Corona-Krise Kletterhalle bangt um ihre Zukunft

Die Boulder-Halle am Hohweg in Walle gerät durch die Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten. Geschäftsführer Martin Pleßa ist auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen.
23.11.2020, 13:19
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Markwort

Bremen. Noch mindestens bis Ende November muss die Boulder-Halle am Hohweg in Walle geschlossen bleiben. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer halten weitere Maßnahmen und eventuell einen Lockdown bis zum Jahresende für möglich. Geschäftsführer Martin Pleßa hofft nun auf die Solidarität der Mitglieder: „Der neuerliche Corona-Lockdown bringt eine neue Belastung für viele ansonsten eher spärlich besuchte Klettergebiete im Norden“, verdeutlicht Pleßa. „Vor allem“, betont er, „weil nicht nur aus Bremen und Niedersachsen, sondern auch aus Nordrhein-Westfalen unfassbar viele Kletterer und Kletterinnen in den Ith oder Harz fahren.“

Finanziell liegt der Umsatzausfall im sechsstelligen Bereich, erzählt Geschäftsführer Pleßa. Personell habe er aber alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten können und keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen müssen. „Mehr als 95 Prozent unserer Mitglieder haben im ersten Lockdown aus Solidarität ihre Beiträge weiter bezahlt“, sagt der Geschäftsführer. Nur Einzelne hätten vom Angebot des Einfrierens der Beitragszahlung Gebrauch gemacht, darunter diejenigen, die ihren Job bereits im ersten Lockdown verloren hätten. „In diesem zweiten Lockdown verhalten sich unsere Mitglieder ähnlich solidarisch“, betont Pleßa.

Hilfen von etwas über 14 000 Euro

Bisher hat Martin Pleßa lediglich im ersten Lockdown das Kurzarbeitergeld für zwei Monate sowie die Corona-Soforthilfe des Landes Bremen in Höhe von 5000 Euro und die erweiterte Corona-Soforthilfe des Bundes erhalten. „Wir haben bis heute Hilfen von etwas über 14 000 Euro erhalten“, konkretisiert der Geschäftsführer, „dieser Betrag reichte uns für nur zehn Tage Betriebsschließung.“ Im ersten Lockdown seien es jedoch 65 Tage gewesen, so Pleßa weiter, „und nun sind es wieder mindestens 28 Tage“. Seine Boulderhalle habe großen Flächen-und Personalbedarf „und dementsprechend hohe Mietkosten, hohe Nebenkosten und hohe Personalkosten“, erläutert Pleßa, dem Alternativen und damit eine Perspektive fehlen. „Video-Angebote machen für Kletterer wenig Sinn“, erklärt Martin Pleßa, „eine Kletterwand hat kaum jemand zu Hause, wobei derzeit viele Kunden zu Hause aktiv werden und sich selber eine Wand aufstellen.“

Im Winter ist draußen Klettern schwierig

Während des ersten Lockdowns hätten die Kletterer noch bei gutem Wetter raus fahren und beispielsweise im Ith südwestlich von Hannover, im Harz oder sogar an der Hemelinger Autobahnbrücke klettern können – dieses sei während eines befürchteten Winter-Lockdown nicht möglich und die Ausübung des Klettersports sei dadurch nahezu komplett zum Erliegen gekommen. „Gute Perspektiven sehen wir erst wieder, wenn wir wieder öffnen können“, blickt Pleßa wenig optimistisch in die Zukunft. Einnahmen würden somit nahezu keine anfallen, „nur solidarisch gezahlte Mitgliedsbeiträge oder Spenden kommen derzeit rein“, so Pleßa. „Wenn möglich, sollten unsere Mitglieder zumindest versuchen, ihre Beiträge solidarisch weiter zu zahlen“, appelliert er deshalb.

„Wenn unsere Mitglieder an einem echten Fels in freier Natur klettern möchten, bitten wir um Beachtung des Naturschutzes und entsprechendes Verhalten in der Natur“, mahnt der Geschäftsführer. Es gebe „viele reine Hallen-Klettersportler, die sich nun draußen im Klettern oder Bouldern versuchen“, hat er mitbekommen und bittet die Unerfahrenen, „sich unbedingt erfahrenen Outdoor-Kletterern anzuschließen und sich im Wald nicht wie ein Elefant im Porzellanladen zu verhalten, damit uns diese letzte, ursprüngliche Form des Kletterns erhalten bleibt“.

Öffnungs-Konzept soll kommen

Konkrete Aussagen zu einem geplanten „Öffnungs-Konzept“ in Einklang mit politisch geforderten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus möchte Martin Pleßa „mit viel Hoffnung noch im Laufe der nächsten Tage“ veröffentlichen, teilt der Geschäftsführer auf der Internetseite mit. „Wir möchten zuerst Aufklärung betreiben, damit eine Kletter-und Boulderhalle wie unsere in Zeiten der aktuellen Gesetzgebung in Verbindung mit dem Infektionsschutz nicht pauschal genauso wie andere Indoor-Sport-und Freizeit-Stätten bewertet wird“, erläutert Pleßa. Gleichzeitig wirbt er „für die Akzeptanz und Genehmigung eines Handlungskataloges für die Sportarten Klettern und Bouldern im Land Bremen, welcher den Betrieb von Indoor-Sportstätten unter strenger Einhaltung aller geltenden Hygiene-Vorschriften ohne Bedenken ermöglichen soll“.

Der Klettersport ist laut Martin Pleßa „aus Gründen der Sicherheit schon immer eine kontaktlose Sportart“ gewesen. Damit sei der Klettersport ebenso wie Golfen, Tennis oder Laufen an der frischen Luft in Einklang mit geltenden Hygiene-Regeln in einer Vielzahl der großflächigen, meist hoch gebauten Hallen möglich. Hallen, die der Sportart geschuldet einen überdurchschnittlich großen Bedarf an Raumvolumen haben mit entsprechender natürlicher Durchlüftung mit Frischluft-Qualität. Das sei vergleichbar mit den bereits wieder genehmigten „Outdoor“-­Sportarten, betont Martin Pleßa und deshalb unter den selben allgemeinen Auflagen durchführbar.

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