Gesellschaftliches Engagement

Ein Herz für soziale Projekte

Mittlerweile kommt einiges an Geld zusammen, was das IT-Unternehmen Team Neusta in soziale, kulturelle und bildungsfördernde Projekte fließen lässt.
31.07.2018, 18:00
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Von Anke Velten
Ein Herz für soziale Projekte

Da helfen, wo die Stadt die Sorge nicht übernehmen kann, hält Heinz Kierchhoff als Geschäftsführer bei Team Neusta für essenziell.

Christina Kuhaupt

Nachdem in der Überseestadt die Unterkünfte für Geflüchtete bezogen waren, besuchten Mitarbeiter von Team Neusta die Standorte, um unter den Bewohnern potenzielle Kollegen zu suchen. Weil sich der Sportgarten im Überseepark dringend einen Kiosk wünschte, übernahm Team Neusta, was sonst keiner machen wollte. Als Studierende der Universität Bremen Geld brauchten, um ein potenziell lebensrettendes Projekt in Laos zu etablieren, wurden ihre Reisekosten übernommen. Die Strategie für das gemeinnützige Engagement des IT-Unternehmens mit Sitz im Schuppen Eins der Überseestadt lautet: Sehen, wo es fehlt, und dann schnell und unkompliziert einspringen. Das ist gute alte Bremer Art und ganz einfach selbstverständlich, findet Geschäftsführer Heinz Kierchhoff. „In Bremen ist es seit jeher Tradition, dass Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und das tun, wofür die Stadt nicht sorgen kann.“

Engagement summiert sich auf rund 100.000 Euro pro Jahr

Schwarz auf Weiß festgeschrieben ist die hauseigene Charity-Strategie zwar nirgends, und auch ein festes Budget für soziale Zwecke hat das Unternehmen nicht. Doch mittlerweile kommt einiges zusammen, was in soziale, kulturelle und bildungsfördernde Projekte fließt. Das Engagement summiert sich laut Geschäftsführung auf durchschnittlich rund 100.000 Euro pro Jahr – mal mehr, mal weniger, je nachdem, was gerade ansteht. „Wir denken nicht in Budgets“, erklärt Kierchhoff, der seit kurzem neben Carsten Meyer-Heder und Dirk Schwampe dritter Mann in der Geschäftsführung ist. „Wir fördern Projekte, die wir sinnvoll und wichtig finden, und die der Stadt gut tun.“

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Feste Größen sind zum Beispiel die Tickets im Wert von insgesamt 4000 Euro, die Studierenden der Hochschule für Künste den Besuch von Konzerten des Musikfests Bremen ermöglichen. Oder die Spende für den Werder-Weihnachtsgruß, der gemeinnützigen Organisationen der Stadt zugute kommt. Seit vier Jahren hat das Unternehmen, das vor 25 Jahren gegründet wurde, seinen Sitz im Schuppen Eins der Überseestadt. Der Stadtteil liegt dem Team daher besonders nahe. Enge Beziehungen wurden beispielsweise schnell mit dem Schulzentrum an der Grenzstraße geknüpft, berichtet Kierchhoff. Regelmäßig kommen Schülergruppen des Wirtschaftsgymnasiums zu Besuch in den Schuppen Eins, belegen bei den IT-Profis Workshops und Seminare, absolvieren ihre schulischen Praktika. Nach den Besuchen in Waller Flüchtlingsunterkünften wurden 30 junge Männer mit IT-Vorkenntnissen ins Neusta-Bildungshaus eingeladen. Sie erhielten in Kooperation mit dem Paritätischen Bildungswerk fachbezogenen Deutschunterricht, rund 1200 Stunden Fachunterricht und ein achtwöchiges Praktikum. Immerhin zehn davon gelang der Berufseinstieg und sie wurden zu Teamkollegen, berichtet Kierchhoff.

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Weitere Beispiele für stadtteilbezogenes Engagement sind die Unterstützung des inklusiven Wohnprojekts Blauhaus der „Blauen Karawane“, für das vor wenigen Wochen der Grundstein gelegt wurde. Nur einen Spaziergang entfernt vom Firmensitz liegt auch der Überseepark, in dem der Sportgarten eine Außenstelle betreibt. Den Kiosk im Seecontainer, in dem sich Sportler und Parkbesucher mit Getränken und Snacks versorgen können, betreibt das Team des Bistros Hafenbrise im Schuppen Eins, das gleichzeitig als Neusta-Mitarbeiterkantine dient. „Niemand wollte das machen, denn Geld kann man damit nicht verdienen“, erzählt Kierchhoff. „Aber wir kooperieren schon lange mit dem Sportgarten in der Pauliner Marsch, unterstützen dort zum Beispiel das ,Hood Training’, ein spezielles Trainingsprogramm zur Gewaltprävention und für die soziale Integration.“ Dass sich der Sportgarten im Überseepark etabliert habe, „finden wir vor allem deshalb so wichtig, weil er die Menschen aus dem alten Walle und der Überseestadt zusammenbringt.“, erklärt der Geschäftsführer.

„Teamtage“ der Neusta-Azubis

Team Neusta nennt sich „Digital Family“, und die Familie wird auch gerne für soziale Zwecke eingespannt – etwa für die halbjährlichen Blutspendeaktionen. Zum Ausbildungsplan der Neusta-Azubis gehören die jährlichen „Teamtage“: Zuletzt wurden die Räume und das Außengelände einer Kindertagesstätte im Bremer Viertel mit insgesamt 45 Azubis und für rund 3000 Euro aufgemöbelt. Als Werder-Partner hat das Unternehmen das Privileg, dass zweimal pro Jahr Mitarbeiterkinder mit den Profis aufs Spielfeld einlaufen dürfen. Die Ehre müssen sich die stolzen Eltern allerdings je 100 Euro kosten lassen: So fließen jährlich weitere 2200 Euro in die Werder-Stiftung, erklärt Kierchhoff.

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„Für tolle Ideen sind wir immer zu haben“, sagt der Geschäftsführer. Unterstützenswert fand das Unternehmen das Projekt von fünf Studierenden der Universität Bremen: Sie entwickelten gemeinsam mit dem Land- und Forstwirtschaftsministerium in Laos die Frühwarn-App „Mobile4D“, mit deren Hilfe Naturkatastrophen wie Hochwasser und Schädlingsplagen besser gemanagt werden können. Die Neusta-Gruppe übernahm die Reisekosten in Höhe von 6000 Euro, damit die jungen Informatiker potenzielle Anwender vor Ort schulen konnten.

Was heute „Corporate Social Responsibility“ genannt wird, existierte schon lange, bevor der Begriff geprägt wurde. Neusta ist da natürlich kein Sonderfall, weiß Heinz Kierchhoff. „Es wird ja immer gerne über die Wirtschaft geschimpft. Aber viele – vor allem die inhaber- oder familiengeführten Unternehmen – engagieren sich sehr. Und auch für alle anderen sollte es selbstverständlich sein.“

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