Kunsthafen Walle Ein Stadtteil zeigt sein kreatives Potenzial

Premiere für den „Kunsthafen Walle“: Ein Wochenende lang wird ein ganzer Stadtteil zum Kulturzentrum. In Walle präsentieren fast 70 Orte bildende Kunst in all ihren Facetten.
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Von Anke Velten

So etwas hat es hier noch nicht gegeben: Ein Wochenende lang wird ganz Walle zum Kulturzentrum. Fast 70 Orte im Stadtteil präsentieren am Samstag, 16. November, 10 bis 18 Uhr, und Sonntag, 17. November, 11 bis 17 Uhr, bildende Kunst in all ihren Facetten: Musik, Theater und Literatur. Ateliers und Werkstätten öffnen sich, ungewöhnliche Locations verwandeln sich in Galerien und Bühnen. Neben etablierten Künstlerinnen und Künstlern zeigen auch talentierte Amateure ihre Werke. Wer also einmal sehen möchte, was ein ehemaliger Bremer Bürgermeister, eine Senatorin und ein bekannter Musicalstar in ihrer Freizeit produzieren: Willkommen im Kunsthafen Walle!

Die Idee für den konzertierten Auftritt der Kunst im Stadtteil hatten vor etwa einem Jahr die beiden Waller Künstlerkolleginnen Petra Heitkötter und Delia Nordhaus, die mit ihrer Begeisterung Brigitte Fischer-Panzlau ansteckten, Designerin mit eigener Agentur im Stadtteil. Die Initiatorinnen hatten sich für die Premiere mindestens zwanzig künstlerische Mitstreiter erhofft, die in Walle leben, arbeiten oder eine andere persönliche Beziehung zum Stadtteil pflegen. Es dürften insgesamt wohl deutlich mehr als fünfmal so viele geworden sein. Auch, weil die Initiatorinnen bewusst auf eine Vorauswahl verzichteten. „Die Auswahl treffen unsere Besucherinnen und Besucher“, betont Petra Heitkötter. Bei so vielen Möglichkeiten, an die Kunst anzudocken, „muss man einfach gucken kommen“, sagt Delia Nordhaus.

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„Die Resonanz war so groß, dass wir das Gefühl hatten: Walle hat auf diese Gelegenheit nur gewartet“, erklärt die Künstlerin mit Atelier an der Lindemannstraße und Kuratorin der Upcycling-Galerie „Wallerie“ im Walle Center. Einen guten Überblick über die künstlerische Vielfalt könnte man sich zum Beispiel zunächst im Bremer Kriminal Theater an der Theodorstraße 13a verschaffen, dessen Wände in der 2. Etage eine umfangreiche Gemeinschaftsausstellung mit Werken von mehr als 30 Künstlerinnen und Künstlern zeigen.

Stolz sind die Organisatorinnen auch darauf, dass sie eine ganze Reihe an namhaften Wallerinnen und Wallern dafür gewinnen konnten, sich als „Lotsen“ zur Verfügung zu stellen. So wird zum Beispiel Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt die Gäste durch die Eisfabrik an der Zietenstraße führen. Das Politikerehepaar Carsten und Anja Meyer-Heder empfängt die Gäste in den Art Docks – der Galerie für moderne Kunst im Schuppen Eins. Gastronom und Beiratsmitglied Alex Becker nimmt seine Truppe mit auf eine Fahrradtour zur „Kulturen Werkstatt“ in der Überseestadt.

Eine Faltbroschüre zur Orientierung

Als Orientierung wurde eine Faltbroschüre produziert, die sämtliche Namen, Adressen und bei Bedarf auch abweichende Öffnungszeiten auflistet. Mithilfe eines Straßenplans, auf dem sämtliche 67 Aktionsorte markiert sind, können sich die Gäste ihre persönliche Tour zusammenstellen, und dabei auch viele spannende Räume im Stadtteil entdecken, in denen seit Jahren Kunst gemacht wird – so wie im Walfischhof oder in den Kellogg-Ateliers. Kunst wird aber auch in zahlreichen außergewöhnlichen „Außenstellen“ gezeigt, darunter Waller Kneipen, Bars und Geschäfte, Bauwagen und Parzellen, Schuppen und Speicher. Immer gibt es dabei die Gelegenheit, mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen: Zum Beispiel mit Fotograf Julio Olmo Poranzke, der in der Feuerwache am Waller Stieg erklären kann, wie seine „Cyanografien“ entstehen, oder mit Konrad Siess, der in seinem Wohnhaus in Osterfeuerberg Skulpturen gestaltet, die zu ausdrucksvollen Bronzeplastiken werden.

Petra Heitkötters Kunstsalon an der Helgolander Straße lockt mit prominenten Namen und einer ganz seltenen Chance: Dort stellt Ethan Freeman eine Auswahl seiner Werke aus. Den Künstler – hauptberuflich Musicaldarsteller – haben die Bremer seit seiner Doppelrolle in „Jekyll und Hyde“ vor zwanzig Jahren ins Herz geschlossen. Mit seiner Gastgeberin verbindet Freeman eine jahrelange Freundschaft. „Es ist mir eine Ehre, hier auszustellen“, sagt er bescheiden. Ebenfalls im Kunstsalon zu sehen sind die Zeichnungen von Anja Stahmann. Es hat sich mittlerweile in der Stadt herumgesprochen, dass Bremens Sozialsenatorin – die seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Walle lebt – auch künstlerisch ausgesprochen kreativ ist und mit ihren Buntstiften eine ganz eigene originelle und eigene Handschrift entwickelt hat, das Tagesgeschehen zu kommentieren.

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Eine enge persönliche Verbindung pflegt Bremens ehemaliger Bürgermeister Henning Scherf zum Stadtteil Walle – und als Schirmherr und maßgeblicher Unterstützer der Van- der-Putten-Orgel insbesondere mit der Waller Kirche. Am Sonnabend können Musikliebhaber ab 17 Uhr dem Orgelkonzert von Edoardo Belotti lauschen und sowohl vorher als auch danach die Scherfschen Kunstwerke bewundern. Wofür auch immer sich die Gäste entscheiden – Petra Heitkötter kann ihnen versprechen: „Es wird super!“

Weitere Informationen

Über den „Kunsthafen Walle“, Lageplan, Adressen, Zeiten, Akteure und Rahmenprogramm informiert die Broschüre, die zurzeit an vielen Orten im Stadtteil kostenlos ausliegt. Zusätzliche Informationen finden sich auf der Website: www.kunsthafenwalle.de.

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