Torhaus statt Kneipe

Dedesdorfer Platz in Bremen-Walle wird ab November hergerichtet

Ein altes Vereinsheim, eine ehemalige Umkleide und ein Erdbunker werden abgerissen: Ab November wird der Dedesdorfer Platz in Bremen-Walle hergerichtet und aus dem Provisorium ein richtiger Quartiersplatz.
24.10.2018, 18:31
Lesedauer: 5 Min
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Dedesdorfer Platz in Bremen-Walle wird ab November hergerichtet
Von Anne Gerling
Dedesdorfer Platz in Bremen-Walle wird ab November hergerichtet

Wirt Alex Becker steht dort, wo einst die Kneipe „Sportklause“ war. Am Standort des Lokals will der Martinsclub ein „Torhaus“ errichten.

Roland Scheitz

Die Sache ist tatsächlich auf der Zielgeraden, jetzt muss eigentlich nur noch die große Einweihungsparty organisiert werden. Eine Feier, die irgendwie auch ein Abschiedsfest sein wird. Mit ihr nämlich geht der jahrelange Planungs- und Verhandlungsprozess um die „Waller Mitte“ zu Ende. Die vielen engagierten Wallerinnen und Waller, die an diesem Prozess beteiligt waren, sprachen nun im seinerzeit eigens für die Entwicklung ihres Dedesdorfer Platzes gegründeten Fachausschusses „Quartiersentwicklung“ insbesondere Stadtplaner Rainer Imholze aus dem Bauressort ihren Dank aus. Er nämlich war es, der die Sache so richtig ins Laufen brachte, als er im Sommer 2013 in das Projekt einstieg und Mittel für die Gestaltung der Freifläche beschaffte.

Viele gemeinsame Sitzungen und Workshops später sind auf dem Areal die ersten Anzeichen dafür zu erkennen, dass der ehemalige Fußballplatz des Bremer Sportvereins von 1906 (BSV) tatsächlich zu einem öffentlichen Quartiersplatz für alle umgestaltet wird.

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Torhaus statt Kneipe

Punkt eins ist soeben erledigt worden: Keine Spur mehr von der alten BSV-Sportklause beim Eingang zum Platz an der Vegesacker Straße. „Ich bin nicht traurig, sondern glücklich“, unterstreicht Wirt Alex Becker, der die Sportklause im Jahr 2007 übernommen hatte. Ohne die Unterstützung der Stadt wären der Bremer SV und er selbst mit dem Rückbau des Gebäudes inklusive der ordnungsgemäßen Entsorgung der dabei gefundenen Materialien seiner Ansicht nach überfordert gewesen. Am ehemaligen Standort des urigen Lokals will der Martinsclub alsbald das „Torhaus eins“ errichten. Laut Sebastian Jung von der Geschäftsleitung laufen im Moment Verhandlungen mit der Baubehörde über die exakte Positionierung des Gebäudes.

Als Nächstes wird auch die alte BSV-Umkleide abgerissen. Bis Ende November soll zudem der Erdbunker restlos entfernt werden. Am 5. Dezember werden Imholze zufolge alle Erdarbeiten auf dem Platz abgeschlossen sein, der während der Bauarbeiten aus sicherheitstechnischen Gründen gesperrt werden muss. „Das Ganze war extrem kompliziert, und wir haben dabei viel gelernt“, sagt Imholze rückblickend, „zum Beispiel dazu, was es an Umweltauflagen gibt und so weiter.“

Pionierarbeit wurde dabei auch in Sachen Beteiligung geleistet: Der damalige Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing hatte 2010 einen Runden Tisch ins Leben gerufen, von dem er sich einen Modellcharakter für spätere Beteiligungsprozesse erhoffte.

Bis ins kleinste Detail wurde gemeinsam ausgehandelt, wo gebaut wird, wie viel Freifläche bleibt und wie diese später einmal aussehen soll. Rainer Imholze hatte nun sogar noch einen „Pflanzplan“ ins Ortsamt mitgebracht, um zu belegen, dass auch der Wunsch der Waller nach Obstbäumen auf dem Platz erfüllt wird: Vier Apfelbäume und fünf Zwetschgenbäume sollen auf der Waller Mitte angepflanzt werden, konnte Imholze nun ankündigen: „Aber nur mit der Auflage, dass die Früchte auch gepflückt und gegessen werden.“

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Das werden sie auf jeden Fall, wurde sogleich aus dem gut gefüllten Sitzungssaal im Ortsamt signalisiert. Unter den rund 60 Zuhörern waren neben Vertretern der Bürgerinitiative an diesem Abend auch Mitglieder einiger Baugruppen, die sich bis zum 16. Oktober um die drei Grundstücke an der Waller Mitte bewerben konnten und nun gespannt auf Neuigkeiten zu diesem Thema warten. Wie viele Bewerbungen bei Immobilien Bremen eingegangen sind, das konnte Ortsamtsleiterin Ulrike Pala ihnen indes nicht sagen. Voraussichtlich im November soll die Jury tagen; auch Ortsamt und Waller Beirat sind dann mit dabei.

