Film "Tanz mit dem Einhorn" Die Frau des Kriegsheimkehrers

Walle. Im Film "Der Tanz mit dem Einhorn" zeigen Menschen mit und ohne Psychiatrie-Erfahrung in sieben Geschichten der anderen Art ihre Erfahrungen mit seelischen Krisen. Zu sehen ist der Film, den die Initiative zur sozialen Rehabilitation zusammen mit der Filmproduktion Cine-Ci auf die Beine gestellt hat, ab Mittwoch im Kino 46.
11.04.2010, 08:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Bastienne Ehl

Walle. Im Film "Der Tanz mit dem Einhorn" zeigen Menschen mit und ohne Psychiatrie-Erfahrung in sieben Geschichten der anderen Art ihre Erfahrungen mit seelischen Krisen. Zu sehen ist der Film, den die Initiative zur sozialen Rehabilitation zusammen mit der Filmproduktion Cine-Ci auf die Beine gestellt hat, ab Mittwoch im Kino 46.

Ein Mann kehrt vom Einsatz in Afghanistan zurück. Er leidet an einem posttraumatischen Syndrom. Als seine Frau es nicht mehr mit ihm aushält, verlässt sie ihn und auch ihr Kind. Carolin Dittmar aus dem Steintor spielt in der fünften Episode des Films "Der Tanz mit dem Einhorn" die Frau des Kriegsheimkehrers.

Hat die Geschichte etwas mit ihrem eigenen Leben zu tun? "Vielleicht die Schwere, der Schmerz oder auch die Dramatik, die in einer Beziehung stecken können. Das sind Dinge, die ich sehr gut nachvollziehen kann", sagt die 31-Jährige. Man reagiere und schauspielere ganz anders, wenn man jene andere Welt kennengelernt habe. "Man kann besser nachvollziehen, dass nicht alle Handlungen und Gedanken logisch oder rational sind."

Krisenerfahren

Dittmar hat Krisen erlebt. Insgesamt vier Jahre lang litt sie an einer Psychose. Seit acht Jahren ist das vorbei, jetzt ist sie symptomfrei, hat eine fünfjährige Tochter. "Ich habe sehr viel dafür getan, um mir selbst da rauszuhelfen, und ich habe gelernt, offen über meine Krankheit zu sprechen", sagt sie. Für ihre berufliche Entwicklung konnte sie ihre Krise sogar nutzen. Heute arbeitet sie als Genesungsbegleiterin in einem Wohnheim der Inneren Mission für psychisch Erkrankte. Die Voraussetzung dafür war eine einjährige Ex-In-Ausbildung. Innerhalb dieser Maßnahme werden Psychiatrie-Erfahrene dafür qualifiziert, als Dozenten oder Mitarbeiter in psychiatrischen Einrichtungen zu arbeiten.

Zum Filmprojekt kam Carolin Dittmar durch die Zeitungsinitiative "Irrturm" in Walle, bei der sie zu diesem Zeitpunkt noch arbeitete. "Der Regisseur Jürgen J. Köster von der Filmproduktion Cine-Ci ist 2008 an uns herangetreten. Seine Idee war es, einen Film zu machen, in dem nicht Profis über Betroffene reden, sondern die Betroffenen selbst eine Stimme bekommen." Daraufhin habe sich eine Autorengruppe gebildet, die Texte zum Thema Krise entwickelte, diskutierte und wieder umschrieb, bis das Drehbuch fertig war. Im März vergangenen Jahres kam dann das Casting. "Eigentlich dachte ich, ich bekomme nur eine kleine Nebenrolle als Tänzerin", sagt die 31-jährige Viertelbewohnerin, eine der wenigen im 67-köpfigen Team, die nicht aus dem Bremer Westen kommen. Sie bekam eine Hauptrolle, übernahm die Regieassistenz, half dabei Drehorte - wie das Hafenmuseum, das Klinikum Ost oder das Haus ihrer Mutter - zu finden, Schauspieler auszuwählen und Drehpläne zu erstellen. "Zuerst dachte ich noch: Schaff ich das alles überhaupt?" Geschafft hat sie alles, auch wenn die Arbeit nicht immer einfach war. "Der erste Drehtag im Krankenhaus Ost war total chaotisch. Aber ich habe gelernt, das Chaos einfach zuzulassen", sagt Regisseur Jürgen J. Köster.

Als Nicht-Betroffener musste der 55-Jährige am Anfang außerdem lernen, sich zurückzunehmen und Entwicklungen freien Lauf zu lassen. 'Die Konstanz der Arbeit hat mich überrascht, weil wir eine so bunt gemischte Truppe waren, darunter Schauspieler, Betreuer der Initiative zur sozialen Rehabilitation und Betroffene', sagt Köster, der auch als Dozent für Heilerziehungspflege arbeitet.

Thema oft in Medien zu vereinfacht

Das Thema ist für den Regisseur nicht neu. "Als ich 17 war, habe ich in der Psychiatrie gearbeitet. Die Leute wurden fixiert, mit Medikamenten vollgestopft und wie der letzte Dreck behandelt." Köster hat gekündigt. Der Thematik blieb er treu.

"Das Thema psychische Erkrankungen wird in den Medien häufig sehr vereinfacht dargestellt. Ich möchte mit meiner Arbeit nicht diagnostizieren und nicht pädagogisieren, sondern das Thema einfach näher beschreiben."

"Der Tanz mit dem Einhorn" soll nicht sein einziger Film bleiben, in dem die Betroffenen selbst zu Wort kommen. "Zwei weitere Filme in dieser Art machen wir mindestens noch. Im August soll das nächste Projekt starten. Wir beginnen damit, Leute zu suchen, die mitmachen, und dann startet die Drehbuchphase."

Was Köster dabei aber auf jeden Fall anders machen will als bei diesem Projekt: "Wir müssen uns unbedingt um Fördergelder bemühen. Zwar hatten wir jetzt Unterstützung von der Initiative zur sozialen Rehabilitation, aber es war dennoch eine Low-low-Budget-Produktion und entsprechend eine Knochenarbeit."

Die Geschichte über die Frau des Kriegsheimkehrers, in der Carolin Dittmar die Hauptrolle spielt, hat Friderun Thompson aus Gröpelingen geschrieben. Die 65-Jährige engagiert sich auch von Anfang an im Projekt "Der Tanz mit dem Einhorn". Und hat die Geschichte etwas mit ihrem eigenen Leben zu tun? "Ja, das ist meine Lebensgeschichte. Mein Mann kämpfte in Nordirland gegen die IRA."

"Der Tanz mit dem Einhorn" am Mittwoch, 14. April, ab 20 Uhr, Freitag, 16. April, ab 18 Uhr und am Sonntag, 18. April, ab 11 Uhr, im Kino 46, Waller Heerstraße 46. Kartenreservierung unter 387 67 31. Wer beim neuen Projekt mitmachen will, bekommt weitere Infos unter www.cine-ci.de, Infos zur Initiative zur sozialen Rehabilitation unter www.initiative-zur-sozialen-rehabilitation.de.

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