung

Wenn alles nach Plan läuft, wird Walle in einigen Jahren die Zielquoten für die vorschulische Betreuung nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen. Aktuell warten allerdings noch 61 Kinder auf einen Platz.
29.10.2020, 08:14
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Gute Nachrichten für die Kinderbetreuung

Zurzeit wird das ehemalige Kinderhaus Schnecke an der Waller Heerstraße übergangsweise von Gröpelinger Kindern genutzt. Der Waller Bildungsausschuss spricht sich dafür aus, das Haus auch in Zukunft als Kita weiter zu betreiben.

Roland Scheitz

Eine wachsende Zahl an Kindern im Stadtteil, die keinen Betreuungsplatz erhalten, immer mehr verzweifelte Eltern, die nicht wissen, wie sie Beruf und Familie unter einen Hut bekommen sollen: Auf dieses Szenario hatte sich der Fachausschuss „Frühkindliche Bildung, Bildung, Weiterbildung und Migration“ des Waller Stadtteilbeirats schon fast eingestellt – und wurde angenehm überrascht. Die neuesten Prognosen zur demografischen Entwicklung, kombiniert mit den Ausbauplänen für die Kindertageseinrichtungen, besagen: Wenn alles nach Plan läuft, wird Walle in einigen Jahren die Zielquoten für die vorschulische Betreuung nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen. Aktuell warten allerdings noch 61 Kinder auf einen Betreuungsplatz im Stadtteil. Um sie müsse sich die senatorische Behörde für Kinder und Bildung jetzt dringend kümmern, mahnte der Ausschuss. Und noch etwas: In Zukunft dürfe die Stadt es nicht weitgehend privaten Trägern überlassen, für ausreichende Betreuungsplätze zu sorgen.

Zwischen 2014 und 2019 ist die Zahl Waller Kinder im Vorschulalter um fast 40 Prozent gestiegen. Aktuelle Daten des Statistischen Landesamts sagen vorher, dass die Zahlen weiter steigen – aber weniger schnell und deutlich, als bislang angenommen. Im Jahr 2019 zählten die Statistiker 85 Kleinkinder weniger als vorausberechnet. Die Tendenz wird sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen: Für das Jahr 2025 rechnen die Demografen mit 1991 Vorschulkindern im Stadtteil – 54 weniger, als es die älteren Daten vorhergesagt hatten, erklärte Referent Wolfgang Bulling, in der Behörde zuständig für die Kita-Planung. Die Zahlen wurden für sämtliche Waller Ortsteile nach unten korrigiert. Einzige Ausnahme ist die Überseestadt. Die Prognosen gehen davon aus, dass sich dort innerhalb der kommenden fünf Jahre die Zahl der Kinder im Vorschulalter mehr als verdoppeln wird.

Sofortprogramm Mobilbau

Innerhalb der vergangenen drei Jahre wurden im Stadtteil 278 neue Betreuungsplätze geschaffen, davon 65 für Kinder unter drei Jahren. 110 davon sind allerdings Übergangslösungen aus dem „Sofortprogramm Mobilbau“: Die Mobilbauten der Kitas Löwenzahn und Drachenkinder sowie die Dependance der Gröpelinger Na-Kita an der Langen Reihe sollen nur bis zum Jahr 2022/23 genutzt werden.

Die Versorgungsquote von 50 Prozent für Kinder unter drei Jahren wird laut Bulling im Stadtteil nicht ganz erreicht – zurzeit reicht das Angebot nur für 45 Prozent der Kleinsten. Für die Drei- bis Sechsjährigen wird die angestrebte Versorgungsquote von 98 Prozent indes übertroffen – sprich: es gibt sogar einige Plätze mehr als Kinder im Stadtteil. Dennoch haben im laufenden Kita-Jahr noch 35 Krippen- und 26 Kitakinder keinen Betreuungsplatz im Stadtteil erhalten. Der Widerspruch erklärt sich unter anderem dadurch, dass das ehemalige Kinderhaus Schnecke an der Waller Heerstraße derzeit von den Kindern der Kita Pastorenweg genutzt wird. Die Gröpelinger Kita muss wegen eines Wasserschadens saniert werden und kann voraussichtlich erst wieder im kommenden Frühjahr bezogen werden, so Bulling.

Neue Kita-Gründungen

Die Regierungskoalition hat sich vorgenommen, künftig 60 Prozent aller Bremer Kinder mit einem Krippenplatz zu versorgen, und Kindergartenplätze für alle zu schaffen. Im kommenden Jahr sollen mit der Kita Waller Wohnen (Waller Mitte), der Kita „Drachenkinder“ (Kaffeequartier) sowie den freigewordenen Räumen an der Waller Heerstraße insgesamt 100 neue Plätze entstehen. Die Awo hat für das Kindergartenjahr 2022/23 die Eröffnung einer Kita für 60 Kinder angekündigt. In den folgenden beiden Jahren stehen weitere Kita-Gründungen auf dem Schuppen 3-Gelände sowie auf der Überseeinsel auf dem Ausbauprogramm. Eine Machbarkeitsstudie soll zudem prüfen, ob sich das – demnächst ehemalige – Schulareal an der Ellmersstraße für den Neubau einer größeren Kita eignet. Aktuell hat die „Global Education GmbH“ – die unter anderem die Kita „Wall-Junioren“ betreibt – Interesse an einer Kita-Gründung nahe dem Wesertower bekundet. Eine Elterninitiative sucht zurzeit in der Waller Feldmark ein Areal, auf dem sich eine „Garten-Kita“ betreiben ließe.

Ausschussmitglied Bärbel Schaudin-Fischer war nicht die Einzige, die über die „Trendwende“ staunte. „Bislang war der Bevölkerungszuwachs in Walle groß, und wir hatten immer nur mit unversorgten Kindern zu tun“, so die Grünen-Politikerin. Nicoletta Witt (SPD) hatte vor allem die aktuelle Situation im Blick: „Wir können den Eltern ja wohl schlecht erzählen, dass es in fünf Jahren genug Plätze gibt.“ Ausschusssprecherin Caren Emmenecker äußerte sich „optimistischer als im vergangenen Jahr“. Die Linken-Politikerin gab aber deutlich zu Protokoll, dass sie es bevorzugen würde, wenn sich die Stadt aktiver am Kita-Ausbau beteiligte.

Aus Gründen des Infektionsschutzes hatte Sachgebietsleiterin Petra Müller die Sitzung des Waller Bildungsausschusses erstmals als Videokonferenz organisiert. Die Premiere in kleinem Rahmen verlief weitgehend problemlos. Für künftige Sitzungen soll daher nach dem Wunsch der Ausschussmitglieder mehr Bürgerbeteiligung ermöglicht werden.

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