Sicherheitsabstand in Zeiten von Corona

Wenn die Schutzmaske zum Sehtest wird

Eine Augenoptikermeisterin möchte Sehbehinderten während der Corona-Krise helfen. Sie hat Schutzmasken entworfen, auf denen Verhaltensregeln in unterschiedlich großen Sehstärken aufgedruckt sind.
27.05.2020, 20:57
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten
Wenn die Schutzmaske zum Sehtest wird

Ilona Stubbe führt eine der Schutzmasken vor, die sie speziell für sehbehinderte Menschen entworfen hat.

PETRA STUBBE

Solange gegen das Covid-19-Virus kein medizinisches Kraut gewachsen ist, gilt bis auf Weiteres: Unterwegs Mundschutz tragen, und zu anderen Menschen einen Sicherheitsabstand von mindestens eineinhalb Metern halten. Ob aus Versehen oder aus mangelndem räumlichem Vorstellungsvermögen: Vor allem Letzteres fällt manchen Leuten im Alltag schwer. Die Bremer Augenoptikermeisterin Ilona Stubbe hat das schon oft regis­triert. Als Hilfsmittel für die Einübung maßstabsgerechter sozialer Distanz hat sie sich Mund-Nasen-Masken mit einer optischen Abstandhalter-Funktion ausgedacht.

„Erfahrungsgemäß tun sich viele Menschen schwer, Entfernungen richtig einzuschätzen“, erklärt die Chefin des Brillenhaus Bremen mit Standorten an der Waller Heerstraße und in Kirchhuchting. „Da kann man oft Diskussionen in den Schlangen beim Einkaufen beobachten, ob die jeweiligen Abstände zu groß oder zu klein sind.“ Ihre Behelfsmasken mit aufgedrucktem Sehtest sollen solche Debatten nun unnötig machen. „Das Prinzip ist ganz einfach“, erklärt die Augenoptikermeisterin: „Bei einem Test im Fachgeschäft wird die Sehleistung ermittelt, indem die Kunden Buchstaben in einer bestimmten Größe aus einer genau definierten Entfernung lesen müssen. Das haben wir jetzt einfach auf die Masken übertragen.“

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Auf den Schutzmasken mit Firmenlogo, die in den Brillenhaus-Filialen zum Selbstkostenpreis von 10,90 Euro verkauft werden, stehen drei Zeilen in unterschiedlicher Größe. Der Text in der obersten Zeile lautet „Abstand o. k.“, und ist bei normaler Sehleistung aus einer Entfernung von zweieinhalb Metern gut lesbar. Die zweite Zeile – lesbar aus zwei Metern – heißt „Halt Stop“ und ermahnt dazu, den Abstand nicht zu unterschreiten. Alle, die das winzige „Zurück“ in der untersten Zeile noch gut lesen können, sind ihrem Gegenüber ­garantiert viel zu dicht auf die Pelle gerückt. „So sind wir nicht mehr auf Schätzungen angewiesen und bekommen ein besseres Gefühl für die richtigen Entfernungen“, sagt Ilona Stubbe.

Seit dem 27. April gilt bundes­weit die Pflicht, in bestimmten Situationen in der Öffent­lich­keit einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen – insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkaufen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung dazu beiträgt, die Ausbreitung des Covid-19-Virus zu verlang­samen und Risiko­gruppen vor Infektionen zu schützen. Doch auch mit Maske gilt in Bremen nach wie vor die Verordnung, Kontakte auf ein Mindestmaß zu beschränken, und in der Öffentlichkeit einen Abstand von mindestens eineinhalb Metern einzuhalten. Dass es mit Mundschutz weniger Spaß macht, ausgiebig einzukaufen, weiß auch Ilona Stubbe – privat und als Geschäftsfrau.

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Es könnte allerdings sein, dass die intelligenten Masken ihr demnächst den einen oder anderen Neukunden bescheren. Denn die Käufer tun gut daran, deren Funktion zunächst Zuhause mit dem Zentimetermaß zu prüfen. Und all jene, die zum Entziffern deutlich näher rücken müssen als es der Standardabstand vorgibt, sollten diese Botschaft zwischen den Zeilen nicht überlesen: Es könnte höchste Zeit für eine Brille sein.

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