Blauhaus

Alles ist mit allem verbunden

Rund um das Blauhaus in der Überseestadt wird es immer schöner. Künstlerin Dorothea Kneller von der Blauen Karawane hat dort nun mit Unterstützung durch die Gewoba einen acht Meter langen Wandfries angebracht.
24.05.2020, 23:59
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Alles ist mit allem verbunden
Von Anne Gerling
Alles ist mit allem verbunden

Etwa zwei Tage hat Künstlerin Dorothea Kneller gebraucht, dann hing der acht Meter lange Wandfries an seinem neuen Platz beim Blauhaus. Ganz zum Schluss folgte dann noch ein kleines Hinweisschild zu Knellers Arbeit.

Roland Scheitz

Überseestadt. Ein Hingucker ist das Blauhaus in der Überseestadt dank seiner „Blauen Manege“ – das ist der markante Holzbau mit Sägezahndach direkt am Kommodore-Johnsen-Boulevard – ja sowieso schon. Jetzt gibt es dort auch noch ein außergewöhnliches Kunstwerk zu sehen: Einen 1,30 mal acht Meter langen Wandfries aus handgefertigten sechseckigen Fliesen. Gestaltet hat das Mosaik die Künstlerin Dorothea Kneller, die seit 20 Jahren ehrenamtlich bei der Blauen Karawane aktiv ist, dort die Keramikwerkstatt aufgebaut hat und auch Kurse gibt.

In ihr leuchtend blaues Fliesen-Kunstwerk hat Kneller eine weiße und eine dunkelblaue Linie eingearbeitet, die miteinander zu kommunizieren scheinen. Wer genau hinschaut, entdeckt außerdem: In ihrer Grundstruktur sind sämtliche Fliesen gleich, über jede von ihnen verlaufen in identischer Weise plastische Linien, die sich auf den Nachbarfliesen fortsetzen. „Jedes Element hat einen festen einmaligen und individuellen Platz. Sobald ich eine Fliese drehe, hört die Geschichte auf. Oder es kann eine andere entstehen“, sagt Kneller: „Das ist für mich eine Versinnbildlichung von Miteinander. Es gefällt mir, dass dabei das Thema der Begegnung – alles ist mit allem verbunden – gezeigt werden kann.“

Auf die Idee für dieses abstrakt-geometrische und im Prinzip unendliche Muster war die Absolventin der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen bei einem Promenaden-Spaziergang auf Teneriffa gekommen, wo sie ähnlich weitschweifige Kachel-Bahnen entdeckt hatte.

Daraufhin fertigte die Bremerin zunächst ein Modell an, mit dem sie etwa ein Jahr lang herumexperimentierte und das sie immer wieder anders arrangierte. „Blau musste es sein“, stand für sie dabei von Anfang an fest. Und schließlich war auch klar, wie jede der insgesamt 470 Kacheln positioniert werden sollte. Nun konnte die Grundfliese in Originalgröße in der Firma Golem in Frankfurt an der Oder gebrannt und von Kneller glasiert werden. Für ein Projekt dieser Größenordnung reichen die Kapazitäten der hauseigenen Keramikwerkstatt der Blauen Karawane nicht aus. Die Kosten für die Produktion hat die Gewoba übernommen, die den Verein Blaue Karawane auch schon bei der Verwirklichung des inklusiven Wohnprojekts Blauhaus unterstützt hat.

Demnächst wird die Keramikwerkstatt vom Speicher XI in die Blaue Manege umziehen, die sich zum Zentrum des ge­meinschaftlichen Le­bens im Blauhaus ent­wi­ckeln soll. In dem knapp 670 Qua­drat­me­ter gro­ßen Holzbau fin­den mehrere Ate­liers für soziale, hand­werk­li­che und künst­le­ri­sche Aktivitäten Platz. Gleich nebenan bietet die in­klu­si­ve Kita von Quirl Kin­der­häu­ser 60 Be­treu­ungsp­lät­ze für Kin­der an. Die Mauer mit Knellers Wandfries schließt den Innenhof zwischen Kita und Atelierbau zur Straße hin ab und ist dabei ein optischer Hinweis auf das kreative Treiben im Blauhaus.

Ursprünglich war für Ende Mai eine große Blauhaus-Einweihungsfeier zur Fertigstellung der gesamten Innen- und Außenräume geplant. Diese wird aufgrund der Veranstaltungsverbote voraussichtlich auf 2021 verschoben.

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