Auszeichnung für Schule

Einzug in die „Champions-League“

Die Europaschule Utbremern ist als erste öffentliche Schule Bremens ins bundesweite Mint-Excellence-Center aufgenommen worden.
22.02.2019, 20:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Einzug in die „Champions-League“

Harm Hornlein-Rohboom und Johanne Birreck freuen sich, dass die Europaschule Utbremen in die „Champions League" der Mint-Förderung aufgestiegen ist.

Roland Scheitz

Wer gerne Kekse in seinen Kaffee tunkt, könnte daran Gefallen finden, demnächst seinen Kaffee in einen Keks zu tunken. Der essbare, garantiert plastikfreie Einwegbecher aus durchweich-geprüftem Mürbeteig ist einer der Gründe, warum das Schulzentrum SII Utbremen vor Kurzem in den erlauchten Kreis der Mint-Excellence-Center (Mint-Ec) aufgenommen wurde. Die anderen sind zum Beispiel gute Ideen wie ein Fahrrad-Navigationsgerät, ein Chemie-Kit, mit dem man echtes Fell von Kunstfell unterscheiden kann, und ein mausgroßer „Rinnen-Roboter“, der fleißig Dachrinnen reinigt.

Mit praktischen Beispielen wie diesen beweisen Schüler der Europaschule an der Meta-Sattler-Straße permanent, wie gut sie hier für’s Leben und für ihre berufliche Zukunft lernen. Mit der Zertifizierung sei die Europaschule als bundesweit erste berufsbildende Schule in die „Champions League“ der Mint-Förderung aufgestiegen, lobte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD).

Weil es sich um eine Auszeichnung von überregionaler Bedeutung handele, hatte sie für den Festakt in Utbremen sogar eine Senatssitzung sausen lassen, berichtete ­Bogedan in der voll besetzten Schulaula, und führte die sportlichen Metaphern gleich weiter. Das Zertifikat würdige, dass die Schule sich nicht nur in der Breite sehr gut aufgestellt habe, sondern auch für Spitzenleistungen beste Voraussetzungen biete.

Mint – das ist bekanntlich die Abkürzung für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Um Nachwuchs in diesen Bereichen zu fördern, wurde im Jahr 2000 auf Initiative der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände ein gemeinnütziger Verein gegründet, der seither unter der Schirmherrschaft der Deutschen Kultusministerkonferenz Schulen mit einem hervorragenden Mint-Profil auszeichnet und aktiv fördert. Bislang zählen rund 260 deutsche Schulen zum Mint-EC-Netzwerk. Die Europaschule ist die erste öffentliche Schule in Bremen, die das Zertifikat erhielt. Zuvor wurde es an zwei Gymnasien in privater Trägerschaft vergeben – die International School in Horn-Lehe und das Ökumenische Gymnasium in Oberneuland.

Am Ball bleiben, wenn es mal nicht so gut läuft: Auch das hatte die Schule im Laufe des Wettbewerbs gelernt. Denn die erste Bewerbung vor drei Jahren war noch nicht von Erfolg gekrönt, wie Schulleiter Tobias Weigelt erzählte. Die standardisierten Kriterien seien bis dahin auf die Struktur des Gymnasiums ausgerichtet gewesen. Eine Schule mit einem flexiblen Bildungsangebot vom Berufsabschluss bis zur Hochschulreife fiel dabei völlig aus dem Rahmen. „Doch mit unserem Mint-Profil, unseren fachpraktischen Ausbildungen waren wir uns sicher: Wer, wenn nicht wir, wäre für dieses Netzwerk prädestiniert.“ Bei einem persönlichen Besuch habe sich eine Vereinsvertreterin davon überzeugen lassen, dass die Bedingungen angepasst werden müssten.

Im Wettbewerb konnte die Europaschule mit ihren dualen Ausbildungen zum Biologie-, Chemie- und Lacklaboranten sowie Augenoptiker punkten und ihren vollschulischen Berufsausbildungen im Bereich Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik, Physik und Pharmazie, deren praktische Inhalte an der Universität Bremen anerkannt werden. Betont wurde auch die enge Verzahnung zwischen Berufsausbildung und studienqualifizierender Ausbildung. Deutschlandweit einzigartig sei das Duale Studium Informatik in enger Kooperation mit der Hochschule Bremen, der Universität Bremen und Ausbildungsbetrieben.

„Wir sind Mint durch und durch“, kann Harm Hörnlein-Roboom bestätigen. Der Lehrer für Informatik und Mathematik ist seit zwei Jahren Mint-Beauftragter der Europaschule. Bei einem „Markt der Möglichkeiten“ zeigten seine Europaschüler, wie das in der Praxis aussehen kann: Patryk Bierzynski, ­Jonas Verkühlen und Fabian Schmurr hatten ein App-gesteuertes Fahrradnavigationsgerät konstruiert. Ihr „Magic Loop“ wird am Lenker befestigt und weist mit Leuchtsignalen den Weg. „Das funktioniert auch im Dunkeln und ist viel sicherer, als wenn man das Handy in der Hand hält“, erklärte Jonas.

Die drei 19-Jährigen aus dem Informatik-Profil hatten die Platine selbst entwickelt und in China produzieren lassen. Marco ­Wiesjahn präsentierte bei der Erfindermesse angewandtes Projektmanagement für ökologisch verantwortungsvolle Genießer. Er hatte mit einem Mitschüler Einweg-Kaffeebecher aus Mehl, Zucker, Öl und Salz entwickelt. Der Keks-Becher halte, bis auch der langsamste Kaffeetrinker ausgetrunken habe, erklärte der 19-Jährige.

Eingangs hatte Andreas Breiter, Konrektor der Uni Bremen, über die Digitalisierung in der schulischen Bildung referiert. Die Diagnose des Hochschulprofessors am Institut für Informationsmanagement war unerfreulich: Das Bildungssystem tue sich extrem schwer, mit den neuen Medien umzugehen, und die im Rahmen des Digitalpakts vorgesehenen Mittel seien viel zu gering. Die meisten privaten Haushalte seien in dieser Hinsicht besser ausgestattet als deutsche Bildungseinrichtungen. Doch auch in diesem Bereich schneide die Europaschule gut ab: „Ihre Schule ist nicht typisch“, sagte der Wissenschaftler.

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