Sportvereine und Corona

Kaum Austritte wegen Corona

Von jetzt auf gleich mussten Mitte März auch Walles Sportvereine ihren Betrieb komplett einstellen. Nun fahren sie ihre Angebote langsam wieder hoch und hoffen, das Schlimmste überstanden zu haben.
27.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Kaum Austritte wegen Corona
Von Anne Gerling
Kaum Austritte wegen Corona

Geschäftsführer Volker Eisenmenger-Nadler (links) und Trainerin Jana Müller-Schmidt hoffen, die neue Bewegungshalle bald für Sportangebote nutzen zu können.

Roland Scheitz

Wie geht es nach Corona weiter? Diese Frage brennt unter anderem auch den Waller Sportvereinen auf den Nägeln. Der Fachausschuss Kultur, Sport und Migration des Waller Beirats hat sich kürzlich von Vertretern der drei Vereine Bremer SV (BSV) von 1906, TV Bremen-Walle 1875 und Schwimmverein „Weser“ Bremen von 1885 schildern lassen, welche Auswirkungen die Pandemie auf sie hat.

Die Fußballer beim BSV zum Beispiel hatte Corona kalt erwischt, wie Vereinspräsident Peter Warnecke schildert, der sich auch als Sachkundiger Bürger für die CDU im Beirat engagiert und dort Sprecher des Sportausschusses ist: „Die Bremen-Liga lief noch und wurde ganz plötzlich gekippt. Alle fragten sich: Geht’s irgendwann wieder los? Wir dachten, die Pause dauert vier Wochen. Aber dann ging gar nichts mehr.“

Trainingsbetrieb und Nutzung der Vereinsräume wurden vollständig eingestellt. Dabei hätte eigentlich das frisch sanierte Stadion am Panzenberg mit Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) bei einem Spiel gegen den Dauer-Rivalen FC Oberneuland feierlich wiedereröffnet werden sollen. Dank einer pfiffigen Idee konnte dieses Spiel am Mittwoch, 22. April, denn auch tatsächlich stattfinden – im Internet. 2500 Soli-Tickets wurden verkauft und dazu virtuelles Bier getrunken und virtuelle Bratwürste gebraten. Ein voller Erfolg, so Warnecke: „Die Aktion hat auch unser Verhältnis zu Oberneuland gestärkt.“

Die Saison wurde schließlich abgebrochen und Oberneuland war Meister. Und der BSV? „Wir konnten keine Spiele machen – haben aber Sponsoren, denen wir im Moment nichts bieten können“, sagt Warnecke. Bis jetzt verhielten diese sich wohlwollend – der Verein frage sich aber natürlich schon, ob das auch so bleibe. Wenigstens habe man Liquiditätsengpässe dank Corona-Soforthilfen vermeiden können und mittlerweile werde auch wieder unter Beachtung spezieller Hygienevorschriften trainiert. Die erste Herrenmannschaft empfängt am Sonnabend, 1. August, am Hohweg Viktoria Berlin und ist für Sonntag, 2. August, mit Hannover 96 in Hannover zum Trainingsspiel verabredet, jeder zweite Sitzplatz muss dabei frei bleiben. Voraussichtlich am 1. September werde die neue Saison anfangen, so Warnecke: „Bis dahin kann noch viel passieren.“

„Glück im Unglück“ habe auch sein Verein bis jetzt gehabt, sagt Kai Melzer, Vorsitzender des Schwimmvereins „Weser“ Bremen von 1885: „Wir haben immer im Februar einen großen Wettkampf, zu dem auch Vereine von außerhalb kommen. Das ist der einzige Wettkampf, wo wir ein bisschen Plus machen – und den konnten wir dieses Jahr gerade noch durchführen.“ Auch die Jahreshauptversammlung am 16. März ganz kurz vor dem Lockdown habe man noch mit 35 Teilnehmern „eiskalt durchgezogen“, so Melzer: „Das war auch wichtig, um das Vorjahr noch abzuwickeln und alles glatt zu kriegen.“ Freitag, der 13. März, sei dann der letzte Trainingstag gewesen: „Es war mir wichtig, dass wir geordnet aufhören.“

