Bürgerschaftspräsident Christian Weber erklärt in der Europaschule das neue Wahlgesetz und wünscht sich viele informierte Erstwähler "Es ist auch für Sie wichtig, was in dieser Stadt passiert"

Utbremen. "Guten Tag, Herr Weber! Ist denn schon wieder Wahl?" - mit diesen überraschten Worten hätte ihn vor Jahren einmal eine ältere Dame begrüßt. Dabei habe er doch nur in gemeinnütziger Mission und in ordentlichem Abstand zwischen zwei Wahlterminen an der Haustür der Bremerin gestanden, berichtete Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft.
31.01.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Anke Velten

Utbremen. "Guten Tag, Herr Weber! Ist denn schon wieder Wahl?" - mit diesen überraschten Worten hätte ihn vor Jahren einmal eine ältere Dame begrüßt. Dabei habe er doch nur in gemeinnütziger Mission und in ordentlichem Abstand zwischen zwei Wahlterminen an der Haustür der Bremerin gestanden, berichtete Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft.

Nun steht tatsächlich eine Wahl bevor. In gewissermaßen gemeinnütziger Absicht ist er aber auch diesmal unterwegs. An der "Europaschule Sek.II Utbremen" stand nämlich nicht die Frage im Vordergrund, wen man denn wohl wählen solle. Es ging vielmehr darum, wie am 22. Mai gewählt wird, und vor allem, dass möglichst viele Bremerinnen und Bremer das auch wirklich tun.

Es gibt ein neues Wahlgesetz, und in diesem Jahr hat die Bremer Politik eine neue Zielgruppe hinzugewonnen: die Jugendlichen ab dem 16. Geburtstag, die erstmalig bei einer Bremer Bürgerschaftswahl wahlberechtigt sind. Rund 20 von ihnen - eine Klasse von angehenden Wirtschaftsassistentinnen sowie einem -assistenten der Fachrichtung Fremdsprachen - ließen sich jetzt vom Bürgerschaftspräsidenten persönlich in die Feinheiten des neuen Wahlrechts einführen. In ihrem Ausbildungsgang gehört die Politik zum Lehrplan und ist Prüfungsfach, erklärte Ausbildungsleiter Bernd Siegel.

Dass man von Politikern besonders viel sehe oder höre, wenn eine Wahl bevorsteht, das musste sich der Bürgerschaftspräsident auch von Schülerin Yasemin sagen lassen. Sie empfahl selbstbewusst: "Beziehen Sie die Jugendlichen so ein, dass sie ein Interesse an Politik entwickeln - nicht nur so kurzfristig vor den Wahlen." Dass auch das Wissen um Politik und Gesellschaftssystem stärker auf den Lehrplan gehört, damit war sie sich mit dem Parlamentsvertreter ganz einig. "Das gehört ebenso zur Allgemeinbildung wie Mathematik und Fremdsprachen", fand Christian Weber. Mit der Wahl ihrer Volksvertreter entschieden die Wahlberechtigten auch darüber, wie ihre Bildung gestaltet wird, betonte er. Webers Rat: "Prüfen Sie, ob Wahlversprechen auch tatsächlich eingehalten wurden." Sein Plädoyer an die jungen Leute: "Informieren sie sich über die Parteien, verfolgen sie die Nachrichten und vor allem - lesen Sie Zeitung!" Von Christian Weber bekamen die Jugendlichen nicht nur ein Musterexemplar des

dicken Wahlhefts präsentiert, sondern vor allem auch den Appell, von ihrem Wahlrecht auch Gebrauch zu machen. "Es ist auch für Sie wichtig, was in dieser Stadt passiert", betonte der Bürgerschaftspräsident. Mit der Entscheidung, das Wahlalter für eine Landtagswahl auf 16 Jahre zu senken, sei Bremen bundesweit einzigartig. Wenn diese Premiere sich allerdings durch die Abwesenheit der Zielgruppe auszeichnen würde, "wäre das wirklich hochnotpeinlich".

Ob es aber eine "kluge" Entscheidung war, davon sind selbst die Erstwähler nicht unbedingt überzeugt, gab Yasemin zu bedenken: Sie selbst kenne "viele Jugendliche, die weder informiert noch interessiert an Politik sind. Meinen Sie wirklich, dass es gut ist, wenn sie ihre Stimme abgeben?", fragte die 21-jährige Bremerin. Tatsächlich gebe es viele junge Leute, an denen das Thema "völlig vorbei" gehe, so Weber: "Nach Besuchen von Schulklassen im Parlament möchte man manchmal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen." Auf der anderen Seite gebe es aber auch viele Jugendliche, die selbst die Politik-Profis mit ihrem Wissen beeindruckten - und erwachsene Wähler, von denen man das nicht gerade behaupten könnte. Das bestätigte auch Mursal, 17 Jahre: "Ab wann man erwachsen genug ist, um verantwortungsbewusst wählen zu können, das ist nicht unbedingt eine Frage des Alters!"

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+