Erhöhung um 400 Prozent

Parzellist wehrt sich gegen Pacht-Erhöhung

Der neue Eigentümer verlangt für die vom Waller Kleingärtner und Imker Karlheinz Hillmann gepachtete Parzelle 400 Prozent mehr Miete. Der 80-Jährige wehrt sich und hat das Ortsamt eingeschaltet.
15.08.2020, 05:00
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Parzellist wehrt sich gegen Pacht-Erhöhung
Von Anne Gerling
Parzellist wehrt sich gegen Pacht-Erhöhung

Gärtner Karlheinz Hillmann in seiner Parzelle in der Waller Feldmark.

Roland Scheitz

Auf den ersten Blick scheint in der Waller Feldmark die Welt noch in Ordnung. Doch das täuscht, wie Kleingärtner und Imker Karlheinz Hillmann Anfang des Jahres feststellen musste. Denn der 80-Jährige wehrt sich gegen eine saftige Erhöhung seiner Parzellen-Miete.

„Ich habe deine Parzelle gekauft. Du kriegst demnächst ein Schreiben“: Mit diesen Worten hatte sich ein Unbekannter als neuer Eigentümer der Bauernland-Parzelle am Stieglitzweg vorgestellt, die Hillmann seit mehr als 40 Jahren von einer Erbengemeinschaft gepachtet hat. Er hält dort in einem Holzhaus mehrere Bienenvölker – so, wie es auch sein Vater auf derselben Scholle schon seit 1956 getan hatte. Im März bekam Hillmann tatsächlich Post: Die Kündigung. Darin teilte ihm der Absender mit, er habe ein 8000 Quadratmeter großes Grundstück zwischen Stieglitzweg und Wellerskamp erworben. Falls Hillmann die von ihm gepachtete Parzelle weiterhin nutzen wolle, solle er künftig 500 Euro jährlich dafür zahlen. Sonst werde das Grundstück geräumt.

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Eine Erhöhung der Pacht hätte Hillmann grundsätzlich durchaus akzeptiert. „Ich wäre bereit gewesen, zehn Prozent mehr zu geben“, sagt der Waller. Aber 400 Prozent seien entschieden zu viel. In den vergangenen Jahren hatte der Imker etwa 18 Cent pro Quadratmeter gezahlt – die nun von ihm geforderte Summe entspräche aber einem Pachtzins von 92 Cent pro Quadratmeter. „Der normale Pachtpreis für Parzellen auf Privatgrund liegt bei 16 Cent, auf Staatsland bei 18 Cent“, sagt auch der frühere Grünen-Beiratspolitiker Jupp Heseding.

Nachdem Hillmann sich ans Ortsamt gewandt hatte, ist Heseding der Sache gemeinsam mit Beiratsmitglied Karsten Seidel (Grüne) nachgegangen. Beide möchten dem Imker helfen – schließlich sorge er mit seinen Honigbienen dafür, dass Obstbäumen und Sträucher im Gebiet bestäubt würden. Auch von anderen Parzellennachbarn habe der neue Eigentümer höhere Pachtpreise verlangt, hat das Ehepaar Hillmann gehört. Einige sollen bar bezahlt haben. Die Bankverbindung des Verpächters kennt nämlich bislang offenbar niemand. Auch den Hillmanns hat er sie trotz mehrfacher Nachfrage nicht mitgeteilt.

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