Peter Wehrmann leitet Beatboxing-Workshop Die Instrumente aus dem Kopf

Walle. Sein Schlagzeug hat er immer bei sich, doch schwer schleppen muss er nicht: Peter Wehrmann ist Beatboxer. Er imitiert das komplette Instrument nur mit seinem Kehlkopf, seiner Zunge, den Zähnen und der Nase. Ob Bassdrum, Trillerpfeife oder Becken - Wehrmann kann alles nachmachen. Im Kulturzentrum Westend hat der 43-Jährige jetzt bei einem Workshop des Kreischorverbandes Bremen gezeigt, was er drauf hat.
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Die Instrumente aus dem Kopf
Von Catrin Frerichs

Walle. Sein Schlagzeug hat er immer bei sich, doch schwer schleppen muss er nicht: Peter Wehrmann ist Beatboxer. Er imitiert das komplette Instrument nur mit seinem Kehlkopf, seiner Zunge, den Zähnen und der Nase. Ob Bassdrum, Trillerpfeife oder Becken - Wehrmann kann alles nachmachen. Im Kulturzentrum Westend hat der 43-Jährige jetzt bei einem Workshop des Kreischorverbandes Bremen gezeigt, was er drauf hat.

Gut 30 Menschen sitzen kreisförmig im Saal des Kulturzentrums an der Waller Heerstraße 294. Es sprotzt, es zischt, es wummert, es spuckt. 'Sie müssen einen Ton erzeugen, der klingt, als würden sie einen Kirschkern ausspucken', erklärt Choristin Christin Picker aus Ritterhude leise einem Neuankömmling.

Zimperlich darf man beim Beatboxen nicht sein. Und die Teilnehmer im Alter zwischen 14 und 50 Jahren haben ihre Scheu schnell abgelegt. Das liegt auch an der locker-freundlichen Art des Workshopleiters, der viel über Trommeln und Töne erzählt und die Erläuterung mit Klangkostproben unterfüttert. Alle im Saal haben zwar Rhythmusgefühl, singen selbst im Chor oder spielen ein Instrument, die meisten aber haben keinerlei Erfahrung mit Beatboxing. Das soll sich jedoch heute ändern.

Das Geheimnis der Bassdrum etwa liegt im Kehlkopf. Der Mund bleibt zu, die Kehle erzeugt einen tiefen, kurzen Klang, der sich wie ein 'ummh' anhört.

Noch mehr Kostproben gefällig? Klatschen mit dem Mund klingt wie ein 'Tschik' nur ohne Stimme. Wer wie beim Swing den Besen über das Fell der virtuellen Trommel gleiten lassen will, muss mit leicht geöffneten Lippen auspusten. Die Zunge liegt wie beim 'T'-Sprechen an den Zähnen. Mit der Zunge wird der Rhythmus erzeugt. Zwischendurch nur nicht das Luftholen vergessen!

Die einzelnen Elemente sind schnell verinnerlicht. Die Kombination aus mehreren Tönen jedoch ganz und gar nicht. Konzentration ist gefragt. Schon nach ein paar Minuten fühlt es sich für manchen Teilnehmer so an, als hätte er einen Knoten in der Zunge. Für Peter Wehrhahn dagegen ist Mouth-Drumming und Vocal-Percussion wie Sprechen.

Fast alles kann er mit Mund, Rachen und Nase erzeugen: Nicht nur das komplette Schlagzeug, sondern auch Trompete, Posaune oder Gitarre, Katzengeschrei und Hundebellen. Wehrmann, der im Braunschweiger Raum groß geworden ist und heute in Berlin wohnt, kann keine Noten. Wozu auch. Sein Instrument ist sein Kopf. Mit dem imitiert er Geräusche und Rhythmen seit er fünf Jahre alt ist.

Gute Chance beim 'Supertalent'

Seit 20 Jahren steht der 43-Jährige auf der Bühne. Zuletzt am vergangenen Sonnabend im Fernsehen auf RTL, beim Casting für 'Das Supertalent'. Ein paar Minuten dauerte seine musikalische Zeitreise in die Rhythmen der 70er- und 80er-Jahre. 'Peter, Du bist gut', fand Juror Bruce Darnell, und auch bei den Kollegen Dieter Bohlen und Sylvie van der Vaart ging der Daumen für den Beatboxer hoch. Mitte Dezember geht Wehrmann in die nächste Runde. Seine Chancen weiterzukommen stehen nicht schlecht.

Bis die Waller Workshopteilnehmer so überzeugend beatboxen wie der Profi, müssen sie noch üben. 'Im Kirchenchor lernt man so etwas nicht', meint Ute Hauswald aus dem Viertel. Nicole Henzel (37), am Sielwall zu Hause, singt beim Chor 'Cantamus', der in Kattenesch probt. Sie will selbst ein eigenes Projekt starten. Da könnte Beatboxen zum Einsatz kommen. 'Der Workshop war sehr gut angeleitet', findet sie. Nur, je mehr Elemente ins Spiel kommen, desto schwieriger wird's. Jan-Peter Bruns aus Schwachhausen sieht das ähnlich. Der 41-Jährige ist von Haus aus Schlagzeuger. Muss er beim Trommeln Arme und Beine koordinieren, spielt sich die Musik beim Beatboxen im Kopf ab. 'Das ist ein ganz anderer Ansatz.'

Der 14-jährige Niklas Wendt aus Ritterhude hat als einziger Mouth-Drumming-Erfahrung. Er singt im Chor 'Ladylike', dessen Leiterin Angela Petermann den Kontakt zu Workshopleiter Wehrmann geknüpft hat. Er imitiert dort schon das Schlagzeug. Im Internet hat er Vocal-Percussion entdeckt. Viele neue Anregungen hat er im Kulturzentrum Westend mitgenommen, die er jetzt bei den Chorproben umsetzen will.

Wer Beatboxen ganz entspannt zu Hause ausprobieren möchte, der wiederholt einfach immer wieder und ganz schnell den Satz: 'Bist du bekloppt.' Oder probiert den Satz von Castingshow-Juror Dieter Bohlen aus: 'Decke den Tisch, decke den Tisch, decke den Tisch!'

Mehr Informationen übers Beatboxing stehen auf www.pete-the-beat.de.

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