Komisch: Im Utbremer Bestattungsinstitut durfte ausnahmsweise so richtig gelacht werden Chillen mit Schiller - Theater um den Tod

Osterfeuerberg. Sollte Ihnen demnächst ein stattlicher Herr in unzeitgemäßer Bekleidung über den Weg laufen, der behauptet, er sei der Herr von Schiller, dann nehmen Sie ihn doch einfach mit nach Hause. Denn es macht seiner Ansicht nach keinen großen Unterschied, ob seine raumgreifende Persönlichkeit nun das Bücherregal oder das Wohnzimmersofa blockiert, und Sie könnten einen komischen Abend erwarten.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Anke Velten

Osterfeuerberg. Sollte Ihnen demnächst ein stattlicher Herr in unzeitgemäßer Bekleidung über den Weg laufen, der behauptet, er sei der Herr von Schiller, dann nehmen Sie ihn doch einfach mit nach Hause. Denn es macht seiner Ansicht nach keinen großen Unterschied, ob seine raumgreifende Persönlichkeit nun das Bücherregal oder das Wohnzimmersofa blockiert, und Sie könnten einen komischen Abend erwarten.

Dass Friedrich von Schiller, Beruf Dichterfürst, nicht so richtig tot, sondern eigentlich in bester Verfassung ist, darum geht es in dem Stück !Schiller, was will er?'. So ganz ernst gemeint ist die Chose natürlich nicht, die gerade in der Feierhalle des Hauses 'Schomaker Bestattungen' aufgeführt wurde. An einem Ort also, den man garantiert nicht mit Spaß verbindet. Frage: Gehört sich so etwas überhaupt?

Anderes Licht auf den Tod werfen

Das arabische Wort makaber bedeutet ursprünglich nichts anderes als Begräbnisort. Dass es den schaudererregenden Beigeschmack hat, ist ein kulturelles Phänomen und sagt viel darüber aus, wie die Gesellschaft mit der Tatsache Tod umgeht. In Bremer Bestattungshäusern ist man schon lange dabei, mit kulturellen Angeboten Berührungsängste abzubauen. 'Wir möchten damit ein anderes Licht auf das Thema werfen und die Räume enttabuisieren', erklärt Thomas Best, Mitarbeiter des Bestattungshauses an der Osterfeuerberger Straße.

Seit sechs Jahren spielt Christine Renken dabei eine ganz wichtige Rolle. Als 'Bestatter Bergmann von Hurrelberg' ist sie längst eine regionale Kultfigur und zu so etwas wie der inoffiziellen Botschafterin des hiesigen Bestattungswesens geworden. Die Friedhofsführungen mit dem komischen Herrn von Hurrelberg sind eine beliebte Form, viel Interessantes aus der bremischen Geschichte auf eine etwas andere Art zu erleben - bei allem Respekt für den Ort des Geschehens, aber mit viel Vergnügen. Nun also Theater in der Feierhalle, wo es sonst um ganz andere Emotionen geht. 'Das ist schon in Ordnung', fand Gertrud Bauer, die aus Habenhausen gekommen war und gemeinsam mit Freundin Marion Hengst aus Walle gespannt auf das Geschehen wartete: 'Es ist interessant, diesen Ort einmal anders zu erleben.'

Das Publikum hatte jedenfalls seinen Spaß daran, zu beobachten, wie sich die arme Frau Stein (Heidi Jürgens) mit dem Herrn Schiller (Christine Renken) abplagte, wie sie ihn mit Begriffen wie chillen, Singlebörse und Retroparty in die neuzeitliche Gesellschaft einführte, und nebenbei merkte, dass der alte Herr auch heute noch einiges zu sagen hat. Den beiden Schauspielerinnen hätte man für ihr Kabinettstückchen ein größeres Publikum gewünscht. Unter www.niedersachsen-bestattungen.de können sich Interessierte schon einmal informieren, mit welchen Veranstaltungen die Bremer Bestatter sie in Zukunft überraschen werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+