Elftklässler des Schulzentrums Walle nähern sich Zukunftsideen mit kreativen Elementen "Das Leben ist ja auch nicht planbar"

Walle. Wie kann ein junger Mensch sein Leben gestalten? Welche Ziele kann er sich setzen? Mit diesen Fragen sind auch viele Erwachsene überfordert - wer kann es Jugendliche da übel nehmen, dass sie nicht wissen, was sie in Zukunft tun können und möchten? Das Landesinstitut für Schule (LIS) hat zusammen mit dem Theaterprojekt "Die Wilde Bühne" die Kampagne "Design your Life" ins Leben gerufen, die Jugendliche gerade bei diesen Fragen und vor allem beim Finden von Antworten darauf unterstützen soll. Vertreter der Wilden Bühne waren für einige Tage am Schulzentrum Walle zu Gast und führten mit den elften Klassen Workshops im Rahmen von "Design your Life" durch.
03.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz

Walle. Wie kann ein junger Mensch sein Leben gestalten? Welche Ziele kann er sich setzen? Mit diesen Fragen sind auch viele Erwachsene überfordert - wer kann es Jugendliche da übel nehmen, dass sie nicht wissen, was sie in Zukunft tun können und möchten? Das Landesinstitut für Schule (LIS) hat zusammen mit dem Theaterprojekt "Die Wilde Bühne" die Kampagne "Design your Life" ins Leben gerufen, die Jugendliche gerade bei diesen Fragen und vor allem beim Finden von Antworten darauf unterstützen soll. Vertreter der Wilden Bühne waren für einige Tage am Schulzentrum Walle zu Gast und führten mit den elften Klassen Workshops im Rahmen von "Design your Life" durch.

Bevor die Theaterpädagogen jedoch die Schüler aktiv und vor allem kreativ werden ließen, nahmen 15 Lehrer an einer Fortbildung teil. "Wir mussten auch erst einmal eine Sensibilität für das eigene Ich entwickeln", begründete dies Lehrerin Julie Bauer, die die Theaterpädagogen an die Schule holte. Die Lehrer absolvierten ähnliche Workshops wie später die Schüler. Neben den Theaterpädagogen leiteten dann auch einige Lehrer die Schülerworkshops. Ziel dessen war es, dass die Schüler ihre eigene Identität finden. "'Ich bin ich und ich steh' dazu', das sollten die Schüler dabei lernen. Denn wenn sie sich selbst kennen und akzeptieren, fällt es auch leichter, von anderen akzeptiert zu werden", so Julie Bauer.

125 Leute in zehn Kleingruppen

Das Projekt begann zwei Wochen vor den eigentlichen Projekttagen mit einer ganztägigen Auftaktveranstaltung, in der die Schülerinnen und Schüler die einzelnen Workshops, in denen unter anderem Tanz, Fotografie, Musik und Theater die Schwerpunkte bildeten, kennenlernten und sich anschließend für einen dieser Workshops entschieden. Die 125 Jungen und Mädchen wurden in zehn Kleingruppen eingeteilt - unabhängig von Klassenkonstruktionen. "Dadurch hat man auch Schüler aus anderen Profilen kennengelernt, mit denen man sonst nicht so viel zu tun hat", erzählte die Schülerin Seyda, die sich für einen Workshop für Improvisationstheater entschied. Nach dem zweitägigen Workshop in der vergangenen Woche präsentierten die Kleingruppen ihre Arbeit den Mitschülern auf der Bühne der Schulaula.

In ihrer Gruppe arbeitete Seyda mit neun weiteren Schülern zusammen - einer von ihnen war Mitschüler Nick. Auf dem Terrain des Improtheaters waren die beiden aber keine Neulinge. Sie haben diesbezüglich bereits im Findorffer Theater Erfahrungen gemacht: Als sie ihre Texte vergaßen, haben sie schlicht improvisiert. Kein Wunder also, dass sie sich sofort wieder dafür entschieden. "Spontane Einfälle sind oft viel lustiger als vorgegebene Texte", sagte Seyda. "Das Leben ist ja schließlich auch nicht planbar", ergänzte Nick. In ihrem Bühnenprojekt am SZ Walle integrierten sie Standbilder und abrupte Themenwechsel. Die Akteure dachten sich ihre Szenen aufgrund der Zurufe aus dem Zuschauerraum aus. "Supermarkt" schlugen die Mitschüler im Publikum unter anderem vor, kurz darauf verlegten sie den Schauplatz auf ein Piratenschiff. Nun war es an den Akteuren, die Dialoge und Themen gekonnt an die neue Umgebung anzupassen.

Stärken und Schwächen erarbeiten

Als Vorbereitung für ihren Auftritt übte ihn die Gruppe in Form von Rollenspielen mit anderen Themen. Neben neuen Kontakten haben die Kinder auch Selbstbewusstsein gewonnen, wie Seyda erzählte.

Eine andere Gruppe tat sich wesentlich schwerer, sich auf die kreative Idee einzulassen. In erster Linie führten die Schüler und Schülerinnen in dieser Gruppe lange und tiefgründige Gespräche. Am Vormittag vor den Präsentationen gestalteten sie schließlich großformatige Collagen, die ihre Zukunftsträume veranschaulichten.

"Der Zugang der Schüler zu diesem Projekt war sehr unterschiedlich. Zum Teil waren sie sehr zurückhaltend, andere sind gleich offen an die Idee herangegangen", schaute Theaterpädagogin Michaela Uhlemann von der Wilden Bühne zurück. Sie und ihre Kollegen wollten die Schüler dazu bringen, ihre eigenen Stärken und Schwächen selbstständig herauszuarbeiten. "Image war ein großer Schwerpunkt bei der Arbeit. Wie sehe ich mich selbst und welches Image wird mir von der Gesellschaft gegeben", so Michaela Uhlemann.

Die Lehrerin Julie Bauer hofft, dass es den Schülern in Zukunft leichter fällt, sich zu entscheiden, wie es nach der Schule mit ihnen weitergehen soll. Sie und ihre Kollegen haben für sich auch etwas mitgenommen: "Wir wollen auf jeden Fall einige kreative Elemente in den Unterricht und generell an die Schule übernehmen. Und wir haben neue Erkenntnisse gewonnen, wie wir mit einzelnen Schülern und Schülergruppen umgehen können."

Schulen, die ihren Schülern auch die Teilnahme an "Design your Life" ermöglichen möchten, können über www.wilde-buehne-bremen.de mit den Theaterpädagogen Kontakt aufnehmen.

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