Ab Mitte Mai sei dann zunächst Lauftraining angeboten worden und mit der Öffnung der Freibäder ging es Mitte Juni schließlich endlich auch wieder ins Wasser. Noch bis zum 29. August hat der Verein nun an bestimmten Tagen das Becken abends ganz für sich. Davon profitieren allerdings Melzer zufolge nicht alle 367 Mitglieder. Die Anfänger nämlich seien Mitte März quasi rausgefallen, sagt er: „Es ist maximal die Hälfte der Mitglieder, für die wir momentan was anbieten können.“ Denn gerade für jüngere Kinder seien die späten Zeiten kein passendes Angebot: „Mit Schwimmunterricht für Kinder ab fünf Jahren kann man nicht um 18 Uhr anfangen.“

Ab 31. August würde der Verein deshalb gerne wieder seinen normalen Schwimmstunden-Plan im Westbad aufnehmen und hätte dafür dann gerne die ganze Schwimmhalle zur Verfügung, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Aufgrund des schlechten baulichen Zustands werde es dabei wohl schwierig, jeden zweiten Schrank und jede zweite Dusche zu sperren, so Melzer. Da außerdem der Schwimmunterricht voraussichtlich kontaktlos erfolgen müsse, sei es auch mit der Korrektur schwierig: „Das wird dann länger dauern.“

Unklar ist bislang, ob wie geplant am 31. Dezember im Westbad mit Abriss und Neubau begonnen wird. Zu der dazu schon vor Corona angedachten Präsentation für die Stadtteilbeiräte Walle, Findorff und Gröpelingen jedenfalls ist bislang nicht eingeladen worden – die Waller Ortspolitiker haben deshalb nun beim Sportressort und den Bremer Bädern einen Zeitplan angefordert.

Nachdem beim TV Bremen-Walle 1875 am 13. März eine E-Mail vom Landessportbund eingegangen war, musste auch dort der ganze Verein komplett auf Null heruntergefahren werden, sagt Geschäftsführer Volker Eisenmenger-Nadler: „Für den 30. März hatten wir eine Mitgliederversammlung geplant, die ad hoc abgesagt werden musste. Allein das hat 1500 Euro gekostet, weil dafür alle knapp 2000 Mitglieder angeschrieben wurden.“ Der Unmut der Mitglieder halte sich aber zum Glück in Grenzen und Eisenmenger-Nadler zufolge ist – so wie bei den anderen beiden Vereinen auch – kaum jemand wegen der Krise ausgetreten: „Die Mitgliedsgebühr ist ja auch keine Servicegebühr, sondern um den Verein am Leben zu halten.“

WES Walle Arndtstraße neue Bewegungshalle TV Bremen-Walle 1875

Im Erdgeschoss dieses viergeschossigen Gewoba-Neubaus an der Arndtstraße hat der TV Bremen-Walle 1875 eine Turnhalle bekommen, in der es Bewegungsangebote vor allem auch für ältere Menschen im Stadtteil geben soll.

Foto: Roland Scheitz

Seit dem 11. Mai kann beim TV Bremen-Walle 1875 wieder auf dem großen Rasen beim Vereinshaus Sport getrieben werden – die Schulturnhallen wurden aber noch nicht wieder aufgemacht und fehlen dem Verein. Immerhin konnte dieser aber am 1. Juni die neue Bewegungshalle an der Arndtstraße von der Gewoba in Empfang nehmen – aber, so Eisenmenger-Nadler: „Das war natürlich eine extrem ungünstige Zeit, weil wir dort noch nichts anbieten konnten.“

Die Gewoba kam dem Verein am Ende entgegen und dank Soforthilfen konnten auch ansonsten größere finanzielle Verluste aufgefangen werden. Schließlich hat Corona noch die Planung für die Kinder-Ferienbetreuung durcheinander gebracht – nun läuft aber auch die. Eisenmenger-Nadlers Fazit: „Es hätte schlimmer kommen können. Aber wir hatten viel Arbeit.“

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