Baubeginn im November

Die Planungen für den Platz wiederum sind nun beschlossene Sache. Nur eine kleine Veränderung hat sich Imholze zufolge seit der letzten öffentlichen Präsentation noch ergeben: Der Radweg, der von der Vegesacker Straße über die Waller Mitte zum Steffensweg verlaufen wird, wird nicht asphaltiert, sondern gepflastert. Dies mache es leichter, später womöglich einmal kleinere Ausbesserungen am Belag vorzunehmen. Mitte November soll der Kanalbau quer über den Platz starten, und ab Mitte Dezember sollen die Erdarbeiten beginnen. Rund 18 Wochen sind dafür veranschlagt worden, denn es muss viel verschoben werden.

Mit der Bürgerinitiative Waller Mitte, die sich seit 2010 für den Erhalt der Fläche und mit verschiedensten Aktivitäten auf dem Platz engagiert, will Imholze einen Nutzungsvertrag abschließen. So ähnlich hat er es auch schon mit der Initiative „Ab geht die Lucie“ auf dem Lucie-Flechtmann-Platz in der Neustadt arrangiert. Wichtig sei dabei, dass die Waller Mitte ein Platz für alle werde, so Imholze: „Da gibt es dann auch keine Schlösser.“

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Mehrfach war in den Beteiligungsworkshops darüber gesprochen worden, dass der Platz bei längerem oder starkem Regen häufig unter Wasser steht. Das wird bei der Gestaltung der Fläche nun berücksichtigt, sagt Imholze auf Nachfrage aus dem Publikum: „Wir legen jetzt so viel Drainage rein, dass wirklich nichts passieren kann.“

Also alles geklärt? Fast. Einen Wunsch hatte BI-Vertreter Christoph Schwarzer nämlich auf dem Herzen. Es geht dabei um die Anpflanzung einer Hecke, mit der die Grundstücke an der Dedesdorfer Straße zumindest ein bisschen von der zukünftigen Geräuschkulisse auf dem Platz abgeschirmt werden könnten. Kurze Pause, Rainer Imholze holt tief Luft: „Ich nehme das mal mit und werde der Letzte sein, der dagegen was sagt. Aber: Die Ausführungsplanung ist genehmigt, so wie sie jetzt ist. Irgendwann ist auch mal Schluss.“

Info

Zur Sache

Wechsel im Waller Beirat

Gerald Wagner hat sein Beiratsmandat niedergelegt: Mit dieser überraschenden Nachricht begann am Montagabend im Ortsamt West die Sitzung des Fachausschusses „Quartiersbildung“, dessen langjähriger Sprecher der SPD-Ortspolitiker unter anderem war. „Das ist bedauerlich, aber auch zu verstehen. Denn die Beiräte sind ehrenamtlich neben ihrer Arbeit tätig“, sagte dazu Ortsamtsleiterin Ulrike Pala. Seine Entscheidung, die Beiratstätigkeit zu beenden sowie seine gesamte politische Arbeit zurückzufahren habe rein private Gründe, erklärt Wagner. Aufgrund seiner beruflichen Situation habe die Zeit seiner Ansicht nach in den vergangenen Monaten nicht mehr gereicht, um sich angemessen auf Sitzungen vorbereiten und dort einbringen zu können. Auch sei es für ihn zunehmend schwierig geworden, überhaupt noch freie Termine zu finden. „Ich habe mich zunehmend gefordert gefühlt, das Ganze zu klären – auch wenn es mir durchaus schwer fiel“, sagt Wagner. Gerald Wagner war 2011 für die SPD in den Waller Beirat gewählt worden und hat unter anderem den Prozess um die Entwicklung der „Waller Mitte“ intensiv begleitet. Seit der Gründung des Fachausschusses „Dedesdorfer Platz“, aus dem später der Fachausschuss „Quartiersbildung“ hervorging, am 28. Januar 2013 war Wagner Sprecher dieses Gremiums. Dementsprechend bedauerlich finden die Mitglieder der Bürgerinitiative „Waller Mitte“, dass Wagner sein Mandat nun zurückgegeben hat. Zu seinem Nachfolger als Ausschussprecher ist am Montagabend SPD-Mitglied Hauke van Almelo gewählt worden. Er engagiert sich seit 2015 als Sachkundiger Bürger im Waller Beirat; zunächst gehörte er dort dem Fachausschuss „Schulische Bildung, Weiterbildung und Migration“ an, später dann dem Bauausschuss.

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